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9 Leute, die CDU-Politiker Paul Ziemiak und seinen Spaten nicht auseinander halten können

  • Jana Stäbener
    VonJana Stäbener
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Paul Ziemiak posiert mit einem Spaten im Wald und will im Winter 1000 neue Bäume pflanzen. „Zwei Spaten“ auf einem Foto, finden Twitter-Nutzer.

Der Bundestagsabgeordnete Paul Ziemiak (CDU) postet auf Twitter am Samstag, 3. Dezember 2022, ein Bild davon, wie er in einem Waldstück einen Baum pflanzt. Dafür grinst er mit einem Spaten in der Hand die Kamera. Ziemiak, der als Abgeordneter den Märkischen Kreis im Sauerland vertritt, schreibt zu diesem Bild: „Wir sind nicht die letzte Generation! Deshalb pflanzen wir als CDU Iserlohn 1000 neue Bäume im Stadtwald.“

Er schlägt mit diesem Tweet in genau die Kerbe, in die auch andere CDU-Politiker wie Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul oder der baden-württembergischen Innenminister Thomas Strobl seit Wochen immer wieder schlagen. Letzterer bezeichnete Klimaaktivisten der „Letzten Generation“ Mitte November 2022 sogar als „Straftäter“. Auslöser für die Debatte war der Tod einer Radfahrerin in Berlin gewesen, der laut Notfallsanitäter jedoch nichts mit den Aktivisten zu tun hatte.

Paul Ziemiak (CDU) und sein Spaten bekommen auf Twitter viel Kritik ab

Für sein Bild bekommt Ziemiak jedoch nicht die Reaktionen, die er sich vielleicht erhofft hat. Viele Menschen werfen ihm „Greenwashing“ vor und bezeichnen ihn indirekt als „Spaten“ – auch, weil sie hinter dem Bild nichts anderes, als eine reine PR-Aktion vermuten. Ziemiak halte nicht mal den Spaten richtig, behaupten einige. Andere widerlegen das zwar, kritisieren aber, dass Bäume pflanzen genauso wenig gegen die Klimakrise bringe, wie die Klimakonferenz COP27.

All das, obwohl Ziemiak sich mit diesem Foto ja als Inbegriff des Klimaschutzes, als Retter in der Klimakrise positionieren wollte. Ihm geht es damit ähnlich wie Markus Söder, der auf Twitter ein Bild postete, wie er für die Tafel „arbeitete“ und dafür einen Shitstorm erntete. „Wenig macht mich so wütend, wie Regierungsmitglieder, die sich für Almosen abfeiern“, schrieb eine Person zu Söders Lobeshymne der deutschen Tafel. „Menschen das (eh schon zu niedrige) Bürgergeld wegnehmen und dann stolz ne Paprika in die Hand drücken, bah“.

Wir sammeln neun Tweets von Leuten, die den CDU-Politiker Paul Ziemiak für seinen Spatenstich im gefrorenen Boden hämisch kritisieren und die beiden „Spaten“ kaum voneinander unterscheiden können.

1. „Zwei Spaten.“

2. Schwierige Quizfrage...

3. „Ist das jetzt nicht die falsche Jahreszeit?“

4. Manche vermuten gar, dass Ziemiak den Spaten aus Dummheit falsch herum hält. [Das ist jedoch so nicht belegt.]

5. Ein Bild für die Ewigkeit...

6. „Das ist in etwa so, als würde man sich vor einem brennenden Haus mit einer Gießkanne fotografieren lassen.“ Null Effekt gegen die Klimakrise also, findet diese Person.

7. „Mache mich ja auch gern über Unionspolitiker lustig, aber der Spaten wird tatsächlich richtig benutzt“, klärt diese Person auf.

8. Trotzdem: Die ganze Aktion schreit Greenwashing.

Aber warum? Weil Bäume überhaupt nicht so viel CO₂ speichern, als dass es eine nennenswerte Lösung für die Klimakrise wäre. Viele Unternehmen preisen zwar an, Bäume zu pflanzen, viele Politiker (wie Ziemiak) posierten mit Spaten, aber wie der NDR berichtet, seien das oft nur Werbeversprechen. Eine 23 Meter hohe Buche mit einem Durchmesser von 30 Zentimetern speichere in ihrem Leben etwa eine Tonne CO₂. Ein Mensch verursache in einem Jahr jedoch rund neun Tonnen CO₂. Pro Person wären also neun Buchen nötig, um nur ein Jahr auszugleichen.

„Selbst wenn sie alle freien Flächen auf unserem Planeten heute mit Bäumen bepflanzen würden, würde das vielleicht zwanzig Prozent des Klimaproblems lösen. Aber dafür müssten die Bäume dann auch bis zum Ende des Jahrhunderts stehen. Und das ist das Problem. Bäume pflanzen ist gut, aber nicht für den CO₂-Ausgleich. Dazu müssten sie ja sicher sein, dass der Wald auch mindestens fünfzig Jahre stehen bleibt“, kritisiert Dietrich Brockhagen, Geschäftsführer der Nichtregierungs-Organisation (NGO) „Atmosfair“, deren Ziel es ist, klimaschädliche Treibhausgase zu kompensieren.

9. „Vollkommen egal, wie rum er den Spaten hält und ob man jetzt gerade Bäume pflanzt: Ziemiak suggeriert hiermit, dass Bäume pflanzen einen nennenswerten Effekt für den Klimaschutz hat.“

Kein Wunder, fordern Aktivisten-Gruppen wie die „Letzte Generation“ andere Klima-Maßnahmen. Um Aufmerksamkeit zu bekommen, klebten sie sich sogar in der Elbphilharmonie an eine Stange – die war nur leider nicht fest verankert. Hier 11 Sprüche, die den Schmerz auf dem Klimaaktivist:innen-Bild besser festhalten als Sekundenkleber.

Rubriklistenbild: © Screenshot Twitter @felixievich

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