MERKELS PERSONALPLÄNE

Neue Statik der Macht

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Vielleicht ist es in den Jahren ihrer absoluten Machtfülle ja in Vergessenheit geraten: Aber der Aufstieg der Angela Merkel von „Kohls Mädchen“ zur Bundeskanzlerin, die ganz Europa dominiert, beruhte einst ganz wesentlich darauf, dass sie massiv unterschätzt wurde.

Keiner ihrer Konkurrenten in der von Männern aus dem Westen dominierten Union hätte der Protestantin aus dem Osten diese Karriere zugetraut. Und nun, da sich die verbitterten Geschlagenen von einst wieder stark genug für Interviews voller Ratschläge fühlen, will es Merkel ihnen allen noch einmal beweisen. Sie will das, was noch fast keinem in der Politik gelang: beim Abgang aus dem Amt ihre Nachfolge selbst organisieren. Das ist sehr ambitioniert.

Mit ihren Personalentscheidungen der vergangenen Woche hat Merkel die Statik ihrer Macht verändert. Das begann schon damit, mit Annegret Kramp-Karrenbauer eine selbstbewusste Ministerpräsidentin zur Generalsekretärin zu machen. Zuletzt dienten die braven bis farblosen Hermann Gröhe und Peter Tauber ihr eher als Sekretär denn als General. Den einen entfernt die Kanzlerin nun lautlos aus dem Kabinett, für den anderen reichte es erst gar nicht zum Ministerposten. Mit Kramp-Karrenbauer zieht nun eine in das Büro, die sich explizit Heiner Geißler zum Vorbild nimmt, der sich gegenüber seinem Parteichef Helmut Kohl größte Freiheiten herausnahm. Das Adenauer-Haus gewinnt wieder an Bedeutung.

Auch fürs GroKo-Kabinett plant Merkel – wenn die SPD-Basis sie denn lässt – eine neue Statik: Sie hat die Warnschüsse gehört, holt Kritiker ins Boot und leitet einen Generationswechsel ein. Der konservative Jens Spahn, über Jahre als Gesundheitspolitiker aktiv, wird nicht nur eingebunden, sondern ist fachlich eine sehr gute Lösung. Auch Julia Klöckner kennt ihr Haus als ehemalige Staatssekretärin bestens. Damit dürfte Merkel zumindest den heutigen Parteitag besänftigen. Ein erster Schritt. Das eigentliche Kunststück wartet noch: Kann Merkel über ihren Nachfolger – und auch den Zeitpunkt – entscheiden? Ihr künftiger Innenminister Horst Seehofer sollte ihr tägliche Mahnung sein, wie schwierig dieser Plan ist.

Mike Schier

Sie erreichen den Autor unter

Mike.Schier@ovb.net

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