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Krieg in der Ukraine

Putin droht „mit allen Mitteln“: Doch wie wahrscheinlich ist eine Atombombe über dem Schwarzen Meer?

Ukraine-Krieg: Wladimir Putin während eines Treffens mit Alexander Lukaschenko in Sotschi im September 2022.
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Aufnahme vom 26. September: Wladimir Putin in Sotschi

Im Krieg in der Ukraine schreckt Russlands Machthaber Wladimir Putin vor kaum etwas zurück. Immer wieder drohte er mit dem Einsatz von Atombomben.

Moskau - Nach den Rückschlägen der russischen Armee im Ukraine-Krieg hat Russlands Präsident Wladimir Putin mehrmals damit gedroht, auf „alle Mittel“ zurückzugreifen. Dies weckt Befürchtungen, dass zum ersten Mal seit 1945 wieder eine Atomwaffe zum Einsatz kommen könnte. Russland ist die größte Atommacht der Welt. Ein Überblick über mögliche Szenarien:

Ukraine-Krieg: Wie könnte ein russischer Atomangriff aussehen?

Moskau würde Experten zufolge wahrscheinlich eine oder mehrere taktische Atombomben einsetzen. Dabei handelt es sich um Waffen mit einer Sprengkraft zwischen 0,3 und 100 Kilotonnen. Zum Vergleich: Der größte strategische Sprengkopf der USA hat eine Sprengkraft von 1,2 Megatonnen, und Russland testete 1961 eine 58-Megatonnen-Bombe. Taktische Bomben sind für eine begrenzte Wirkung auf dem Schlachtfeld ausgelegt, im Gegensatz zu strategischen Atomwaffen, die ganze Regionen auslöschen können. Doch auch kleinere Nuklearsprengsätze können verheerend sein: Die Atombombe, die die USA 1945 auf Hiroshima abwarfen, hatte nur 15 Kilotonnen.

Moskau könnte eine taktische Atomwaffe hoch über der Ukraine oder über dem Schwarzen Meer zur Explosion bringen, schreibt James Cameron vom Oslo Nuclear Project der Universität Oslo in der Washington Post. Auch ein Abwurf auf dünn besiedeltes Gebiet oder eine Militäreinrichtung sei denkbar - mit dem Ziel, Kiew zur Kapitulation zu bewegen und seine Verbündeten zu spalten.

Krieg in der Ukraine: Was könnte ein Nuklearschlag auslösen?

Putin hat angedeutet, Atomwaffen im Fall einer Bedrohung der territorialen Integrität Russlands einzusetzen. Ob damit auch Gebiete wie die 2014 annektierte Krim oder die russisch kontrollierten Regionen in der Ukraine gemeint sind, die sich Moskau nun per Referenden einverleiben will, blieb unklar.

Für Mark Cancian vom Center for Strategic and International Studies in Washington bedeutet die Zweideutigkeit in Putins Aussage, dass der Donbass und die Krim nicht eingeschlossen sind. „Es hat keinen Sinn, eine so vage Drohung auszusprechen, wenn die Leute nicht sicher sind, ob sie wirklich bedroht sind oder nicht“, zitierte die Nachrichtenagentur AFP Cancian. Bisher hat die US-Regierung keine Bewegungen von Atomwaffen beobachtet.

Ukraine-Krieg: Wie würden der Westen reagieren?

Der Westen hat sich bisher nicht eindeutig geäußert, wie er auf einen taktischen Nuklearschlag reagieren würde. Die Vereinigten Staaten und die Nato möchten einerseits nicht schwach erscheinen, andererseits aber in jedem Fall verhindern, dass der Krieg in der Ukraine, die kein Nato-Mitglied ist, zu einem globalen Atomkrieg eskaliert.

Die US-Regierung ist seit Beginn der russischen Invasion bemüht, eine Eskalation zu vermeiden: Nato-Streitkräfte kämpfen nicht in der Ukraine, und die an Kiew gelieferten Waffen sind nicht geeignet, russisches Territorium anzugreifen. Nach Informationen der Washington Post versuchte die US-Regierung in den vergangenen Monaten durch private Botschaften an Vertreter Russlands, Moskau von einem Einsatz von Atombomben abzubringen. Zuletzt drohte der Putin-Vertraute Medwedew erneut mit Atomwaffen.

Video: Krieg in der Ukraine: So könnte ein russischer Nuklearschlag ablaufen

Sollte der Kreml dennoch Nuklearwaffen abfeuern, müsste die US-Regierung entschlossen reagieren. Ansonsten könnten andere Länder wie China verleitet werden „zu glauben, dass Atomwaffen ihnen helfen, ihre Ziele ohne schwerwiegende Konsequenzen zu erreichen“, sagt Matthew Kroenig vom Scowcroft Center for Strategy and Security in den USA. Washington könnte mit einem konventionellen Angriff auf die russischen Streitkräfte oder den Militärstützpunkt, von dem der Atomschlag ausging, und verstärkter Militärhilfe für die Ukraine reagieren, sagt Kroenig, ein Ex-Berater des Pentagon. (AFP/fmü)

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