Putins Atom-Wahlkampf

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Russische Machtdemonstration: Wladimir Putin vor der überdimensionalen Flagge des Landes. Foto: afp

Atomraketen, Unterwasserdrohnen und Hyperschallwaffen: Russlands Präsident Putin nutzt eine Rede an die Nation für eine Demonstration der Stärke. Damit macht er die Sicherheit zu seinem zentralen Wahlthema. Ein neues Wettrüsten?

Russland

Von T. Körbel, F. Kohler und C. Thaler

Moskau – Zwei Wochen vor seiner erwarteten Wiederwahl lässt Russlands Präsident Wladimir Putin die Muskeln spielen. Er präsentiert der staunenden Welt neue atomare Wunderwaffen. Die Botschaft richtet sich an das eigene Wahlvolk – und die USA. „Das ist eine zuverlässige Garantie für den Frieden auf unserem Planeten“, sagt er. „Russland hat eine moderne Hightech-Armee gegründet.“ Doch er beteuert: „Russland gefährdet niemanden.“

Putins militärische Machtdemonstration kommt überraschend. Mehr als eine Stunde hatte er zuvor seine Marschroute für die Sozial- und Wirtschaftspolitik der kommenden Jahre vorgestellt, bei sporadischem Applaus. Doch als viele das Ende der Rede schon nahe wähnten, packte Putin die atomare Keule aus. Die bizarre Show mit bunten Clips und Computeranimationen von um die Erde fliegenden Geschossen brachte manchen Würdenträger unter den mehr als 1000 Zuhörern zum Staunen, kam aber gut an.

Doch Experten sind alarmiert: „Die Hälfte seiner Jahresansprache für eine animierte Beschreibung neuer Waffenfähigkeiten zu nutzen, ist ein Indikator, wie nah die USA und Russland einem militärischen Zusammenstoß gekommen sind“, kommentierte der Experte Dmitri Trenin. Er wertete Putins Rede klar als Botschaft der Abschreckung an die USA. „Auf absehbare Zukunft sieht es aus, als sei die US-russische Agenda auf ein Thema beschränkt: Kriegsprävention. Viel Glück uns allen!“, schrieb der Politologe bei Twitter.

Das Verhältnis zwischen Russland und den USA ist schlecht wie nie seit dem Ende des Kalten Krieges. Die USA haben mit der vermuteten russischen Einmischung in ihre Präsidentenwahl viel auszusetzen an Moskaus Politik. Aber auch Putin hält dem Westen „unfreundliche Schritte“ vor. Den Aufbau einer US-Raketenabwehr an Russlands Grenzen, die Ausdehnung der Nato bis an Russland heran und Sanktionen gegen Russen und russische Unternehmen nennt er.

Droht ein neues Wettrüsten? Oder läuft es längst? Was steckt hinter Putins multimedialer Waffenschau? Technisch schwankte das, was er präsentierte, zwischen machbar und Wunderwaffe auf James-Bond-Niveau:

Interkontinentalrakete RS- 28 „Sarmat“: Der Bau der bislang größten russischen Atomrakete mit dem Nato-Code SS-X-30 Satan 2 war bekannt, wurde aber von Putin nun bestätigt. „Das ist eine bedrohliche Waffe. Sie ist so gebaut, dass keine Raketenabwehr, auch keine künftige, für sie ein Hindernis darstellt“, sagte er. Sie kann angeblich 10 schwere oder 15 leichtere Atomsprengköpfe oder bis zu 24 Hyperschallgranaten tragen. Mit unbeschränkter Reichweite.

Atomgetriebener Marschflugkörper: Hier melden Fachleute die größten Bedenken an. Die USA arbeiteten 1957-64 im Programm Pluto erfolglos an einem solchen Geschoss. Allerdings ist Atomantrieb auch immer wieder für kosmische Reisen im Gespräch, um große Entfernungen wie zum Mars schneller zu überwinden.

Unbemanntes Atom-U-Boot: Dieses ferngelenkte U-Boot soll in großer Tiefe die Meere durchqueren und an unerwarteten Stellen auftauchen. Der Atomreaktor sei nur ein Hundertstel so groß wie bei anderen U-Booten.

Putins Atom-Coup richtet sich nicht nur an den Westen. Seinem Volk signalisiert er vor der Wahl am 18. März: „Bei mir ist Russland sicher.“ Putin mahnt: „Bald entscheidet sich das Schicksal unseres Landes.“ Egal wie die Russen am Wahltag entscheiden würden, es sei wichtig, dass das Land sich den wichtigsten Prioritäten widme. Die Lebensqualität steigern, Krankenhäuser ausbauen, in Bildung und schnelles Internet investieren – Putin nennt viele Ziele.

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