Konkurrent zeigt sich erschüttert

Depressionen: Neumarkter Bürgermeisterkandidat zieht sich aus Stichwahl zurück

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Erwin Baumgartner (UWG), der Bürgermeister von Neumarkt-Sankt Veit (links) zeigt sich erschüttert über den Rückzug von Michael Kulhanek (CSU) aus der Stichwahl. Dieser zieht sich aus gesundheitlichen Gründen zurück.
  • Heinz Seutter
    vonHeinz Seutter
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  • Daniel Pichler
    Daniel Pichler
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Neumarkt-Sankt Veit -  In gut eineinhalb Wochen finden in Neumarkt-Sankt Veit Bürgermeister-Stichwahlen statt. Nun wendet sich Kandidat Michael Kulhanek an die Wähler. 

Update, 16 Uhr: Bürgermeister zeigt sich erschüttert

"Auf diese Art will niemand eine Bürgermeisterwahl gewinnen!", erklärt Neumarkts Bürgermeister Erwin Baumgartner (UWG) gegenüber innsalzach24.de. Zwar muss er nun formell noch in die Stichwahl gegen Kulhanek, doch praktisch steht so nun sein Sieg fest. Es sei jedoch ein Wahlerfolg mit tiefbitterem Beigeschmack. "Ich wünsche ihm alles Gute und eine schnelle und vollkommene Genesung!", betont er. "Die Nachricht, dass er auf diese Weise aus dem Wahlkampf ausscheidet, tut mir in der Seele weh." Er respektiere Kulhaneks Entscheidung aufs tiefste. "Er hat einen sehr fairen, sehr respektvollen Wahlkampf geführt", lobt Baumgartner.

Die Erstmeldung:

Am 29. März finden in Bayern die Stichwahlen über Landrat, OB oder Bürgermeister statt. So auch in Neumarkt-Sankt Veit. Nun wendet sich Bürgermeisterkandidat Michael Kulhanek (CSU) mit einem Brief an die Öffentlichkeit - mit der Bitte, ihn nicht zu wählen. 

Der Brief im Wortlaut:

„Sehr geehrte Damen und Herren, leider muss ich Ihnen mitteilen, dass ich mich aus gesundheitlichen Gründen aus dem Wettbewerb um das Amt des Bürgermeisters der Stadt Neumarkt-Sankt Veit zurückziehen muss. Ich habe mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht, sehe mich derzeit aber nicht in der Lage, dem wichtigen und herausfordernden Amt gerecht zu werden. Ich treffe diese Entscheidung auch aus einem großen Verantwortungsbewusstsein nicht nur für meine eigene Gesundheit, sondern auch für die Zukunft unserer Heimatstadt. 

In den letzten Tagen ist bei mir eine Krankheit zurückgekehrt, die ich eigentlich vollkommen überwunden glaubte. In meiner Jugendzeit hatte ich mit einer Depression zu kämpfen, die therapeutisch so behandelt wurden, dass ich seither keinerlei Beschwerden mehr hatte. Ich habe die Entscheidung für eine Kandidatur zum Bürgermeister auch nicht leichtfertig getroffen, sondern nach reiflicher Überlegung. Für die jetzige Entwicklung hat es vorher und auch in den Zeiten des Wahlkampfes keinerlei Anzeichen gegeben. Inzwischen weiß ich, dass ich meine Kräfte überschätzt habe. 

Da ich aus rechtlichen Gründen nicht mehr von der Stichwahl zurücktreten kann und diese durchgeführt werden muss, bitte ich Sie hiermit darum, mich nicht zu wählen. Ich bitte Sie herzlich um Verständnis für meine Situation und diese Entscheidung. 

Ihr Michael Kulhanek“

Auch Aschauer Bürgermeisterkandidat rief dazu auf, ihn nicht zu wählen

Mit Michael Kulhanek ruft nun ein weiterer Bürgermeisterkandidat dazu auf, ihn nicht zu wählen. Auch der Aschauer Bürgermeisterkandidat Max Neumüller hatte sich drei Wochen vor der Kommunalwahl an die Bürger gewandt mit der Bitte, das Kreuz nicht bei ihm zu machen. Neumüller nannte eine "schwere Erkrankung" als Grund. 

(dp)

Quelle: rosenheim24.de

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