DIE LINKE KOMMT IM BAYERNTREND AUF 5 PROZENT UND HOFFT, BALD IM LANDTAG ZU SITZEN – DABEI IST DER BAYERISCHE LANDESVERBAND EHER UNBEKANNT

„Das Maximilianeum ist greifbar“

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Freude am Abend der Bundestagswahl: (v.l.) Klaus Ernst, Eva Schreiber, Dominik Lehmann und Ates Gürpinar. Foto: Haag

München – Sie standen schon ein wenig ungläubig da, als die Hochrechnung über den Bildschirm lief.

Sechs Prozent. In Bayern. Klaus Ernst, der Bundestagsabgeordnete, wuselte sich leicht benommen vor auf die Bühne des Münchner Eine-Welt-Hauses, wo schon ein junger Typ mit dunklen Locken stand und „danke, danke, danke“ ins Mikro gluckste.

Der Abend der Bundestagswahl, ein Jahr ist das her. Die Linke fuhr damals ein überraschend gutes Ergebnis ein. Sieben bayerische Abgeordnete sitzen seither im Bundestag, vorher waren es vier. Noch am gleichen Abend schielte mancher Genosse auf die Landtagswahl. Könnte da auch was gehen? Seit Mittwoch heißt die Antwort: gut möglich. Der Bayerntrend sagt der Linken fünf Prozent voraus, sie könnte ins Maximilianeum einziehen, zum ersten Mal.

„Das ist überfällig“, sagt Sahra Wagenknecht unserer Zeitung. „Dem bayerischen Landtag fehlt eine soziale Stimme.“ Die Chefin der Bundestagsfraktion ist zum Kurzbesuch aus Berlin gekommen, ein paar Interviews, eine Rede auf dem Marienplatz. Viel prominenter geht es in der Linken nicht – zumal die hiesigen Gesichter der Partei eher mittelbekannt sind.

Ates Gürpinar zum Beispiel. Vor einem Jahr war er, der Lockenkopf, noch Sprecher des kleinen Landesverbands. Inzwischen ist er – neben der Ex-Bundestagsabgeordneten Eva Bulling-Schröter – Spitzenkandidat. Auch er fühlt sich dank der Umfrage im Aufwind. „Das ist echt motivierend.“

Bisher war Bayern ein schwieriges Pflaster für die Linke. Den Landesverband gibt es erst, seit sich die SPD-Abspaltung WASG und die Linkspartei.PDS vor elf Jahren zusammengeschlossen haben. Es folgte eine mühsame Zeit. „Die ersten Jahre waren ein reines Zusammenraufen“, sagt die Münchner Bundestagsabgeordnete Nicole Gohlke. Viele Querköpfe, wenig Ressourcen, kaum Infrastruktur.

Noch immer gibt es Flecken in Bayern, in denen die Linke nicht präsent ist. Trotzdem hat sich viel getan. Ortsverbände gründen sich, die Zahl der Mitglieder steigt: rund 3400 sind es heute, seit der Bundestagswahl kamen 800 hinzu. Auch inhaltlich sei man gut aufgestellt, sagt Gohlke. Gerade das Thema Pflege zieht.

Die Linke wäre aber nicht die Linke, wenn es ganz friedlich mit ihr zuginge. Intern sehen manche die gerade gegründete Sammlungsbewegung von Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine mit gemischten Gefühlen. Außerdem taucht die Partei jährlich im bayerischen Verfassungsschutzbericht auf. In dem von 2017 heißt es, es gebe „mehrere offen extremistische Strukturen“ in der Partei, etwa die Kommunistische Plattform oder die Linksjugend.

Kein wünschenswerter Ruf. Aber Spitzenkandidat Gürpinar sagt, er merke, dass die Leute aufgeschlossener auf ihn zugingen. Und seine Co-Spitzenkandidatin Bulling-Schröter erzählt, nach der Bayerntrend-Umfrage habe sie viele Mails bekommen. Tenor: „Jetzt seid ihr wählbar.“

Sollten die Linken es in den Landtag schaffen, könnte das vor allem Ministerpräsident Markus Söder (CSU) treffen. Denn mit sieben Parteien im Parlament hätte er laut Bayerntrend nicht mal mit den Freien Wählern eine Regierungsmehrheit. „Ich bin überzeugt, dass es die CSU mehr ärgern würde, wen wir in den Landtag kommen, als wenn es die AfD schafft“, sagt auch Wagenknecht.

Noch sind es vier Wochen bis zur Wahl und aus fünf Prozent können schnell 4,9 werden. Aber die Hoffnung der Linken aufs Maximilianeum ist groß. Gohlke sagt: „Es ist greifbar.“ Marcus Mäckler

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