„Mittelmeerroute stark frequentiert“

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Fabrice Leggerileitet die Grenzschutz-organisation Frontex

Flucht nach Europa . Bis zu 300 000 Flüchtlinge erwartet – Ägypten als Schlepper-Startpunkt.

Berlin – Angesichts der versperrten Balkanroute versuchen immer mehr Flüchtlinge die gefährliche Überfahrt über das zentrale Mittelmeer nach Europa. „Mittlerweile kommen aus Libyen 13- bis 14-mal mehr Flüchtlinge nach Italien als Migranten aus der Türkei nach Griechenland“, sagte Frontex-Chef Fabrice Leggeri. „Die zentrale Mittelmeerroute ist so stark frequentiert wie noch nie.“ Die Zahl der illegalen Grenzübertritte zwischen Libyen und Italien übersteige in diesem Jahr die aller anderen illegalen Grenzübertritte in die EU.

Nach Frontex-Angaben sind bis Ende Mai zwar etwa so viele Flüchtlinge über Nordafrika nach Italien gekommen wie im Vorjahr. Im Mai allerdings sei die Zahl der Ankömmlinge doppelt so hoch wie im April gewesen. Die Flüchtlinge, die aus Nordafrika aufbrechen, kommen aus den Staaten am Horn von Afrika, dem Sudan und Westafrika. Syrer, die verstärkt nach Nordafrika als Fluchtweg ausweichen, könnten bisher nicht beobachtet werden.

„Wenn die Migrationsströme aus Westafrika in Richtung Libyen anhalten, dann müssen wir mit 300 000 Menschen rechnen, die in diesem Jahr aus Westafrika in die nördlichen Maghreb-Staaten fliehen, um dann weiter nach Europa zu reisen“, warnte Leggeri. Zudem entwickele sich Ägypten zum immer wichtigeren Startpunkt für Schlepperboote nach Europa. Die Odyssee von dort übers Meer sei besonders gefährlich und dauere oft länger als zehn Tage.

Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) sind in den ersten fünf Monaten mehr als 190 000 Menschen über das Mittelmeer geflohen. Davon knapp 156 000 nach Griechenland und 34 000 nach Italien. 1375 Menschen gelten als vermisst oder tot.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) warf der EU vor, durch ihre Kooperation mit den diktatorisch geführten Regierungen Äthiopiens und des Sudan die Massenflucht aus dem Horn von Afrika zu schüren. Die EU setze auf einen Schmusekurs mit Äthiopien und dem Sudan und ignoriere so die Fluchtursachen. Der CDU-Europapolitiker Elmar Brok verteidigte die geplanten Flüchtlingsabkommen der EU mit Afrika, die auch ein Beitrag zur Bekämpfung von Schleppern seien.

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