KURIOSE FÄLLE RUND UM LÄRM

Kuriose Fälle rund um LÄrm Der Rottacher „Gockel-Erlass“

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Kann den Muhen Sünde sein? Kuh auf der Weide.

Der Rottacher „Gockel-Erlass“. Kurgäste und Zugezogene lieben den Tegernsee, das war früher schon so.

Trotzdem hat es 1983 den berühmten „Gockel-Erlass“ gebraucht. Beim damaligen Bürgermeister beschwerten sich nämlich ständig Neubürger über den Lärm und die Landwirtschaft im Ort – die Schellen des Weideviehs, Gockelkrähen, Gülle-Geruch. Also dachte der sich etwas aus. Für ein neues Baugebiet gleich neben einem alteingesessenen Hof ließ er eine Vereinbarung austüfteln. Wer Bauland kaufte, musste zustimmen, „Einwirkungen durch den Landwirtschaftsbetrieb wie Geräusche und Gerüche“ zu dulden. Inzwischen stehen auf dem Baugebiet acht Doppelhaushälften und 18 Einfamilienhäuser – Klagen wegen zu lautem Gockelgeschrei gab es bislang nicht.

„Sei still, Rindvieh!“ Ärger in Schlehdorf

Es ist etwa fünf Jahre her, da erreichte ein wütender Brief die Gemeinde Schlehdorf im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Eine Bürgerin beschwerte sich über die Rinderherde, die 150 Meter von ihrem Haus entfernt weidete – und „unerträglichen Krach“ mache. So seien die Viecher erst neulich wieder „über sechs Stunden lautstark brüllend am oberen Weiderost gestanden“. Die Gemeinde müsse für Ruhe sorgen, forderte die Frau, die fünf Jahre zuvor hergezogen war. Sie störte zudem, dass es keinen dauerhaften Hirten für die Herde gab. Der Gemeinderat hielt das für übertrieben – außerdem sah man sich nicht gezwungen, irgendetwas zu unternehmen. „Eine Ruhestörung durch Weidebetrieb gibt es rechtlich nicht – nur durch Maschinen“, erklärte der Bürgermeister. Man beschloss, der Dame mit den empfindlichen Ohren zu erklären, wie der Weidebetrieb läuft.

„Glocken sind gegen das Grundgesetz“

Ein Anwohner im Gilchinger Ortsteil Argelsried störte sich an den Glocken der Kirche St. Nikolaus, die etwa 100 Meter neben seinem Haus steht. 2014 kam es zum Rechtsstreit. Denn die Pfarrei hatte zwar um des lieben Friedens Willen zahlreiches Gebetgeläut abgeschafft, auch nachts schwiegen deshalb die Glocken. Doch das reichte dem Systemanalytiker, der 2002 in das Dorf im Landkreis Starnberg gezogen war, nicht. „Ich werde dazu gezwungen, an einer religösen Übung teilzunehmen“, begründete er seine Klage gegen die Pfarrgemeinde. Das verstoße gegen das Grundgesetz. Gegen Lärm oder Glauben an sich habe er nichts. Letzterer sei aber eine private Sache – keine öffentliche. Die Klage wurde abgewiesen.  caz

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