REKORDSIEGER HANNAWALD

Rekordsieger Hannawald „Für die Tournee wurde ich Springer“

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Rekordhalter und TV-Experte: Sven Hannawald. DPA

„Für die Tournee wurde ich Springer“. So ganz aus dem Kopf bekommt Sven Hannawald die Sache auch heute noch nicht.

Entspannt schaut der 43-Jährige bei der Tournee auch diesmal erst zu, wenn das deutsch-österreichische Springerturnier seinen zweiten Einzelsieger erlebt hat. Wenn also nicht mehr gelingen kann, was ihm im Winter 2001/02 glückte: Alle vier Tourneespringen hat der bislang letzte deutsche Gesamtsieger seinerzeit gewonnen, das ist in 65 Auflagen keinem anderen gelungen. Diese Einzigartigkeit würde er sich gerne bewahren. „Es wäre schön“, sagt er, „wenn der Rekord noch eine Weile hält.“

Es hat eine Zeit gegeben, da ist der Mann den Stätten, die ihn zur Legende gemacht haben, lieber ferngeblieben. Weil ihm allein die Anwesenheit an den Schanzen wie in Oberstdorf oder Garmisch-Partenkirchen körperliche Schmerzen bereitete. Einen Job als Experte bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin nahm er erst an und lehnte ihn wieder ab, weil „es einfach nicht funktioniert hätte.“

Das ist nun anders. Hannwald steht in Diensten des Senders Eurosport, also solcher ist er auch bei der heute beginnenden 66. Vierschanzentournee im Einsatz. Und auch seine zweite Berufung führt ihn mit der Karriere von einst zusammen: Als Unternehmensberater gibt er Seminare, die sich unter anderem mit den Gefahren des Leistungsdrucks und der fehlenden persönlichen Balance befassen. Auch sie finden meist auf Skisprungschanzen statt.

Es ist das merkwürdige Dilemma des Mannes aus Erlabrunn, der im gleichen Krankenhaus zur Welt kam wie die Springer Jens Weißflog und Richard Freitag. Der Sport hat ihn groß gemacht und zumindest zeitweilig zerstört. Man kann das getrost auf die Vierschanzentournee verdichten. Ihr Mythos hat ihn auf die Schanze gelockt, doch das Turnier beinhaltet eben auch viel von dem, was Hannawald in den Burnout trieb. Nirgendwo ist die Aufmerksamkeit größer, keine Skisprungbühne ist so schrill und laut wie die Tournee – mit dem perfiden Modus, der acht perfekte Sprünge binnen acht Tagen fordert. „Dein Körper fängt an, unter Dauerstrom funktionieren zu müssen“, sagte er, „das kannst du nicht lernen.“ Schönen Gruß an seine Erben Richard Freitag und Andreas Wellinger, die nach grandiosem Saisoneinstieg nun bei der Tournee als Topfavoriten gehandelt werden. Auch die spezielle Beschaffenheit des Springerhighlights hält Hannawald für einen wesentlichen Grund, warum die Szene viele Topspringer entwickelt hat, aber nur wenige Tourneesieger. Und nur einen Vierfachsieger – auch wenn der um dieses Privileg regelmäßig zittert. Patrick Reichelt

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