Pleiten, Pech und Pannen

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Schlaglöcher: Von einem Wahldebakel zum anderen holpert die FDP. Seit November sind die Liberalen erstmals seit Gründung der Bundesrepublik an keiner Landesregierung mehr beteiligt.

Oh nein! Oh nein! Oh nein! Ja, auch im Jahr 2014 gab es Situationen, die besser nicht passiert wären. Wir haben peinliche, schmerzhafte, aber auch kuriose Pannen für Sie gesammelt.

Oh nein! Oh nein! Oh nein! Ja, auch im Jahr 2014 gab es Situationen, die besser nicht passiert wären. Wir haben peinliche, schmerzhafte, aber auch kuriose Pannen für Sie gesammelt.

Merkels Beckenring

Nein, das Jahr beginnt nicht gut für Angela Merkel. Gleich Anfang Januar stürzt die Kanzlerin beim Skilanglauf in der Schweiz. Und bricht sich einen Knochen an, den bis dato wohl nur Anatomie-Spezialisten kannten, den Beckenring. Mehrere Wochen lang muss die CDU-Politikerin pausieren und an Krücken gehen. Anschließend hält Merkel auf Anraten der Ärzte Diät – mit Erfolg: Die Kilos purzeln sichtbar.

Fahrgäste schieben

Unser Artikel begann mit den Worten: „Wer seinen Zug liebt, der schiebt.“ Was unglaublich klingt, passiert an einem Februarnachmittag auf der Strecke zwischen Kufstein und Kiefersfelden. Ein Meridian-Zug bleibt einfach stehen – und zwar auf einem kurzen Abschnitt zwischen Bayern und Österreich, wo das Stromnetz unterbrochen ist. Der Zugführer flucht, telefoniert hektisch – und bittet dann die Passagiere, den 114 Tonnen schweren Zug zurück in einen Bereich mit Stromversorgung zu schieben. Sicherheitstechnisch ein Desaster. Der Zugführer, ein Familienvater, der wohl nur die schnellste Lösung für die Passagiere wollte, wird gefeuert. Doppelt unangenehm für die Bayerische Oberlandbahn, zu der der Meridian gehört: Der Vorfall ist nur eine von mehreren Pannen. Apropos Pendler-Pech: Auch die Zuggäste der Werdenfelsbahn haben Anfang 2014 Grund, grantig zu sein. Computer-Probleme und Schwierigkeiten der neuen Talent 2-Züge verschulden ständig Verspätungen und machen den Weg zwischen München und Garmisch-Partenkirchen über Wochen zur Tortur.

Seehofer verpennt

Horst Seehofer verschläft im April eine Telefonkonferenz mit der Kanzlerin – er hat seine Uhren nicht auf Sommerzeit umgestellt. Der Ministerpräsident schlummert noch im Bett, als das Handy klingelt. Dann ist der CSU-Chef aber flott: Die für 8 Uhr geplante Schalte mit Angela Merkel begann laut Seehofer schon um 8.07 Uhr. Ob er da noch im Schlafanzug war?

Deutsches Theater

Der Umbau des Deutschen Theaters in München war eine einzige Katastrophe – immer wieder verzögerte sich die Wiedereröffnung. Als im Januar nach fünf statt drei Jahren endlich die erste Vorstellung über die Bühne ging, war die Erleichterung groß – und sofort wieder getrübt: Obwohl die Sanierung 94 statt 80 Millionen Euro gekostet hatte, gab es noch viele Mängel. Von den Tischen am Tanzpodest konnte man Frauen unter die Röcke schauen, die automatische Garderobe funktionierte nicht, für die Strahler im Zuschauerraum musste extra ein Minikran angeschafft werden, weil kein Beleuchter-Steg eingeplant war. Und dann, im Juni, ging plötzlich die Sprinkleranlage los – und verteilte 60 000 Liter Löschwasser. Erst hieß es, das Theater muss vier Wochen dichtmachen. Ganz so lange dauert es zum Glück nicht.

Pannen-Helfer Stückl

Christian Stückl redet nicht um den heißen Brei herum: „Ich hasse es, auf der Bühne zu stehen.“ Macht nichts, normalerweise zieht der Regisseur die Strippen hinter den Kulissen. Doch als ein Darsteller (auch noch einer Doppelrolle!) im Juli, einen Tag vor der „Sommernachts“-Premiere im Oberammergauer Passionstheater krank wird, springt Stückl kurzfristig als Pannen-Helfer ein. Er muss nicht einmal aus dem Textbuch ablesen. Applaus, Applaus!

Alarm in der Oper

Stell Dir vor, Du sitzt in der Oper – und plötzlich Alarm. Mai, Frankfurt: Mitten in Donna Annas „Non mi dir“, eine Viertelstunde vor Schluss des „Don Giovanni“, wird die Frankfurter Oper geräumt, 1700 Premierengäste müssen sich draußen von starkem Wind die Frisur zerzausen lassen. Zehn Minuten später heißt es: Fehlalarm. Ganz anders in Bayreuth, im Juli. Bei der Thannhäuser-Premiere reißen mit einem lauten Knall Verankerungen des riesigen Venusberg-Käfigs, er bleibt auf Hälfte seiner Höhe stecken. Zwangspause für die Zuschauer, 50 Minuten später und nach spontanem Extrageschäft für den Bratwurst-Stand geht es weiter – mit angezogener Handbremse: Der Käfig bleibt erst einmal unten.

WM-Pechvogel Nr. 1

Marco Reus hätte einer der Top-Stars der Fußball-WM werden können. Er wurde zum Spieler des Jahres gekürt, und als die Nationalelf die Vorbereitung aufs Turnier in Brasilien startete, sah die Branche in dem Dortmunder den Einzigen in außergewöhnlicher Form. Bis zum letzten Test gegen Armenien, keine 24 Stunden vor dem Abflug nach Südamerika. Reus muss nach einem Foul ins Krankenhaus, auf dem Weg fließen Tränen, er ahnt: Das Turnier findet ohne ihn statt. Diagnose: Syndesmosebandriss, drei Monate Pause. Während die Kollegen die WM gewinnen, sitzt er zuhause vor dem TV. Später erleidet er weitere Rückschläge: Zwei schwere Verletzungen kosten ihn weite Strecken der Bundesliga-Hinrunde, auch deshalb stürzt der BVB in den Abstiegskampf. 2015 kann nur besser werden – und vielleicht wird der 25-Jährige ja sogar mit einem Vertrag beim FC Bayern entschädigt.

WM-Pechvogel Nr. 2

Die gute Nachricht für Christoph Kramer am 14. Juli: Er wurde Fußball-Weltmeister. Die schlechte: Er hat davon nicht viel mitbekommen. Anfangs war alles ein Traum: Der 23-Jährige, kurz vor dem Turnier in den Kader gerutscht, durfte im Finale gegen Argentinien ran – Khediras Wade hatte plötzlich gestreikt. In der 17. Minute schlägt ihm ein Gegner den Ellbogen ins Gesicht. Der Gladbacher verliert die Orientierung: Er fragt den Schiri, ob das das WM-Finale sei, das sei ihm wichtig. Zwei Mal erkundigt er sich – da wird der Unparteiische stutzig. Auswechslung. Für ihn kommt Andre Schürrle, der später Mario Götzes goldenes 1:0 serviert. Kramers Pech hatte auch sein Gutes.

Eigentor des Jahres

Kramer selbst hatte sein Pannen-Soll aber wohl noch nicht erfüllt. Zurück in der Bundesliga, Gladbach gegen Dortmund, Kramer am Ball, als der Ball seinen Fuß verlässt, ahnt der Spieler schon Böses – und denkt: „Scheiße.“ Zurecht: Er erzielt ein Eigentor aus 45 (!!) Metern, den eigenen Torhüter überlupft er. Mehr Treffer fallen nicht. Am Ende steht es 0:1.

Wurst-Drama

„Das war nicht tralalala“, sagte Stefan Mross nach seinem Curry-Debakel. Bei einer Live-Sendung im August probiert er scharfe Wurst, plötzlich röchelt der Moderator, stützt sich auf den Tisch – und bricht den Auftritt ab. Viele Zuschauer halten das für Show, doch Mross wacht vier Stunden später im Krankenhaus auf. Nicht lustig – aber wohl einzigartig.

Einreise-Verbot

Es ist der große PR-Trip des FC Bayern in die neue Welt, New York soll im Sommer erobert werden. Man engagiert Thomas Gottschalk, lässt die Weltmeister aus dem WM-Urlaub extra nachfliegen, man nimmt Franz Beckenbauer mit, weil der auch jenseits des großen Teichs erkannt wird – als der Flieger aber abhebt, fehlt ausgerechnet der Vorstandsboss. Karl-Heinz Rummenigge hat sein Visum zu spät bekommen. Der Grund: Systemabsturz in der US-Botschaft in Washington. Das hatte keiner auf dem Schirm, und auch wenn die Bayern alles versuchen, stoßen sie doch an begrenzte Möglichkeiten. Der Chef fliegt seinem Klub nach zwei Tagen Wartezeit nach, um verspätet bei der Eroberung der neuen Welt mitzuhelfen.

Schäubles Zunge

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) muss vor Besuchern der Bundespressekonferenz im August lästige Fragen rund um die Pkw-Maut abwehren. Kurzerhand streckt er den Journalisten die Zunge raus – und lacht anschließend selbst über die ungewohnte Geste.

Pannen-Karussell

Ein Fahrgeschäftbetreiber wollte den Wiesn-Gästen heuer was neues bieten: den Encounter. Doch das als Sensation angepriesene Alien-Rundtheater legt einen Pannen-Start hin. Falsch eingebaute Lautsprecher, Probleme mit dem Licht und TÜV-Mängel bei Sicherheitsbügeln, zu spät gelieferte Bauteile und ein Programmier-Fehler legen den Encounter lahm. Erst am Tag fünf läuft er rund.

Hoeneß-Erpresser

Der Boulevard titelte „Bayerns dümmster Erpresser“. „Mister X“ fordert vom ehemaligen FC Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß per Brief 215 000 Euro. Die Polizei organisiert eine Geldübergabe an einem Mülleimer in Sendling. Bei der Festnahme am 10. Mai fällt der Erpresser vom Radl, bricht sich das Schlüsselbein. Im Dezember wird er zu drei Jahren und neun Monaten verurteilt.

C. Lechner, A. Werner, dpa

Das Jahr 2014 in der Karikatur

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