Die Macht der Bilder

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Was nun, Flüchtlings-Kanzlerin? Mag OB Reiter noch so bewegt von der Münchner Willkommenskultur schwärmen, mögen die Bürger am Bahnsteig Beifall klatschen und die internationalen Medien Deutschland bejubeln: Bei 20 000 eintreffenden Flüchtlingen – an einem Wochenende!

– ist nun selbst der Kanzlerin blümerant geworden. Plötzlich geht also, was die Flüchtlingslobby und ihre politischen Verbündeten bisher als Akt tiefster Unmenschlichkeit verteufelten: Statt Bargeld sollen Migranten jetzt Sachleistungen erhalten, und Albanien, das Kosovo und Montenegro werden als sichere Herkunftsstaaten eingestuft. So hofft die Regierung, den sich stetig verstärkenden Zustrom eindämmen zu können.

Nur: Das alles kommt zu spät. Tausendmal stärker als die auf dem Koalitionsgipfel ersonnenen Verwaltungssignale ist die Macht der Bilder. Sie sind, vom Senegal bis Pakistan, nun in den Köpfen: Fröhliche Bilder, schöne Bilder von erschöpften, aber glücklichen Menschen, die in München begeistert willkommen geheißen werden, entfalten in den Flüchtlingscamps Afrikas und des Nahen Ostens ihre ganz eigene, unwiderstehliche Magie. Die Zahl der Neuankömmlinge aus Richtung Serbien hat sich seit dem Wochenende nochmal verdoppelt; 4000 treffen derzeit täglich in Ungarn ein. Die Welt umarmt Deutschland. So fest, dass ihm fast die Luft wegbleibt.

Jetzt muss die Kanzlerin zeigen, ob die Welt sie zu Recht feiert. Die Gewährung großzügiger Sozialleistungen und die Öffnung der deutschen Grenzen für die Mühseligen und Beladenen war leicht. Die Bewältigung der daraus resultierenden Sog- und Folgewirkungen aber wird Regierungskunst erfordern. Wie will Merkel den Zustrom steuern? Wie die eigene Bevölkerung und Europa mitnehmen? So simpel, wie sich das Linken-Chef Gysi vorstellt – einfach den Aufbau-Ost-Soli zum Flüchtlings-Soli umwidmen und die Steuerzahler um die versprochene Entlastung prellen –, wird es nicht gehen. Und auch der Plan von Vizekanzler Gabriel, unwillige EU-Partner wie Ungarn mit saftigen Geldstrafen auf (deutschen) Kurs zu bringen, wird Europa nicht befrieden, sondern vergiften. Die Flüchtlings-Kanzlerin wird sich schon andere Antworten einfallen lassen müssen. Ohne Fleiß kein (Nobel-)Preis.

Georg Anastasiadis

Sie erreichen den Autor unter

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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