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„Der Pulverdampf des Wahlkampfes“

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          Thomas Sternberg          dpa

Professor Thomas Sternberg aus Münster, ehemaliger CDU-Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen, ist Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.

Er hat die Anweisung von Ministerpräsident Markus Söder, in allen Behörden Kreuze anbringen zu lassen, als „Wahlkampf-Gag“ kritisiert.

Hat der Papst mit dieser Privataudienz die KreuzInitiative des bayerischen Ministerpräsidenten geadelt?

In dieser Woche waren allein drei Ministerpräsidenten aus Deutschland in Rom beim Heiligen Vater – so, wie die Ministerpräsidenten in Deutschland immer eine solche Audienz-Möglichkeit bekommen. Das ist sicher eine gute Tradition, dass auch der neue Ministerpräsident von Bayern die Gelegenheit hat, mit dem Papst zu sprechen.

Kardinal Marx hat Kritik an der Kreuz-Initiative von Ministerpräsident Söder geübt. Welche Bedeutung hat jetzt diese Audienz für die innerkirchliche Diskussion?

Ich glaube, dass es keinen Einfluss auf diese Scharmützel haben wird. Der Papst wird dem Ministerpräsidenten vielleicht erläutert haben, was er bei der Karlspreisverleihung vor zwei Jahren gesagt hat. Dass Europa sich auf die Stärken besinnen soll, für die auch er als Argentinier diesen Kontinent immer bewundert hat, nämlich: die große Fähigkeit zu Dialog, Integration und Kreativität.

Warum wird die Debatte über das Kreuz innerhalb der christlichen Kirchen so emotional geführt?

Ach, ich habe den Eindruck, dass – wie so oft bei öffentlichen Debatten – sehr verschiedene Interessen eine Rolle spielen. Ich kann keinen grundsätzlichen Dissens erkennen, denn ich habe in der katholischen Kirche niemanden getroffen, der gesagt hätte, er wolle keine Kreuze in öffentlichen Räumen. Wir freuen uns über jedes Kreuz! Nur reagieren zu Recht viele empfindlich, wenn sie den Eindruck gewinnen, das Kreuz wird zu Zwecken gebraucht, die nicht seinen aufrüttelnden und orientierenden Botschaften entsprechen. Ein Zeichen der Ausgrenzung ist es sicher nicht.

Wie kann dieses Thema befriedet werden?

Ich glaube, wenn sich der Pulverdampf des Wahlkampfes gelegt hat, wird vieles sehr viel nüchterner und ruhiger gesehen. Ich habe, wenn ich das als Norddeutscher sagen darf, gelegentlich den Eindruck, dass in Bayern oft schärfer gesprochen als gehandelt wird.

Interview: Claudia Möllers

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