Ein Recht, das Gefühle stärkt

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+

BGH-Urteil zur Vaterschaftsauskunft. Was wiegt mehr: Das Recht des Kindes, seine Herkunft zu kennen – oder das Recht des Samenspenders auf Anonymität?

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat zugunsten des Kindes entschieden: Das Kind muss erfahren dürfen, von wem es abstammt. Und zwar frühzeitig. Dieses Urteil ist richtig.

Es gibt drei starke Gründe, die dafür sprechen. Erstens: Seit 1989 gilt für jeden das Recht auf Kenntnis seiner Herkunft – so das Bundesverfassungsgericht. Das muss auch Spenderkinder einschließen, selbst wenn sie noch minderjährig sind. Zweitens: Der Spender handelt aus freien Stücken, wenn er seinen Samen einem fremden kinderlosen Paar überlässt – und er wird seit 2007 explizit darauf hingewiesen, dass sein genetisches Kind später nach ihm suchen könnte. Er kann sich also nicht auf zugesicherte Anonymität herausreden. Drittens: Kinder, die durch eine anonyme Samenspende entstehen, haben zum Zeitpunkt der Zeugung – logischerweise – kein Mitspracherecht. Umso mehr müssen ihre Rechte später gestärkt werden.

Natürlich zieht das BGH-Urteil aber Fragen nach sich, vor allem diese: Wie sieht es mit Unterhalts- oder Erbschaftsansprüchen aus? Es darf nicht sein, dass ein anonymer Samenspender von Spenderkindern plötzlich zur Kasse gebeten wird. Hier muss der Gesetzgeber einen Riegel vorschieben. Denn: Beim Wissen um die Herkunft geht es nicht ums Geld, sondern um Gefühle. Und den Gefühlen der Spenderkinder hat der BGH nun mit guten Gründen Rechnung getragen.

Barbara Nazarewska

Sie erreichen die Autorin unter

Barbara.Nazarewska@ovb.net

Zurück zur Übersicht: Politik

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare