In rechter Gesellschaft

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Kein Einlass: AfD-Landesvorsitzender Petr Bystron (Mitte ohne Brille) mit Angehörigen der rechten Szene vor dem Eine-Welt-Haus in München. Foto: Michael trammer

AfD-Landeschef Petr Bystron will mit Größen der rechten Szene eine Veranstaltung besuchen – Zufall oder geplant? München – Wie eng ist der Kontakt der bayerischen AfD zu Rechtsextremisten?

Petr Bystron, AfD-Landesvorsitzender, Schulter an Schulter mit polizeibekannten Männern aus der rechten Szene – das zeigen Fotos, die ein Besucher am Mittwochabend vor dem Eine-Welt-Haus in München schoss. Dort hielt Robert Andreasch vom antifaschistischen Aida-Verein einen Vortrag über die AfD. Bystron wollte dabei sein, doch die Veranstalter pochten auf ihr Hausrecht, verweigerten ihm und mehreren weiteren Personen den Einlass und riefen die Polizei. Die Beamten notierten in ihrem Bericht die Anwesenheit von fünf Polizeibekannten aus der rechten Szene.

Teil der abgewiesenen Gruppe waren Lukas B., früher für die neonazistische Partei „Die Rechte“ aktiv, heute bei der „Identitären Bewegung“, und Rick W. vom Bündnis Deutscher Patrioten (BDP). Bystron hatte vorab auf Facebook angekündigt, den Vortrag zu besuchen – mit den Worten: „Könnte amüsant werden. Wer kommt mit?“ Nachdem ihnen der Zugang verwehrt wurde, gingen Bystron, B. und W. in einen gegenüberliegenden Biergarten. Ein zufälliges Treffen? Oder ein geplanter Schulterschluss gegen den politischen Gegner?

Mehrere Anwesende sagen, sie hätten beobachtet, wie dieses Trio gemeinsam über die Straße zu der Veranstaltung gekommen sei. Referent Robert Andreasch sagt: „Es ist kein Zufall, dass die hier zusammentreffen.“ In seinem Vortrag habe er auch über die Verstrickung von AfD und dem Bündnis Deutscher Patrioten gesprochen. Bystron mache gezielt Stimmung gegen ihn persönlich.

Bystron bestätigt, dass er mit Lukas B. und Rick W. im Biergarten war. Doch der Darstellung einiger Besucher widerspricht er vehement. „Ich bin alleine gekommen“, sagt er. B. habe er nicht gekannt, W. kenne er flüchtig von Demonstrationen. Nachdem ihnen die Veranstalter den Einlass verwehrten, habe er in die Gruppe gefragt, wer noch ein Bier trinken möchte. B. und W. kamen mit. Er sei gekommen, um mitzudiskutieren, so wie er es der Antifa bei seinen Veranstaltungen auch anbiete, sagt Bystron.

Zuerst hatte der Bayerische Rundfunk über den Vorfall berichtet. „Höchst rufschädigende Verleumdung“, nennt Bystron die Berichterstattung. Auf Facebook hat er einen Zeugenaufruf gestartet, um die Darstellung zu widerlegen.

Der Bayerische Verfassungsschutz erklärte auf Anfrage, man analysiere und bewerte den Sachverhalt vom Mittwoch. Unter den Personen sei eine, die den Verfassungsschutzbehörden als Rechtsextremist einschlägig bekannt und in der Vergangenheit auch mit Straftaten aufgefallen sei. Das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz kann Einzelpersonen in der AfD beobachten, wenn diese in rechtsextremistischen oder islamfeindlichen Zusammenhängen auffällig geworden sind. „Dies haben wir in Einzelfällen festgestellt“, teilt die Behörde mit. Die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Beobachtung der Gesamtpartei oder des bayerischen Landesverbandes seien aber nicht erfüllt. Eine systematische Zusammenarbeit der AfD mit Rechtsextremen sei bislang nicht feststellbar. Dominik Göttler

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