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Diesel: Größter Preissprung der Geschichte

Preisexplosion: Regierung kassiert und finanziert Putins Krieg - Angst vor „echten“ Sanktionen?

Spritpreise
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Kraftstoffpreise an einer Tankstelle in Göttingen am Mittwochmorgen.
  • Markus Zwigl
    VonMarkus Zwigl
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Die Spritpreise kennen derzeit kein Halten mehr. In der vergangenen Woche sind sie so schnell gestiegen wie noch nie. Und es zeichnet sich ab, dass Tanken noch teurer werden könnte.

Berlin/Russland - Die Spritpreise steigen in nie gekannter Geschwindigkeit. In nur einer Woche hat sich Diesel um 39,4 Cent verteuert, wie der ADAC am Mittwoch mitteilte. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Dienstags kostete der Kraftstoff 2,150 Euro pro Liter. Super E10 legte auf Wochensicht um 27,6 Cent auf 2,103 Euro zu. Alleine von Montag auf Dienstag hatten Diesel um zwölf und E10 um rund zehn Cent zugelegt.

Für die Autofahrer sind die Auswirkungen bereits schmerzlich spürbar. So kostet etwa eine 50-Liter Tankfüllung eines Diesel-Auto heute rund 20 Euro mehr als noch vor einer Woche, dieselbe Menge bei Benzin ist heute um rund 14 Euro teurer. Einen größeren Preissprung an den Zapfsäulen gab es in Deutschland noch nie.

Ende noch nicht erreicht

Und damit ist das Ende offenbar noch nicht erreicht: Am Mittwoch zeichnete sich bereits der nächste kräftige Anstieg ab. Zum Mittag lag Diesel elf, Super E10 acht Cent über dem Vergleichszeitpunkt des Vortags. „Die aktuelle Entwicklung am Ölmarkt gibt diesen weiteren Anstieg eigentlich nicht her“, hieß es dazu vom ADAC.

Grundsätzlich sind die Ölpreise der Haupttreiber des Preisanstiegs beim Sprit. Diese sind im Zuge des Krieges in der Ukraine und der Sanktionen gegen Russland nach oben geschnellt. Der starke Dollar verstärkt den Preisanstieg zusätzlich, da Öl in Dollar gehandelt wird und deutsche Käufer in Euro bezahlen. Hinzu kommt eine aktuell ungewöhnlich starke Nachfrage nach Heizöl. Im Frühjahr ebbt die Nachfrage normalerweise ab. Jetzt sorgen allerdings Versorgungsängste und die Angst der Verbraucher vor noch höheren Ölpreisen im kommenden Herbst zu einer gleichbleibenden hohen Nachfrage. Dies sorgt für eine besonders starke Verteuerung beim Heizöl und damit auch beim verwandten Dieselkraftstoff.

Schwankende Ölpreise am Mittwoch

Am Mittwoch schwankten die Ölpreise stark. Am frühen Nachmittag lag der Preis der für Europa wichtigen Sorte Brent bei 124,45 Dollar je Fass (159 Liter). Das waren 3,53 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 3,45 Dollar auf 120,25 Dollar. Die Ölpreise entfernten sich so etwas von ihren am Montag erreichten mehrjährigen Höchstständen.

Die Rückgänge am Mittwoch erklärten Beobachter zum einen mit einer Gegenbewegung nach den zuletzt deutlichen Kursgewinnen. Zum anderen gibt es eine leichte Hoffnung auf eine Annäherung der beiden Kriegsparteien.

Schon vor dem Krieg stiegen Preise auf Rekordhöhe

Schon vor dem russischen Krieg gegen die Ukraine waren die Spritpreise in Deutschland auf Rekordhöhe gestiegen. Damals hatte vor allem die wieder anziehende Konjunktur den Ölpreis getrieben.

Derzeit wird auch heftig diskutiert, ob Deutschland nicht generell auf russische Rohstoffe verzichten sollte. Dass Deutschland nach wie vor Rohstoffe in großem Volumen aus Russland bezieht, bezeichnet die Ökonomin Karen Pittel bei Markus Lanz als „das Verrückte“ an der aktuellen Situation. Man verhänge Sanktionen, welche Putin zum Nachdenken bringen sollen, gleichzeitig finanziert man den Krieg durch die Bezahlung des russischen Gases.

Rohstoffabhängigkeit in Deutschland

Mehrere gewichtige Akteure hätten Deutschland vor dieser Rohstoffabhängigkeit gewarnt, die einst Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mit Putin eingefädelt hatte. Unter ihnen auch Amerikas Ex-Präsident Donald Trump, der Deutschland 2018 in einer Rede vor den Vereinten Nationen zum Umsteuern aufforderte.

Sollte Deutschland auf russische Rohstoffe verzichten, würde das laut Modellrechnungen ein Schrumpfen der deutschen Wirtschaft von „ungefähr zwischen 0,3 und 3 Prozent“ nach sich ziehen, erklärte Pittel. Das bedeute 800 bis 1000 Euro pro Bundesbürger, allerdings würden derzeit auch Szenarien modelliert, die eine europaweite Verteilung in Betracht ziehen. „Dann haben wir eine wesentlich bessere Chance“, sagt die Ökonomin. Würde der Westen auf den Ölimport aus Russland verzichten, stünde Putin „mit dem Rücken zur Wand“ - was eigentlich der Sinn von Sanktionen ist. Dieser Fall könnte aber nach Ansicht von Pittel aber auch Auswirkung auf die Innenpolitische Sicherheit in Deutschland haben. Denn dann könnte das Handeln von Putin noch unberechenbarer werden.

Forderungen nach Spritpreis-Bremse werden lauter

Zum Thema steigender Energiekosten hatte sich am Dienstag auch der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) zu Wort gemeldet. Sein Appell beinhaltete unter anderem eine Spritpreis-Bremse durch die Regierung. Fast 50 Prozent des Preises beim Sprit fließen in die Staatskasse. Journalist Robin Alexander merkte ebenfalls am Dienstagabend bei Markus Lanz an, dass die Ampel-Regierung bereits bei Antritt auf eine erhebliche Erhöhung der Energiepreise pochte.

Auf Jahressicht ist der Anstieg bei den Spritpreisen gewaltig: Im März vergangenen Jahres hatte Diesel noch 1,315 Euro pro Liter gekostet und Super E10 1,454 Euro. Das befeuert auch die Debatte um Entlastungen der Verbraucher. Der ADAC hat dazu zuletzt eine befristete Mehrwertsteuersenkung auf Kraftstoffe und Heizöl ins Spiel gebracht. Auch Politiker verschiedener Parteien forderten Entlastungen für die Bürger durch Anpassungen bei der Mehrwertsteuer oder Änderungen bei der Pendlerpauschale.

mz