KOREA-GIPFEL

Risikofaktor Trump

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Bei diesem vor Symbolik strotzenden, penibel durchchoreografierten Gipfel war alles erwartbar – nur das Ergebnis überraschte dann doch.

Nordkoreas Diktator Kim Jong-Un hat tatsächlich einer Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel zugestimmt. Zur Erinnerung: Das ist der gleiche Mann, der der Welt noch vor wenigen Monaten mit einem Atomkrieg drohte. Kim schreibt sein Entspannung-Drehbuch weiter, mehr als vorsichtige Erleichterung ist trotzdem nicht angebracht. Denn der Korea-Gipfel war nur der Wegbereiter für ein viel größeres Polit-Spektakel: das Treffen zwischen Kim und US-Präsident Trump. Die Frage nach echter Entspannung entscheidet sich erst hier.

Den anvisierten Friedensvertrag können Nord- und Südkorea nämlich nur zusammen mit ihren Schutzmächten China und USA schließen, die vor 65 Jahren auch den Waffenstillstand mit aushandelten. Der größte Risikofaktor in dieser Gleichung ist nicht der diplomatisch klug agierende Kim, sondern Trump. Die beiden Super-Egos müssen sich erst mal darauf einigen, was genau Denuklearisierung heißt. Dass Kim darunter auch den Abzug von US-Truppen aus Südkorea versteht, ist bekannt. Trump, dessen Stärke Diplomatie nicht ist, wird dem Nordkoreaner irgendwie entgegenkommen müssen. Dann ist da noch der 12. Mai. An diesem Tag will der US-Präsident über die Zukunft des Iran-Atomdeals entscheiden. Sollte er ihn kündigen, wäre das ein fatales Zeichen an Kim. Zusagen aus den USA würde er kaum noch Glauben schenken.

Es kann einen echten Friedensprozess geben. Ob er tatsächlich beginnt, hängt nun an den USA.

Marcus Mäckler

Sie erreichen den Autor unter

Marcus.Maeckler@ovb.net

Zurück zur Übersicht: Politik

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare