Rechtschreib-Katastrophe

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Die Orthographie-Reform und ihre Folgen. Die vor zehn Jahren in Kraft getretene Rechtschreibreform sei „überflüssig“ gewesen, befand dieser Tage ihr Mit-Erfinder, Bayerns Ex-Kultusminister Zehetmair.

Überflüssig? Das ist der Euphemismus des Jahres. Die Reform war eine Katastrophe, und noch immer stehen wir fassungslos vor den rauchenden Trümmern: Vergleichsstudien zeigen, dass die Rechtschreibfähigkeiten von Schülern seit Inkrafttreten des neuen, „modernen“ Regelwerks (und dessen späterer Teil-Rücknahme) dramatisch nachgelassen haben. Heute ist nur noch jeder fünfte Neuntklässler in der Lage, fehlerfreie Texte zu verfassen. Die Misere setzt sich an den Unis fort, wo Dozenten klagen, es fehle den Studenten an Grundkenntnissen der Grammatik und Syntax .

Ziel der Reformer war es, bildungsfernen Schichten durch eine vereinfachte Rechtschreibung den Aufstieg zu erleichtern. Damit sind sie gescheitert, und zwar grandios: Neue Freiheiten, etwa in der Getrennt- und Zusammenschreibung, haben gerade Bildungsferne in ihrem irrigen Glauben bestärkt, alles sei erlaubt (heute liest man: „nach der Augenoperation kann der Patient wiedersehen“ statt „wieder  sehen“). Das Ergebnis ist Chaos, und die Erkenntnis: Keine Reform und keine Gleichmacherei kann verhindern, dass die Beherrschung der deutschen Sprache in Wort und Schrift elementar ist für den sozialen Aufstieg.

Mit ihrem Überfall auf den Kulturschatz Rechtschreibung haben die Sprach-Marxisten leider nicht nur nichts erreicht, sondern an anderer Stelle erheblichen Schaden angerichtet. Eine ausdifferenzierte Orthographie dient(e) dazu, lesefreundliche Texte zu verfassen – und nicht dazu, den Schreibenden das Leben möglichst leicht zu machen. „Schiefgehen“ meint eben etwas anderes als das (im Zuge der Schreibreform zeitweise verlangte) „schief  gehen“.

Nichts gegen Veränderungen – dort wo sie nötig sind. Aber wir sollten aus dem Desaster lernen, wenn selbsternannte Reformer uns heute wieder erzählen, man wolle nur das Beste. Zum Beispiel, wenn sie uns ein neues, „modernes“ Einwanderungs(ausweitungs)gesetz schmackhaft machen wollen.

Georg Anastasiadis

Sie erreichen den Autor unter

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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