Labour-Chef laufen die Schatten-Minister davon

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Jeremy Corbyn

Fraktion berät über Misstrauensantrag gegen Corbyn – Kampf um Nachfolge Camerons bei Tories. London – Nach dem Votum der Briten für einen EU-Ausstieg steckt das Land in einer tiefen politischen Krise.

Sowohl die Konservativen als auch die Labour-Partei tragen ihren Führungsstreit offen aus. Schotten und Nordiren rufen zur Abspaltung auf und die EU mahnt zur Eile. Ein Überblick über die Problem-Baustellen Großbritanniens:

Tories: Seit der konservative Premier David Cameron seinen Rücktritt angekündigt hat, tobt ein Kampf um seine Nachfolge. Als aussichtsreichste Kandidaten gelten Brexit-Wortführer Boris Johnson und Innenministerin Theresa May. Johnson werden die besten Chancen eingeräumt, auch wenn er erbitterte Feinde in der Tory-Fraktion hat. May könnte als Kompromisskandidatin gelten. Nach Parteiangaben von gestern soll die Nachfolge bis 2. September geregelt werden.

Labour: Labour-Chef Jeremy Corbyn laufen nach dem Rauswurf seines schärfsten Kritikers Hilary Benn die Mitglieder seines Schattenkabinetts in Scharen davon. Mehr als die Hälfte seines Wahlkampfteams trat bereits zurück. Sie werfen Corbyn vor, nur halbherzig gegen einen EU-Austritt geworben zu haben, und stellen seine Führungsqualitäten in Frage. Dahinter steckt auch die Befürchtung, es könne bald zu Neuwahlen kommen. Zahlreiche Abgeordnete riefen Corbyn gestern Abend bei einer Fraktionssitzung zum Rücktritt auf. Die Stimmung sei „feindselig“ gewesen, hieß es. Heute steht ein Misstrauensvotum gegen Corbyn an.

Die Schottland-Frage: Seit dem Brexit-Votum liegt die Frage nach der schottischen Unabhängigkeit wieder auf dem Tisch. Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon kündigte in Edinburgh an, Vorbereitungen für ein zweites Unabhängigkeitsreferendum einzuleiten. Boris Johnson deutete jedoch bereits an, dass er als Premierminister da nicht mitspielen würde: „Wir hatten ein Schottland-Referendum 2014, und ich sehe keinen echten Appetit auf ein weiteres in der nahen Zukunft“, schrieb Johnson im „Daily Telegraph“. Auch Premierminister Cameron erteilte einem erneuten Schottland-Referendum eine Absage.

Irland und Nordirland: In beiden Teilen der Insel herrscht Sorge, der Brexit könnte dazu führen, dass wieder Grenzkontrollen eingeführt werden und der Friedensprozess gestört wird. Irlands Ministerpräsident Enda Kenny versicherte, seine Regierung arbeite eng mit Belfast und London zusammen, um die Grenzen offenzuhalten. Ähnlich wie in Schottland stimmte auch in Nordirland eine Mehrheit der Wähler gegen den Austritt des Königreichs aus der EU. Die nordirische nationalistische Partei Sinn Fein forderte bereits eine Abstimmung über eine Wiedervereinigung Irlands und Nordirlands.

Run auf Pässe: Das Brexit-Votum hat in Großbritannien zu einem steilen Anstieg von Anträgen auf einen irischen Pass geführt. Laut Behörde gibt es besonders in Nordirland eine „ungewöhnlich hohe Zahl von Antragstellern“. Diese wollten damit nach Großbritanniens Austritt aus der EU sicherstellen, als Iren weiter EU-Bürger bleiben zu können. Alle vor dem 1. Januar 2005 in der britischen Provinz Nordirland Geborenen haben Anrecht auf die irische Staatsbürgerschaft. Das gilt auch für alle, deren Eltern in Irland geboren wurden oder die einen Elternteil haben, der zum Zeitpunkt ihrer Geburt die irische Nationalität hatte.

Zurück zur Übersicht: Politik

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare