Die nächste Station heißt Berlin

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Medialer Coup: Margarete Bause besucht während Horst Seehofers China-Reise 2014 Ai Weiwei in seinem Studio. dpa

Margarete Bause hat es vom Einsiedlerhof zur Fraktionschefin gebracht – Mit 57 zieht es sie nun in den Bundestag. München – Vielleicht schließt sich der Kreis ja dort, wo alles angefangen hat: in Niederbayern.

In der Nähe von Landshut ist Margarete Bause aufgewachsen, auch wenn sie seit Jahren als Inbegriff der großstädtischen Schwabingerin gilt. „Mein Vater kam aus Thüringen, war aus der DDR geflohen, und meine Eltern sind neu in die Gegend gezogen“, hat die vor 57 Jahren im baden-württembergischen Wertheim geborene Bause einmal erzählt. Ihr Vater kaufte sich einen einsam gelegenen Bauernhof. „Das fanden die Leute in der Gegend sehr komisch.“ Zumal der neue Bauer nach einem Unfall am Stock ging.

Margarete Bause kann also Kühe melken oder einen Saustall ausmisten. Nicht nur politisch. Sie hat einen weiten Weg zurückgelegt, erst vom Dorf in die Großstadt, dann in den Landtag und auf den Platz der Fraktionschefin. Die Grünen kann man sich im Maximilianeum kaum noch ohne sie vorstellen. Aber gleichzeitig ist das alles ein wenig zur Routine geworden, gerade nach dem enttäuschenden Wahlergebnis 2013. Bause überlegte deshalb schon seit Monaten über eine Luftveränderung. Heute wird sie erklären: 2017 plant sie die nächste Station ihrer Reise. In den Bundestag nach Berlin.

In der Partei waren keinesfalls alle begeistert, als die Kunde von Bauses Erwägungen die Runde machte. Derzeit sitzen neun Abgeordnete für die bayerischen Grünen in Berlin, und zumindest die Damen haben nun eine prominente Konkurrentin mehr. Lediglich Platz 1 der bayernweiten Liste gilt für Claudia Roth, so sie 2017 antritt, als ungefährdet. Danach geht es abwechselnd mit Mann und Frau weiter – und der Verdrängungswettbewerb ist hart. Zwar gibt es anders als in der CSU keinen Regionalproporz, dennoch sind alle Regionen darauf bedacht, zum Zuge zu kommen. Und hier könnte ein Problem für Bause entstehen: Die ersten beiden Männer, Anton Hofreiter und Dieter Janecek, dürften auch 2017 ganz vorne zu finden sein – sie kommen aus dem Landkreis und der Stadt München. Dazu kommt die 2013 auf Platz 9 gesetzte Doris Wagner, die nun am meisten um ihr Mandat bangen muss. In der Partei wird aber auch spekuliert, Bause könnte auf Niederbayern ausweichen, wo die Grünen prominente Unterstützung gut gebrauchen könnten.

Nicht alle in der Partei sind überzeugt, dass Bauses Karriereschritt gelingt. Die Grünen-Basis hat bisweilen einen eigenen Kopf. Das musste auch die Ex-Landesvorsitzende Theresa Schopper erfahren, die sich bei der Landtagswahl 2013 entschied, statt in München in ihrer Heimat Schwaben anzutreten. Die Delegierten reichten sie auf den dritten Platz der Bezirksliste durch. Schopper verlor ihren Platz im Parlament – und arbeitet heute für Winfried Kretschmann in Stuttgart. Mike Schier

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