Putins Propagandashow

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Russlands starker Mann: Kremlchef Putin spricht vor den Türmen der Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz in Moskau.

Unmittelbar nach Abschluss des G 7-Gipfels in Elmau wird Russland ausgeladener Präsident nach Rom reisen, um sich im Vatikan mit Papst Franziskus zu treffen. Eine bewusste Gegeninszenierung.

Putin will dem Westen nicht die moralische Deutungshoheit überlassen. Eine Analyse.

Kremlchef: Papst-Besuch und beruhigende Worte

Unmittelbar nach Abschluss des G 7-Gipfels in Elmau wird Russland ausgeladener Präsident nach Rom reisen, um sich im Vatikan mit Papst Franziskus zu treffen. Eine bewusste Gegeninszenierung. Putin will dem Westen nicht die moralische Deutungshoheit überlassen. Eine Analyse.

von Ingo-Michael Feth

Rom/Elmau – Es sind die Bilder, die in unserer modernen Medienwelt Meinung bilden. Ein US-Präsident in Hemdsärmeln etwa, der mit der deutschen Bundeskanzlerin in einem bayerischen Alpendorf ein Weißbier zischt und mit den Bürgern ratscht. Bilder, die um den Globus gehen. Idylle pur, fast kitschig. Die Bilder sagen: Seht her, wir sind die Guten, die Anständigen. Auf Tuchfühlung mit den Menschen. Demokratisch legitimiert. Weltpolitik zum Anfassen. Sechs Männer und eine Frau, die ihre politische Macht in den Dienst der Menschheit stellen; für Frieden, Sicherheit und Wohlergehen.

Ach ja, und dann gibt es da noch ein schwarzes Schaf, das draußen bleiben muss, wenn sich die Mächtigen zum Gruppenfoto aufstellen. Auch das Fehlen auf einem Bild kann eine Botschaft sein. In diesem Fall ist sie deutlich: Russlands diktatorisch regierender Machthaber Wladimir Putin ist nicht dabei; weil er die geltenden Regeln des internationalen friedlichen Zusammenlebens verletzt.

Wie schon vor einem Jahr in London, bleibt ihm auch diesmal die Teilnahme verwehrt. Die Annexion der Krim geht weiter, in der Ost- ukraine kämpfen russische Soldaten allen Abkommen zum Trotz für eine Abspaltung, im Baltikum lässt Moskau seine Muskeln spielen, und über dem Nordatlantik kreisen beinahe täglich Langstreckenbomber des Kreml – eine Provokation der besonders gefährlichen Art. Es klingt schon sonderbar, wenn manche Zeitgenossen dieses Verhalten exkulpieren wollen mit Floskeln wie: „Das muss man verstehen, der ist eben beleidigt. Der Westen war ja nicht gerade nett zu ihm“. Abgesehen davon, daß „Nettigkeit“ keine politisch Kategorie ist – Putin ist kein pubertierender Halbstarker, wie etwa Nordkoreas schrecklicher Kim Jong Un. Russlands Präsident, im KGB sozialisiert, weiß genau, was er tut. Wie beim Schachspiel berechnet er jeden Zug voraus.

In dieses Bild passt genau, das der Herr im Kreml übermorgen in Rom aufschlagen wird. Die schönen Gipfelfotos aus Elmau sind dann überall gelaufen, die Kommuniqués abgedruckt, wenn Putin von Papst Franziskus empfangen wird. Auch von dort wird es dann farbenprächtige Bilder geben. Das Ergebnis der Gespräche lässt sich bereits jetzt vorwegnehmen: Putin wird dem Pontifex beipflichten, wenn dieser zum Frieden mahnt, er wird dessen neue Enzyklika zu Ökologie und Nachhaltigkeit loben, er wird sich mit seinem Gastgeber darüber einig sein, dass die Krisen dieser Erde nur durch Dialog zu lösen seien. Die mediale Botschaft, die mit diesem Besuch verbunden sein wird: Seht alle her, ihr Obamas und Merkels, ihr Hollands und Camerons – ihr könnt mich vielleicht aus Eurer Runde ausschließen, aber nicht isolieren.

Man kann sich fragen, warum sich der diplomatisch sonst so versierte Heilige Stuhl auf eine Terminierung eingelassen hat, der ihn zwangsläufig zur Bühne für Putins Propagandashow macht. Vatikan-Sprecher Lombardi wiegelt pflichtschuldig ab: Wenn das Staatsoberhaupt einer wichtigen Nation um eine Audienz beim Papst nachsuche, werde die Anfrage in der Regel positiv beantwortet. Und die Terminfindung sei nun einmal nicht einfach angesichts des dicht gedrängten Programms des Kirchenoberhaupts. Nun ja. Immerhin darf man getrost davon ausgehen, dass Papst Franziskus, bekannt für seine offenen Worte, dem Kremlchef auch unangenehme Fragen stellen wird.

Vor dem Hintergrund des ohne in stattfindenden G7-Gipfels in Elmau hat Putin beschwichtigende Worte an den Westen gerichtet. Es gebe „keinen Grund, vor Russland Angst zu haben“, sagte er der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“. Nur ein „kranker Mensch“ könne sich vorstellen, dass Russland aus dem Nichts Mitglieder der Nato angreife. „Die Welt hat sich derart verändert, dass sich zurechnungsfähige Menschen einen solchen militärischen Konflikt gar nicht mehr vorstellen können.“ Überdies gebe es „andere Dinge zu tun“. „Das, was wir tun, ist bloß eine Antwort auf die Bedrohungen, die an unsere Adresse gerichtet sind“, so Putin.

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