Zertreten, beschmiert, beklebt

Zerstörungswut im Wahlkampf: Wer sind die Plakat-Vandalen?

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Im Oktober ist Landtagswahl in Bayern - die Plakate hängen schon jetzt überall in der Stadt. Viele davon wurden nun Opfer von Vandalismus.

München - Zertreten, beschmiert, beklebt, abgerissen, zerschnitten, aufgehängt: Münchner Plakat-Vandalen sind mitten im Landtagswahlkampf wieder aktiv, vielleicht sogar aktiver denn je. Alle Parteien sind betroffen, die einen weniger, die anderen mehr.

CSU-Wahlplakate werden derzeit wohl recht häufig zur Zielscheibe. „Wir haben in München bereits jetzt so viele Vandalismus-Fälle wie am Ende des Bundestagswahlkampfes“, sagt Parteimitglied Frank Gübner. Über hundert Fälle habe man schon registriert. Er stellt fest: „Die Brutalität nimmt seit Jahren deutlich zu.“

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„Vandalismus in Höchstform“

Gübner versteht es nicht. „Das ist Vandalismus in Höchstform!“, sagt er. Vor allem seien dort Wahlplakate betroffen, wo viele Menschen abends ausgehen. Alkohol spielt dabei sicherlich eine enthemmende Rolle. „Wir haben bereits über zwei dutzend Anzeigen gestellt. Auch die Polizei hat einige Personen in Flagranti erwischt“, sagt Gübner.

Bei den Plakaten der Münchner Grünen zeichnet sich ein Zerstörungs-Muster ab: „Sehr oft wird blaue Farbe verwendet“, sagt eine Mitarbeiterin. Häufig lese man dann auf den Grünen-Plakaten auch: „AfD 20%“. 30 bis 50 beschmierte Werbe-Ständer habe man bislang registriert und über zehn Anzeigen gegen Unbekannt gestellt. Man fühlt sich hilflos. „Wir müssen das hinnehmen. Schließlich kann man nicht jedes Plakat im Auge behalten“, sagt ein Sprecher der Münchner Grünen.


Schaden von 100 Euro pro Plakat

Auch die Freien Wähler (FW) beklagen zunehmenden Vandalismus gegen ihre Werbeplakate. Pro zerstörtem Exemplar rechnen die FW mit einem Schaden von etwa 100 Euro. Aber: „Es geht hier nicht nur um Geld, sondern um die Grundlagen der Demokratie. Wahlwerbung gehört nun einmal zu einer lebendigen Demokratie und muss im Öffentlichen Raum sichtbar stattfinden“, sagt Michael Piazolo, FW-Abgeordneter im bayerischen Landtag.


Wolfgang Heubisch (FDP) sieht das alles etwas lockerer, solange sich die Plakat-Wut gegen alle Parteien richtet und nicht speziell gegen eine. Er sieht ein anderes Problem. „Man kann mittlerweile schon von einem Plakatierungswahn sprechen“, sagt er, „vielleicht muss man darüber reden, dass nur noch zwei Monate vor der Wahl derart geworben werden darf, statt bisher drei Monate vorher.“ Etwa drei bis fünf Prozent seiner eigenen etwa 300 Plakate seien bisher verunstaltet worden.


Lediglich bei SPD-Werbung hält sich die Zerstörungswut offenbar in Grenzen. „Es ist nicht schlimmer als in den vergangenen Jahren. Wir haben bislang eine Hand voll Anzeigen gestellt“, sagt SPD-Sprecher Arno Laxy. Beim zurückliegenden Bundestagswahlkampf gab es wohl ein Muster. „Da hatten wir ständig Aufkleber der Identitären auf unseren Bannern.“

H. Ince

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