DIE NEUEN GRÜNEN-VORSITZENDEN

Regierungswillig

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Wer sich jubelnd und glucksend überschlägt angesichts der neuen grünen Superstar-Doppelspitze, sollte sich mal mit den großen Hoffnungsträgern auf einen Marktplatz stellen.

Fast niemand wird Frau Baerbock oder Herrn Habeck erkennen. Da klafft schon noch eine Lücke zwischen der Aufgeregtheit in der politischen Szene und der Wahrnehmung der Wähler. Interessant ist die Wahl der neuen Bundesvorsitzenden dennoch, weil sie das Parteienspektrum ein gutes Stück verschieben kann.

Die für Grünen-Parteitage hohen Wahlergebnisse zeigen, dass die Basis nicht murrend, sondern freudvoll zwei regierungswillige Realos an die Spitze wählt und dafür die heiligen Regeln gegen Ämterhäufung lockert. Kleinideologie und Nein-Sagerei, der Fluch der alten Verbotspartei, werden zurückgestellt. Stattdessen versprechen Habeck und Baerbock eine unverkopfte Politik, die ein Andocken an die Union oder an ein Dreierbündnis leichter macht. In Kiel regiert Habeck ja als Minister bereits mit CDU und FDP. Nach dem Jamaika-Scheitern im Bund hätte das ganz anders laufen können: Eine Partei kann sich auch wochenlang griesgrämig in Frust, Fehlersuche und Flügelkämpfen ergehen.

Den neuen Grünen-Chefs ist erstmal eine hohe Medienpräsenz sicher. Das steigert die Bekanntheit. Noch wichtiger ist allerdings, ob der Schwung dieses Aufbruchs so weit reicht, die Grünen als eine Art neue Linke-Mitte-Partei zu definieren, die das Lebensgefühl der Menschen aufgreift. Dann würden die Noch-Nobodys Habeck und Baerbock vor allem im städtischen Bereich zur Gefahr für die FDP, auch für Teile der Groko-Saurier Union und SPD. Das kann dazu führen, dass das Rennen um Platz 2 im Parteiensystem bald offen ist.

Christian Deutschländer

Sie erreichen den Autor unter

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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