SPD-Vorsitz

Vom Politikrentner zum SPD-Vorsitzenden: Wer ist Norbert Walter-Borjans? 

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Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken sind die neuen SPD-Vorsitzenden.
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Norbert Walter-Borjans: Für viele war seine Nominierung zum SPD-Vorsitzenden eine Überraschung. Wer ist der Sozialdemokrat, der eigentlich schon in Politikrente gegangen war?

  • Am 30. November 2019 wurde das Ergebnis der Stichwahl zum SPD-Vorsitz bekannt gegeben
  • Das bisher eher unbekannte Duo Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken konnte sich durchsetzen und wird auf dem SPD-Parteitag formell bestätigt.
  • Norbert Walter-Borjans galt schon zuvor als Geheimfavorit um den SPD-Vorsitz.

Update vom 6. Dezember: Auf dem SPD-Parteitag vom 6. bis 8. Dezember wird Norbert Walter-Borjan zusammen mit Saskia Esken als neue SPD-Spitze formell bestätigt. Allerdings ist der 67-Jährige „NoWaBo“ vielen Deutschen noch immer unbekannt. Darauf spielten auch kürzlich die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) auf Twitter an. Unter ein Foto, das den Sozialdemokraten in einer Berliner U-Bahn zeigte, schrieb das Twitter-Team der BVG: „Wer sind Sie? Daraufhin entstand eine amüsante Diskussion auf Twitter zwischen der BVG und der SPD, die auf die Frage der BVG antwortete: „Einer von uns. Wenn er es heute nicht pünktlich ins Meeting schafft, wissen wir ja warum!“

SPD-Vorsitz: Wer ist Norbert Walter-Borjans?

Doch um die Frage der BVG aufzugreifen: Wer ist Norbert Walter-Borjans? Der Sozialdemokrat wurde 1952 in Krefeld-Uerdingen geboren. Er wird auch NoWaBo genannt und war von 2010 bis 2017 Finanzminister von Nordrhein-Westfalen. Er gilt als „Robin Hood der Steuerzahler“, seit er Daten potenzieller deutscher Steuerbetrüger in der Schweiz kaufte. In die Politik holte ihn 1984 der damalige NRW-Ministerpräsident Johannes Rau. 

Als Kämmerer der Stadt Köln entwickelte der FC-Fan und Vater von vier Kindern später die Bettensteuer. Als Finanzminister verantwortete er einen enormen Aufwuchs an Schulden in dem Bundesland. Eigentlich war NoWaBo schon Politik-Rentner, bis er sich zur Kandidatur für den SPD-Vorsitz entschied. Bei der Stichwahl zwischen dem 19. bis 29. November 2019 wurde er zusammen mit Saskia Esken schließlich von den SPD-Mitgliedern zum neuen Vorstand der Partei gewählt. 

In seinem Privatleben geht Nowabo gerne der Bildhauerei nach. Er hat vier Kinder und lebt zusammen mit seiner Ehefrau in Köln-Sülz.

Video: Das erwartet uns auf dem SPD-Parteitag

Erstmeldung vom 19. September 2019: 

Geheimfavorit um SPD-Vorsitz: NoWaBo als neuer Gegner von AKK? 

Bis zum 12. Oktober touren die verschiedenen Duos (sieben sind es insgesamt) der Kandidatenliste im Wettstreit um den SPD-Vorsitz nach Rücktritt von Andrea Nahles durch ganz Deutschland. Norbert Walter-Borjans, 66, entschloss sich erst kurz vor Bewerbungsschluss für eine Kandidatur, animiert von der baden-württembergischen Bundestagsabgeordneten Saskia Esken, 58. Vor ihrer gemeinsamen Kandidatur kannten sich Walter-Borjans und Saskia Esken kaum.

SPD-Vorsitz: Wer ist Norbert Walter-Borjans?

Zuvor war Norbert Walter-Borjans, oder NoWaBo, wie er häufiger genannt wird, seit 2010 als nordrhein-westfälischer Finanzminister tätig. Einen Namen gemacht hat sich der Politiker vor allem wegen seines Kampfs gegen Steuerbetrug, bei dem er illegale Geldtransfers in die Schweiz aufdeckte. Mehr als sieben Milliarden Euro an Nachzahlungen an den Staat konnte Walter-Borjans als Finanzminister verbuchen, indem sein Ministerium elf CDs mit den Daten von Steuersündern ankaufte. 

Lesen Sie auch den Ticker zum Mitgliederentscheid: Ergebnis da - Kandidaten stehen jetzt fest - Geheimfavorit noch im Rennen

Sein Einsatz für Steuergerechtigkeit machte Norbert Walter-Borjans bekannt, beliebt - und brachte ihm sogar den scherzhaften Titel „Robin Hood der Steuerzahler“ ein. Außerdem ist der Experte für Steuerangelegenheiten Norbert Walter-Borjans Autor des Buchs „Steuern – der große Bluff“, mit dem er zuletzt durch Deutschland tourte.

Duell gegen Scholz: Chance für Konkurrent Norbert Walter-Borjans

Wie gut die Chancen für Walter-Borjans und seine Ko-Kandidatin stehen, berichtet auch Bild.de. Demnach gilt das Duo soagr als Favorit der Partei-Linken. Unterstützung im Kampf für den SPD-Vorsitz bekommen sie unter anderem von Juso-Chef Kevin Kühnert, der auf eine eigene Kandidatur verzichtete. Auch der Landesverband NRW, der ein Viertel der SPD-Mitglieder repräsentiert, steht hinter Norbert Walter-Borjans.

Kritik gibt es dagegen für den prominenten Kandidaten Olaf Scholz, der sich auf der Kandidatentour  zurückhaltend gibt und auf Ko-Kandidatin Klara Geywitz verweist. In Umfragen schneidet Olaf Scholz als SPD-Vorsitz schlecht ab.

Norbert Walter-Brojans und Saskia Esken wollen standhafte und glaubwürdige Politik machen

Norbert Walter-Borjans: Seine Ziele als SPD-Vorsitz

„Der SPD und ihren Mitgliedern neues Selbstbewusstsein geben“, ist das hohe selbst erklärte Ziel von Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken. Walter-Borjans sieht sich und seine Politik als ursozialdemokratisch und beruft sich auf die klassischen Werte der SPD. Walter-Borjans will seinem Vorbild Willy Brandt nacheifern und sich glaubhaft und standhaft für Bürger einsetzen. Er fordert höhere Steuern für Reiche und ein Ende der schwarzen Null. Innerhalb seiner Partei SPD will NoWaBo als SPD-Vorsitz für starken Zusammenhalt sorgen.

Auch das Thema Klimawandel will er nicht vernachlässigen, versichert er. Der GroKo steht das Duo aus Norbert Walter-Brojans und Saskia Esken dagegen kritisch gegenüber.

Wann gibt es eine Entscheidung?

Wer entscheidet die Wahl um den SPD-Vorsitz für sich?

Nach dem Casting können 425 630 SPD-Mitglieder vom 14. bis zum 25. Oktober 2019 bei einer ersten Mitgliederbefragung für den Vorsitz abstimmen. Am 26. Oktober ist das Ergebnis zu erwarten - höchstwahrscheinlich wird jedoch keines der Duos mindestens 50 Prozent der Stimmen erreichen werden. In diesem Fall kommt es zu einer Stichwahl zwischen dem 19. bis 29. November. Am 30. Novembe r wird das Ergebnis der Stichwahl bekanntgegeben. Auf dem SPD-Parteitag vom 6. bis 8. Dezember soll dann die neue Spitze formell bestätigt werden. Es bleibt also noch offen, wer den Run auf den SPD-Vorsitz 2019 für sich entscheiden kann. 

cw

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