Merkels spätes Bekenntnis

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Die Kanzlerin und ihr Kandidat: Angela Merkel und Jean-Claude Juncker. Foto: dpa

Nun also doch: Juncker soll EU-Kommissionspräsident werden. Sagt die Kanzlerin. Für diese Nachricht nutzt Merkel den ersten großen öffentlichen Auftritt nach geharnischter Kritik an ihrem Kurs – den Katholikentag.

Nun also doch: Juncker soll EU-Kommissionspräsident werden. Sagt die Kanzlerin. Für diese Nachricht nutzt Merkel den ersten großen öffentlichen Auftritt nach geharnischter Kritik an ihrem Kurs – den Katholikentag.

Regensburg – Nach scharfer Kritik an ihrem Zögern hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) klar für den Europawahl-Sieger Jean-Claude Juncker als EU-Kommissionspräsidenten ausgesprochen. Die Europäische Volkspartei mit dem luxemburgischen Christsozialen als Spitzenkandidaten sei aus der Wahl als stärkste Kraft hervorgegangen, sagte Merkel am Freitag auf dem Katholikentag in Regensburg. „Deshalb führe ich jetzt alle Gespräche genau in diesem Geiste, dass Jean-Claude Juncker auch Präsident der Europäischen Kommission werden sollte.“

Bisher hatte Merkel eine ausdrückliche Festlegung auf Juncker vermieden. Das war beim Koalitionspartner SPD, aber auch in ihren eigenen Reihen auf massive Kritik gestoßen. In Medien wurde Merkels Vorgehen sogar als „dumm“ bezeichnet. „Gut, dass der öffentliche Druck Merkel zur Kurskorrektur gezwungen hat“, sagte SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi.

In der Europäischen Union steht nun ein Konflikt mit anderen Regierungschefs bevor. So gehört der britische Premier David Cameron zu den entschiedenen Gegnern Junckers, weil dieser für ihn einen zu großen Machtanspruch für Brüssel verkörpert. Der Brite steht nach dem sehr guten Abschneiden der rechtspopulistischen UKIP bei der Europawahl in seinem Land unter großem Druck.

Merkel verteidigte ihr bisheriges Vorgehen. Sie habe zunächst mit den anderen Regierungschefs nach gemeinsamen Lösungen suchen und niemanden vor den Kopf stoßen wollen, sagte sie. „Das heißt ja nicht, dass man seine Position aufgibt.“

Die Kanzlerin wurde zuletzt vor Wählerbetrug gewarnt, weil im Wahlkampf betont worden war, dass einer der beiden europaweiten Spitzenkandidaten – Juncker oder der Sozialdemokrat Martin Schulz – auch Kommissionspräsident werde. Das EU-Parlament hatte sich bereits deutlich für Juncker ausgesprochen.

Die Regierungschefs aus Großbritannien, Ungarn, Schweden und den Niederlanden hatten dagegen Bedenken gegen eine schnelle Festlegung auf Juncker. Die 28 Staats- und Regierungschefs setzten daher den Ratsvorsitzenden Herman Van Rompuy als Vermittler ein, um mit dem Europaparlament und den Hauptstädten zu verhandeln. Die Kanzlerin erklärte, die Entscheidung könne nur im Rahmen eines Personalpakets und mit klaren Zielen für die neue Kommission getroffen werden. Der EU-Kommissionspräsident ist nur einer von mehreren Spitzenposten auf EU-Ebene. Dazu gehören der EU-Ratsvorsitzende, der die EU-Gipfel leitet, der EU-Außenbeauftragte und möglicherweise auch ein hauptamtlicher Chef der Euro-Finanzminister.

Die CSU zeigte sich über Merkels Kehrtwende erfreut: „Ich begrüße nachdrücklich, dass die Kanzlerin jetzt uneingeschränkt hinter unserem Spitzenkandidaten steht“, sagte die Europaabgeordnete Angelika Niebler. CSU-Chef Horst Seehofer hatte zuvor schon in seinen öffentlichen Äußerungen keinen Zweifel daran gelassen, dass Juncker die Unterstützung der CSU hat.

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