Qualmen? Igitt!

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Küss mich! Aber bitte nur, wenn Du vorher nicht gequalmt hast. Denn sonst schmeckt Dein Kuss wie ein Aschenbecher – und den würde ich nicht ganz so gern knutschen. Zur Wiesn 2010 hatten die Wiesn-Wirte dieses Nichtraucherplakat von Dieter Hanitzsch der Öffentlichkeit präsentiert. Damit es mit einem rauchfreien Oktoberfest gut klappt. M. Schlaf/dpa

Heute ist Welttag der Nichtraucher. Und Bayern ist mit seinen Vorschriften ein Vorreiter: Drei Viertel der Menschen, die im Freistaat leben, qualmen nicht. Vor allem die Männer greifen immer seltener zur Zigarette. Und die Damen? Die machen den Experten da noch etwas Sorgen.

Zum Weltnichtrauchertag

Heute ist Welttag der Nichtraucher. Und Bayern ist mit seinen Vorschriften ein Vorreiter: Drei Viertel der Menschen, die im Freistaat leben, qualmen nicht. Vor allem die Männer greifen immer seltener zur Zigarette. Und die Damen? Die machen den Experten da noch etwas Sorgen.

von Barbara Nazarewska

München – Es sind zwar nur Zahlen, die das bayerische Landesamt für Statistik zum heutigen Weltnichtrauchertag veröffentlicht hat. Doch dahinter stecken einige gute Nachrichten. Zum Beispiel die: Nicht einmal jeder Vierte im Freistaat qualmt. Oder die: Bei den Männern nimmt die Zahl der Raucher ab – vor allem im Alter.

Und bei den Frauen?

Da ist die Sache leider etwas komplizierter. Nüchtern betrachtet quarzen die Damen zwar noch immer seltener als die Herren (19 Prozent zu 28 Prozent). Aber: In jüngster Zeit greifen sie wieder häufiger zur Zigarette. Und das hat Folgen – fatale Folgen.

Bundesweit sterben inzwischen fast dreimal so viele Frauen an typischen Rauchkrebsarten wie vor 30 Jahren. Ein Anstieg von satten 186 Prozent! Tendenz: nun ja, auch steigend – wenn sich nichts ändert.

„Wenn Frauen rauchen wie Männer, werden sie auch sterben wie Männer“, erklärt Dr. Martina Pötschke-Langer (Interview). Sie leitet die Stabsstelle Krebsprävention am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Sie sagt: Frauen bekämen nun „die Quittung“ – der Anstieg sei eine „zeitverzögerte medizinische Reaktion auf das veränderte Rauchverhalten“. Würden die Frauen aufhören, den Männern in puncto Qualmen nachzueifern, würden sie seltener an bösartigen Lungen-, Bronchial- oder Kehlkopftumoren erkranken.

Doch was genau verleitet Frauen – und Männer – zum Rauchen? Früher waren es oft Leinwandhelden. Audrey Hepburn in „Frühstück bei Tiffany“ oder Woody Allen im Filmklassiker „Manhattan“. Die saßen dann da, zogen genüsslich an ihrem Glimmstengel und atmeten den Rauch in Richtung Kamera aus. Heute erledigt die Tabakwerbung diesen fragwürdigen Job. Das zeigt eine Studie der Krankenkasse DAK. Dort heißt es: „Je mehr Tabakwerbung Jugendliche schauen, desto häufiger rauchen sie – und werden letztendlich abhängig.“ Für diese Untersuchung haben Forscher rund 1300 Kinder und Jugendliche zweieinhalb Jahre lang begleitet. Zu Beginn qualmte niemand von ihnen, nach zehnmal Tabakwerbung anschauen soll sich das Risiko des täglichen Rauchens um 30 Prozent erhöht haben – also um fast ein Drittel. Dieses Ergebnis ist aber auch noch aus einem anderen Grund besonders alarmierend: „Rauchen ist die Einstiegsdroge Nummer eins“, sagt Daniel Fauth. Er berät jugendliche Süchtige. Er weiß, dass nach dem Glimmstängel oft härtere Stoffe als Nikotin kommen. Er weiß aber auch, dass Jugendliche inzwischen meist nur auf Umwegen an Zigaretten gelangen. Die Alterskontrollen sind heute sehr strikt. Kein Zufall also, dass sich der Tabakkonsum bei jungen Menschen in den vergangenen zehn Jahren auf 11,7 Prozent halbiert hat.

Eine Entwarnung ist das freilich nicht. Zumal insgesamt noch 14,7 Millionen Bundesbürger rauchen. Einige sogar im Job. Dabei hat jeder Arbeitnehmer einen Anspruch auf einen rauchfreien Arbeitsplatz. „Viele Nichtraucher sind aber Rauch ausgesetzt“, warnt ein Sprecher des Verbandes Deutscher Betriebs- und Werksärzte. Er bezieht sich dabei auf eine Studie der Europäischen Kommission, in der es heißt: Mehr als ein Zehntel muss den Qualm – unfreiwillig – aushalten. Wer dabei seinen Kollegen mit freundlichen Worten nicht klarmachen kann, dass er sich belästigt fühlt – ganz zu schweigen von den gesundheitlichen Folgen –, der wird nicht umhinkommen, die Chefetage einzuschalten. „Es geht hier ja nicht um ein privates Anliegen – Nichtraucherschutz ist eine Vorschrift“, sagen Experten.

Immerhin: Die meisten dürften kaum auf taube Ohren stoßen. Das Rauchen gilt schon lange nicht mehr als Statussymbol. Es ist ziemlich out. Viele Deutsche, das hat jetzt eine Umfrage ergeben, hätten sogar nichts dagegen, dass Zigaretten (noch) teurer würden. (mit Material von dpa)

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