Aus Protest: Ein Spatenstich gegen den Spatenstich

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Gegen die 2. Stammstrecke: Die Grünen um die Landtagsabgeordneten Margarete Bause (2.v.l.), Markus Ganserer (3.v.l.) und Ludwig Hartmann (5.v.r.) gestern in München. Foto: marcus Schlaf
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Gegen die 2. Stammstrecke: Die Grünen um die Landtagsabgeordneten Margarete Bause (2.v.l.), Markus Ganserer (3.v.l.) und Ludwig Hartmann (5.v.r.) gestern in München. Foto: marcus Schlaf

Von Michael Grözinger. München – Grüne Helme auf dem Kopf, Spaten in der Hand.

So haben die Landtags-Grünen am Montag gegen die geplante zweite Stammstrecke protestiert. Zu einem „alternativen Spatenstich“ hatten der Fraktionsvorsitzende Ludwig Hartmann und der Abgeordnete und Verkehrsexperte Markus Ganserer geladen. Zwei Tage vor dem offiziellen Spatenstich mit Bürgerfest und allerlei Prominenz starteten sie symbolisch den Bau des S-Bahn-Südrings am Kolumbusplatz – ein Projekt, das aufgrund der zweiten Stammstrecke wohl vorerst auf Eis liegt. Parallel fanden auch im Münchner Norden „alternative Spatenstiche“ statt – wie etwa für die Verlängerung der U-Bahn-Linie U 2 bis Dachau.

Knapp vier Milliarden Euro soll der neue Tunnel – Stand jetzt – kosten. Hartmann erklärt: „Es ist unstrittig, dass man für den öffentlichen Personennahverkehr Geld in die Hand nehmen muss. Aber dann bitte dort, wo es die Menschen am meisten nötig haben.“ Der Fraktionsvorsitzende spielt etwa auf den Südring an, der die „Schwachstellen Sendlinger Tor, Marienplatz und Odeonsplatz“, wo zu Hauptzeiten die Hölle los sei, entlasten würde. Der Spatenstich am Kolumbusplatz sei keineswegs ein letztes Aufbegehren der Grünen gegen die Pläne der Staatsregierung, erklärt Ganserer, der den zweiten S-Bahn-Tunnel als „Milliardengrab“ und „Prestigeprojekt“ bezeichnet. Vielmehr habe seine Partei ein alternatives Konzept entwickelt. Ziel sei es, die Kapazitäten des S-Bahn-Netzes tatsächlich zu verdoppeln. Ein solches Konzept fehle vonseiten der Staatsregierung, sagt Ganserer. Andere Projekte könnten in den kommenden bis zu 30 Jahren aus Geldmangel auf der Strecke bleiben; so etwa der Erdinger Ringschluss, die Trambahn-Westtangente oder die Verlängerung der U6 nach Martinsried. Die Fördermittel des Bundes seien allesamt für den Tunnel eingeplant.

Die Proteste der Grünen gehen weiter. Ab Mittwoch wolle man bayernweit symbolische Spatenstiche veranstalten, teilte ein Sprecher mit. Und zwar genau dort, wo Projekte geplant seien, die durch die zweite Stammstrecke vorerst nicht in Angriff genommen werden. Unterstützung im Kampf gegen den Tunnel kommt von den Linken. „Wir wollen kein neues Stuttgart-21-Debakel in München“, heißt es in einer Mitteilung. „Die Bewegung gegen das unsinnige Milliardenprojekt wird mit dem Spatenstich nicht enden, sondern sich neu entfachen.“

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