KONSERVATIVES BÜNDNIS WILL BAYERISCHE RICHTLINIEN ZUR SEXUALERZIEHUNG STOPPEN – FELDZUG GEGEN HOMO- ODER BISEXUALITÄT

Der Kultusminister in der Gender-Falle

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Wann unterschreibt er? Kultusminister Ludwig Spaenle. schlaf

München – Geschlechterkämpfe in der Schulpolitik kannte man bisher nur aus Baden-Württemberg – dort erregte ein noch von Grün-Rot angestoßener progressiver Bildungsplan für Sexualerziehung im Frühjahr Anstoß.

Er trieb konservativ gesinnte Bürger zu Tausenden auf die Straße. Speerspitze der Bewegung gegen die angegbliche „Frühsexualisierung“ oder gar „Verschwulung“ der Kinder ist das Aktionsbündnis „Demo für alle“ – das nun Bayern als neues Aktionsfeld entdeckt hat. Am Montag trafen sich mehrere Vertreter, darunter die aus Talkshows bekannte Publizistin Birgit Kelle, bei Wasser und Kaffee mit Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU).

Anlass des Treffens: Auch in Bayern soll der Sexualkundeunterricht an den Schulen modernisiert werden. Die alten Richtlinien stammen aus dem Jahr 2002 und sind auch nach Meinung des zuständigen Referenten im Ministerium „angejahrt“, wie er bei einer Landtags-Anhörung im März erklärte. Dabei geht es sowohl um die Neuformulierung von „humanbiologischen Sachverhalten“ als auch um eine neue Offenheit gegenüber anderen sexuellen Lebensformen, etwa Homo- oder Bisexualität.

Das Bündnis „Demo für alle“ (Motto: Ehe und Familie vor) entdeckte in den Richtlinien allerhand Anzügliches. Die Zielrichtung ist klar: Kelle und ihre Mitstreiter wittern Hochverrat gegenüber der traditionellen Familie und stören sich an einer angeblichen Gleichstellung anders gelebter Sexualität. So heißt es in dem Richtlinienentwurf, der unserer Zeitung vorliegt: „Die Vielfalt der Lebensformen und die Themen Hetero-, Homo-, Bi-, Trans- und Intersexualität werden dabei vorurteilsfrei von der Lehrkraft angesprochen.“ Am besten solle dieser Absatz ganz gestrichen werden, meint „Demo für alle“.

Auch die eher unverfängliche Formulierung, Schüler sollten „Toleranz und Akzeptanz“ gegenüber allen Menschen ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung zeigen, ist den Kämpfern gegen die angebliche „Gender-Ideologie“ zu viel. Das Wort „Akzeptanz“ müsse wegfallen, fordern die Aktivisten. Selbst Zehntklässlern wollen sie vor zu viel Offenheit bewahren – eine Formulierung, dass Sexualität Quelle „von Vitalität und Kraft im Lebensverlauf“ sein könne, klinge hedonistisch. Weg damit also.

Ob der Kultusminister den Einflüsterungen des Bündnisses erliegt, bleibt vorerst sein Geheimnis. Er verstehe die Aufregung nicht, sagte Spaenle unserer Zeitung, nachdem SPD und Grüne das Treffen „mit homophoben Extremisten“ (so die SPD-Landtagsabgeordnete Isabell Zacharias) aufgedeckt und skandalisiert hatten. Die Behauptung von „Demo für alle“, er habe bei dem Treffen zugesagt, die Richtlinien zurückzuziehen, dementierte er jedoch. Er habe außerdem auch mit vielen anderen Organisatoren gesprochen, etwa den Kirchen. Die Richtlinien werde er „zu gegebener Zeit“ durch seine Unterschrift in Kraft setzen.

Auf einen genauen Zeitpunkt will sich Ludwig Spaenle jedoch nicht festlegen, auch nicht, ob es noch mal Änderungen des Entwurfs geben wird. Das wiederum wundert den SPD-Bildungspolitiker Martin Güll. „Die Richtlinien sollten doch mit diesem Schuljahr gelten. Ich bin überrascht, dass dem nicht so ist.“ dirk Walter

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