Merkel und die CSU Das Doppelspiel CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

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Merkel und die CSU. Das Doppelspiel .

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Die CSU versteckt ihre Unions-Kanzlerin im Wahlkampf. Aus gutem Grund. Nie würde es ein Parteistratege öffentlich einräumen, aber die völlig missratenen Auftritte Angela Merkels im Sommer 2017 – matt runtergebetete Standard-Reden, Pfeifkonzerte von Gegnern – waren ein Desaster. Jede Wiederholung wäre fatal.

Die heutigen Umfragen, die eine relativ hohe Popularität für Merkel in Bayern anzeigen, täuschen. Die Bevölkerung ist gespalten zwischen Anerkennung für die vor allem außenpolitisch stabile Arbeit der Regierungschefin und sehr schroffer Ablehnung ihrer Migrationspolitik. Dieser Riss geht mitten durch die CSU, und er ist tief. Das reicht bis in die Spitze, wo Markus Söder rätseln kann, ob Merkels 2015er-Herbst und der folgende Seehofer-Schlingerkurs ihn 6 oder 12 Prozentpunkte kosten. Er hat gar keine andere Wahl, als die Kanzlerin im Landtagswahlkampf so weit wie möglich wegzuschweigen.

Söder muss sogar ein Doppelspiel versuchen: Insgeheim ist er einer der schärfsten Merkel-Gegner. Falls sie nach den Wahlen in Bayern und Hessen stürzt, dürfte ihm das größte Genugtuung bereiten. Gleichzeitig formt er seit einigen Wochen als Bayerns Regierungschef mit ihr ein neues Arbeitsverhältnis. Seine Verstellungskunst und vor allem ihre beeindruckend nüchterne Disziplin und Uneitelkeit machen das möglich. Man mag darüber staunen – doch vorerst ist das effektiver als ein Krawallkurs.

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Christian.Deutschlaender@ovb.net

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