Der letzte Auftritt des Paradiesvogels

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Abrechnung: Gabriele Pauli schreibt ein Buch, die SPD stellt es vor – Attacke gegen „Bauern-Macho Aiwanger“ München – Sie war die schillernde Landrätin in Latex-Handschuhen, die Stoiber-Bekämpferin und kurze Zeit Star der Freien Wähler.

Gabriele Pauli hat Höhenflüge erlebt und ist tief gestürzt. Jetzt geht ihre politische Karriere zu Ende. Zum Abschied hat die einstige CSU-Rebellin ein Buch verfasst: Es ist vor allem eine Abrechnung mit FW-Chef Hubert Aiwanger. Vorgestellt wird es am Donnerstag ausgerechnet von dem Mann, dessen Partei nach der Landtagswahl mit Aiwanger koalieren will: SPD-Fraktionsvorsitzender Markus Rinderspacher.

Noch ist „Die rote Rebellin“ unter Verschluss. Im Internet finden sich pikante Schnipsel – die beschreiben Aiwanger wenig schmeichelhaft: Der Niederbayer habe mit seiner „One-Man-Show“ die „schöne Idee der Freien Wähler“ verraten, so Pauli. Ein „Meister der Intrige“ sei er, „bäuerlich geprägter Macho“, der ihren Parteiausschluss vorangetrieben habe.

Dabei hatte alles so gut angefangen. 2006 katapultierte ihre Kritik an Ministerpräsident Edmund Stoiber die damalige CSU-Landrätin auf alle Titelseiten. Zu einem „Sprachrohr des Volkes“ sei sie damals geworden, schreibt sie. Wenige Monate später trat Stoiber zurück. Pauli war Heldin und Hassfigur zugleich. „Ein Mann, der die Welt nicht mehr verstand“, schreibt sie heute über Stoiber.

Ihre zweite politische Heimat kommt auf den 256 Seiten ähnlich schlecht weg: Bei der Wahl des Bundespräsidenten 2009 wollte Aiwanger Horst Köhler, Pauli hingegen Wahlfreiheit – und verlor ihren Platz als Delegierte: „Wir Freien Wähler waren keine freien Denker mehr, sondern eine Gruppe von Konformisten, bei der ich der Paradiesvogel war“, schreibt sie.

Für sie habe damit das „Mobbing“ angefangen. An der Spitze ihrer Peiniger: Aiwanger. Wegen ihm habe sie die Freien Wähler verlassen müssen, so Pauli. Seine Begründung: Sie habe eine bundesweite Konkurrenzpartei gründen wollen, die „Freie Union“. Das sei eine „infame Lüge“ gewesen, kontert Pauli. Sie habe lediglich neue Freie Wähler auf Bundesebene gründen wollen.

Die Freie Union scheiterte eh, Pauli überwarf sich mit ihr. Seither sitzt sie fraktionslos in der letzten Reihe des Landtags, mangels Partei ohne jede Chance auf Wiederwahl. Vorträge will sie künftig halten, selbstständig tätig sein.

Im Parlament hat Pauli schon lange keinen guten Ruf mehr. Auch Aiwanger ist es leid, über sie zu sprechen. Warum gibt ihr dann ausgerechnet Oppositionsführer Rinderspacher die große Bühne, um „Die rote Rebellin“ vorzustellen? Es sei ein „Abschiedsgeschenk“, sagt er. Pauli habe ihn am Rande der Bayreuther Festspiele gefragt, ihr Buch zu rezensieren.

Nach CSU, FW und einem Kontaktversuch mit der FDP nun also ein Anbandeln mit der SPD? Nein, nein, winkt Rinderspacher ab. Eine „wie auch immer geartete Nähe“ zu Pauli sei „nicht gegeben“. Er werde am Donnerstag „charmant kritisch“ sein: „Man kann ihr durchaus vorhalten, dass sie ihre politische Ideen in Büchern vermarktet und das nicht im Landtag getan hat.“ Den großen politischen Wurf scheint Pauli ohnehin nicht gelandet zu haben. Der SPD-Politiker findet vieles „oberflächlich“. Stark sei das Buch da, „wo Frau Pauli ein Psychogramm von sich selbst zeichnet“. Sophie Anfang

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