WITWE DES VERSTORBENEN ALTBUNDESKANZLERS UNTERLIEGT VOR DEM OBERLANDESGERICHT KÖLN – VERURTEILTER GHOSTWRITER HERIBERT SCHWAN ERLEICHTERT

Maike Kohl-Richter und die verlorene Millionen-Frage

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Maike Kohl-Richter kriegt kein Geld von Heribert Schwan. DPA

Köln/München – Es geht um die hübsche Summe von einer Million Euro – also kann man auch mal grundsätzlich werden.

Dienstag, Köln, das schmucke Oberlandesgericht unweit des Rheins. Hier endet an diesem Tag wohl der Kampf von Maike Kohl-Richter, der Witwe des vergangenes Jahr verstorbenen Altbundeskanzlers Helmut Kohl.

Die 54-Jährige hatte ein ungewöhnliches Ziel. Im vergangenen Jahr, kurz vor seinem Tod, hatte ihr Mann eine saftige Entschädigung zugesprochen bekommen. Zu zahlen vom Journalisten Heribert Schwan, weil der entgegen anderslautender Absprachen etliche Passagen aus stundenlangen Interviews mit Kohl veröffentlicht hatte.

Weil Kohl aber bekanntlich inzwischen im Adenauerpark zu Speyer begraben ist und das Urteil nie rechtskräftig wurde, hatte das Gericht in Köln eine sehr grundsätzliche Frage zu klären. Nämlich: Kann man den Anspruch auf eine Entschädigungszahlung erben?

Die Antwort von Richterin Margarete Reske dürfte Kohl-Richter, die nicht persönlich zur Urteilsverkündung erschienen war, alles andere als erfreuen. Die Millionen-Entschädigung ist mit Kohls Tod erloschen, urteilt Reske. Das Geld habe dazu beitragen sollen, ihm für die Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte Genugtuung zu verschaffen. Das aber sei nur bei einem Lebenden möglich.

Und wo es eine Verliererin (Kohl-Richter) gibt, grinst meistens auch irgendwo ein Gewinner. In diesem Fall ist das Ghostwriter Schwan, der sich zu Kohls Lebzeiten etliche Justiz-Schlachten mit dem ihm einst freundschaftlich verbundenen Altzkanzler geliefert hat. Schwan kommentiert das Urteil am Dienstag wie folgt: „Die gierige Kohl-Witwe kriegt keinen Cent. Das ist doch schon mal eine gute Nachricht.“

Diese provokante Reaktion ist bemerkenswert – besonders angesichts der Tatsache, dass die Richterin Schwan in ihrer Begründung abermals deutlich die Leviten gelesen hat. Nahezu zwei Stunden lang listet Reske „Fehlzitate“ und „grobe Verletzungen der journalistischen Sorgfaltspflicht“ auf. Sie erläutert dies anhand von mehreren Beispielen. So enthielt Schwans 2014 erschienenes Buch eine abfällige Bemerkung Kohls über Prinzessin Diana. Lese man aber das Gesprächsprotokoll nach, erfahre man, dass Schwan Kohl gefragt habe, ob er denn auch mal Diana kennengelernt habe, woraufhin dieser geantwortet habe: „Natürlich. Aber darüber schreiben wir nichts.“

Nun also bleibt die laut dem Nachrichtenportal Spiegel Online „höchste Entschädigung der deutschen Rechtsgeschichte“ eine nie überwiesene Millionen-Summe. Denn ob Kohl-Richters noch am Dienstag angekündigte Revision vor dem Bundesgerichtshof Erfolg hat, ist ziemlich fraglich. Die Richter dort werden den Fall aller Voraussicht nach nur auf Verfahrensfehler prüfen – und nicht erneut inhaltlich aufrollen.

Seit Jahren steht Maike Kohl-Richter regelmäßig in den Schlagzeilen. Ihr erbitterter Streit mit Kohls Söhnen Walter und Peter ist fast schon legendär. Zuletzt hatte Kohl-Richter in der Diskussion um den politischen Nachlass des Altkanzlers überraschend erklärt, über keine Regierungsdokumente aus seiner Amtszeit zu verfügen. Das Bundesarchiv würde die Akten nach eigenen Angaben gerne verwahren – Ausgang offen.  mfh/dpa

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