7 FRAGEN AN

„Das Projekt ist sinnlos“

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Werner Sauerborn (68)

Werner Sauerborn ist seit 2014 Geschäftsführer beim „Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21“.

Herr Sauerborn, wie haben Sie den 30. September 2010 verbracht?

Da habe ich im Verdi-Bezirk Ulm einen Vortrag zu Stuttgart 21 gehalten. Als ich von dem brutalen Polizei-Einsatz bei der Demo im Stuttgarter Schlosspark gehört habe, bin ich schnell zurückgefahren. Auch ich bin noch von Polizisten weggetragen worden.

Der rechtswidrige Einsatz ist acht Jahre her. Längst wird Stuttgart 21 gebaut...

...und das Thema beherrscht die Stadt weiter. Auch wenn es nicht mehr so laut diskutiert wird. Jeden Montag gibt es eine Demo mit rund 500 Beteiligten, vierteljährlich gibt es größere Kundgebungen mit bis zu 5000 Teilnehmern.

Warum kämpfen Sie weiter gegen das Projekt?

Es ist verkehrspolitisch sinnlos, weil es die Schienen-Kapazität um mindestens 30 Prozent reduzieren wird und etwa einen dringend benötigten S-Bahn-Ring um die Stadt verhindert. Dazu kommen die enormen, steigenden Kosten. Das Projekt führt auch zu deutlich mehr CO2, Stickoxid- und Feinstaub-Belastung – im diesbezüglich ohnehin geplagten Stuttgart.

Finden Sie noch Gehör?

Unsere inhaltlichen Einwände werden kaum aufgegriffen, im Gemeinderat hören wir oft „Das ist doch jetzt durch“. Auch vom Grünen-Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann sind wir sehr enttäuscht.

Der verweist auf die Volksabstimmung von 2011...

...die zwar für das Projekt ausgefallen ist – aber auf einer falschen Faktenbasis. Damals war von höchstens 4,5 Milliarden Euro Kosten die Rede – und dass jeder Euro mehr zur Beendigung des Projekts führen würde. Inzwischen sind wir bei 8,2 Milliarden Euro. Und das sind nur die Angaben der Bahn.

Wer zahlt die Mehrkosten?

Spannende Frage. Die bisherige Kostenregelung gilt nur bis 4,5 Milliarden Euro. Alles darüber ist unklar – da streiten das Land Baden-Württemberg, die Stadt Stuttgart und die Bahn.

Die Verantwortlichen wollen bis 2025 fertig sein.

Ich glaube nicht, dass der Tiefbahnhof in der geplanten Form je kommt. Die Tunnelstrecken führen durch das quellfähige Anhydrit, dazu kommen technische Komplikationen. Der Blick aufs große Ganze fällt bei Stuttgart 21 leider desaströs aus.

Interview: Maximilian Heim

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