Die neue Eiserne Lady der Alpenrepublik

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Johanna Mikl-Leitner (ÖVP)wurde zur Galionsfigur der Flüchtlings-Skeptiker

DAS PORTRÄT . Wien – Wohl selten wurde eine österreichische Innenministerin zu einer derart gefragten Stimme in Deutschland.

Johanna Mikl-Leitners neue harte Haltung in der Flüchtlingskrise macht’s möglich. Dabei war die ÖVP-Politikerin monatelang in der Schusslinie – der Medien, der Öffentlichkeit, der eigenen Kabinettskollegen. Im Sommer rangierte Mikl-Leitner in österreichischen Umfragen zum Vertrauen in die Politiker auf dem letzten Platz. Sie war die Schuldige der Flüchtlingskrise. Dann, Ende Oktober, kam die Wende. Bei einem Besuch der Grenzstation Spielfeld platzte der 51-Jährigen angesichts der Rekord-Flüchtlingszahlen der Kragen. „Wir müssen an einer Festung Europa bauen“, formulierte sie eine drastische Losung weit über Österreich hinaus.

Seitdem hat sich die konservative Politikerin – gelernte Wirtschaftspädagogin und ehemalige Unternehmensberaterin – zur Galionsfigur der Skeptiker gemausert. Egal, ob es ihre Meinung zu den Wirtschaftsflüchtlingen ist, der Zaunbau an der Südgrenze oder das strikte Verfechten einer Asyl-Obergrenze – ihr Wort wird mehr denn je in Europa gehört.

„Sie passt in keine Schublade“, sagt der Politologe Peter Filzmaier von der Donau-Universität Krems. Um ihr Auftreten zu verstehen, müsse man zwei Dinge wissen: Als Chefin des Österreichischen Arbeitnehmerbunds leite sie eine der wichtigen Teilorganisationen der ÖVP. „Mit dieser Gruppe werden Wahlen gewonnen.“ Dort hat sich längst der Wind von Hilfsbereitschaft hin zur Sorge gedreht. Und: Mikl-Leitner ist tief im Landesverband Niederösterreich verwurzelt. Im bevölkerungsreichsten Bundesland ist die ÖVP seit Jahren unangefochten Nummer eins. Landeshauptmann Erwin Pröll gelte zudem als einer der einflussreichsten Politiker des Landes. Filzmaier: „Der Kurs von Niederösterreich ist für sie mindestens so wichtig wie der von Wien.“

Zuletzt hat sich Mikl-Leitner mit ihrer harschen Kritik an Griechenland profiliert. Es sei ein „Mythos“, dass die griechische Küste nicht zu schützen sei, sagt sie. Dabei tritt die Politikerin persönlich mehr herzlich als hart auf und wird dafür bewundert, komplizierte Dinge auf den Punkt zu bringen. Die Liebe zum Detail geht ihr ab. Manches Vorpreschen in der Vergangenheit entpuppte sich als Versuchsballon ohne Konsequenz.

Das ist jetzt anders. Unbeirrt von der Kritik hat die Mutter zweier Töchter 2015 überstanden. Sie habe „keine Sekunde“ an Rücktritt gedacht, bekannte sie im ORF-Rundfunkinterview zum Jahreswechsel. Dass sie polarisiere, liege am Amt der Innenministerin. Mit diesem Posten habe noch niemand Beliebtheitspreise gewonnen. Die jüngsten Umfragen widersprechen ihr: Dort hat die 51-Jährige deutlich Punkte im Vertrauens-Ranking dazugewonnen. Matthias Röder

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