Nahles’ kniffliges Kabinetts-Puzzle

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Zeit der Entscheidung: Andrea Nahles. Foto: epa

Wer wird was, wenn die SPD Ja sagt? Klar ist nur: Olaf Scholz würde Hamburg verlassen und der Kassenwart der Koalition werden. Und für Sigmar Gabriel gäbe es wohl mehr Zeit in Goslar. Da die SPD jemanden aus dem Osten braucht, sind Überraschungen möglich.

Mitgliederentscheid in der SPD

Von Georg Ismar

Berlin – Bloß kein neues Kommunikationsdesaster: Nach dem Debakel mit dem tief gefallenen Martin Schulz soll es diesmal anders laufen. „Ausgeschlossen, das machen wir nicht“, sagt die designierte SPD-Chefin Andrea Nahles auf die Frage, ob schon am Sonntag, nach der Bekanntgabe des Mitgliedervotums über die Große Koalition, auch die Ministernamen der SPD veröffentlicht würden. Gegenüber der misstrauischen Basis soll partout der Eindruck vermieden werden, es gehe primär um Posten und Dienstwagen. Nahles will die Liste noch ein paar Tage unter Verschluss halten. Doch das Puzzle von Nahles enthält trotz aller Geheimniskrämerei schon jetzt ein paar Teile, die klar sind:

Außen: Das war der Traumjob von Martin Schulz. Er wollte dafür Sigmar Gabriel, den laut Umfragen beliebtesten SPD-Politiker, rauskegeln. Das Ergebnis ist bekannt: Nach seinem Rücktritt als SPD-Chef wurde Schulz mit 44 Stunden der kürzeste Fast-Außenminister. Da es sich Gabriel mit Nahles verscherzt hat und nicht als Teamspieler gilt, könnte er draußen sein; Teamfähigkeit hat Nahles als ein Eignungskriterium benannt. Als Kandidaten gelten der bisherige Justizminister Heiko Maas (51) und Familienministerin Katarina Barley (49); sie sind gesetzt für das Kabinett. Als Geheimtipp gehandelt wird Thomas Oppermann.

Finanzen: Das Schlüsselressort und Machtinstrument (hier wird das Geld verteilt) soll Hamburgs Regierungschef Olaf Scholz übernehmen. Er wäre auch Vizekanzler. Scholz gilt als der beste Verhandler der SPD und hat ein professionelles Umfeld.

Arbeit und Soziales: Das Ressort war für die SPD nicht verhandelbar. Neben Maas und Barley könnte auch der Niedersachse Hubertus Heil (45) ein Kandidat für das Amt mit dem größten Einzeletat sein – mit den Ausgaben für Renten und Arbeitsmarkt werden rund 130 Milliarden Euro im Jahr ausgegeben.

Justiz: Amtsinhaber Maas könnte weitermachen. Mit seiner klaren Kante gegen AfD und Pegida-Bewegung ist er zum Feindbild der rechten Szene geworden. Da aber drei Frauen von der SPD in das Kabinett geschickt werden sollen, gilt auch die Abgeordnete Eva Högl als Kandidatin.

Umwelt: Mit dem Verlust der Bauabteilung an Horst Seehofer (Innen) und Peter Altmaier, der im Wirtschaftsressort die Energiewende zur Chefsache machen dürfte, droht dem Umweltministerium ein Bedeutungsverlust. Amtsinhaberin Barbara Hendricks würde weitermachen – wenn man sie denn lässt. Stichwort Erneuerung: Als ministrabel gilt auch der Parteilinke Matthias Miersch (49) aus Niedersachsen.

Familie: Da Barley aufsteigen dürfte in ein anderes Ressort, könnte jemand Neues das Haus übernehmen. Wenn Hendricks aus dem Kabinett ausscheidet, müsste aus Proporzgründen eigentlich jemand aus Nordrhein-Westfalen zum Zuge kommen. Eine Kandidatin könnte Christina Kampmann (37) sein, die von 2015 bis 2017 Familienministerin in NRW war.

Als Überraschungskandidatin aus Ostdeutschland, wo die SPD starke Verluste zu verkraften hat, gilt Franziska Giffey, in Frankfurt/Oder geboren und aktuell Bezirksbürgermeisterin in Berlin-Neukölln. Spekuliert wird auch über Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig.

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