Merkels Notbremse

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Kanzlerin stellt sich hinter Juncker. Wenn das eigentlich Selbstverständliche als Sensation daherkommt, muss einiges schiefgelaufen sein.

Dass es drei Tage brauchte, bis sich Angela Merkel offiziell zu ihrem Kandidaten für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten bekannte, ist erstaunlich für die Kanzlerin, die normalerweise ein sehr feines Gespür für die öffentliche Stimmung hat.

Doch diesmal ließ die CDU-Chefin ihr Bauchgefühl im Stich. Sie erweckte den fatalen Eindruck, die Christdemokraten hätten Jean-Claude Juncker über Monate zwar als Barroso-Nachfolger ins Schaufenster für die Wähler gestellt, doch letztlich würden die Staats- und Regierungschefs – wie Jahrzehnte üblich –, wieder hinter verschlossenen Türen eine Verteilung der europäischen Posten nach eigenem Gusto vornehmen. Mehr europäisches Porzellan hätte man nicht zerschlagen können.

Angesichts des Scherbenhaufens zog die deutsche Regierungschefin die Notbremse: Gegen ihre sonstige Maxime, erst zu entscheiden, wenn alle Optionen eines Problems durchdacht und alle Fragen beantwortet sind, musste sie sich nun festlegen. So richtig die Kurskorrektur der Kanzlerin ist, so sicher wird ihr Festhalten an Juncker Folgen für die Besetzung der übrigen Spitzenposten haben. Die Juncker-Gegner in London, Stockholm, Budapest und Amsterdam sinnen auf Rache. Die SPD wird ihrerseits in der Großen Koalition alle Hebel in Bewegung setzen, um ihrem Spitzenmann Martin Schulz ein Brüsseler Spitzenamt zu eröffnen. Und die Kanzlerpartei CDU könnte leer ausgehen.

Alexander Weber

Sie erreichen den Autor unter

Alexander.Weber@ovb.net

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