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„Mehr junge Leute wollen wieder Plattln lernen“

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Anton Kölbl

Die Tradition wird in Bayern immer einen besonderen Stellenwert haben, sagt Anton Kölbl (49), Vorsitzender des Schlierseer Volkstrachtenvereins Stamm 1888 – trotz demografischen Wandels.

Im Interview erzählt er, dass sich mehr junge Leute wieder für alte Bräuche interessieren und auch Preußen zu einem bayerischen Traditionsverein dazugehören können, wenn sie sich anpassen.

Herr Kölbl, was macht für Sie Bayern aus?

Auf jeden Fall die Tradition, die Kultur und die Gemütlichkeit. Die zeigt sich auf den Festen und auch in der Lebensart der Bayern. Der Bayer an sich ist scho a bisl a gemütlicher Typ.

Der demografische Wandel zeigt sich auch im Freistaat. Wie wirkt sich das auf Vereine wie den Ihren aus?

Wir spüren das schon. Auch in unserem Verein gehen die 30- bis 40-Jährigen a bissl ab. Wir haben mehr ältere Leute. Was mich gfreit, ist, dass wieder mehr junge Leute dazu kommen, die das Plattln und Tanzn lernen möchten und die gerne im traditionellen Gwand ausrucken.

Gibt’s da ein Kriterium, um bei Ihnen mitmachen zu können? Oder haben Sie die Kriterien lockern müssen, dass mehr Leute zum Verein kommen?

Nein, es gibt eigentlich überhaupt kein Kriterium. Jeder, der dazugehören möchte, kann das machen. Des war schon immer so bei uns. Voraussetzung ist natürlich, dass sich derjenige standesgemäß in unserer Tracht kleidet. Des muss schon passen. Ein Mannsbild mit ganz langen Haaren könnt jetzt nicht bei uns mitgehen.

Sie nehmen also auch Preußen auf?

(lacht) Freilich. Wie gesagt, wenn es passt und derjenige unsere Traditionen lernen und leben will, ist das möglich.

Was glauben Sie, wo sich Bayern in Sachen Tradition hinentwickelt? Was wünschen Sie sich?

Ich denke, dass die Tradition immer ihren besonderen Stellenwert haben wird. Das sieht man auch auf den Festln bei uns in der Region. Die meisten jungen Leute gehen heute wieder mit am scheenan Dirndl oder der Lederhosen furt. Des war vor cirka 15 Jahren noch anders. Ich wünsche mir, dass die Jungen weiterhin eine Freude dran haben, das Plattln und Tanzn zu lernen. Und einen Sinn dafür haben, das Alte weiterzutragen und zu pflegen. Das ist unbandig wichtig. Sonst stirbt die Tradition aus.

Interview: Magdalena Kratzer

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