Kulturwandel?

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Deutsche Bank feuert ihren Chefaufklärer. Die Deutsche Bank kommt nicht zur Ruhe.

Spektakulär genug, dass der skandalgeplagte Konzern seinen Chefaufklärer feuert. Dass er es auch noch mit der Begründung tut, der eigens für die Aufarbeitung früherer Missetaten engagierte Aufsichtsrat Georg Thoma sei „übereifrig“ gewesen, nährt die Befürchtung, dass der selbstverordnete „Kulturwandel“ vor allem eine gute Show für die alarmierte Öffentlichkeit war. Mit der Berufung eines der renommiertesten Wirtschaftsanwälte Deutschlands wollte das Geldhaus die Politik und – noch wichtiger – einflussreiche Investoren beruhigen. Doch offenbar ist man jetzt mächtig erschrocken, dass Thoma mehr Aktivitäten entfaltete als erwartet. Zu Recht äußern sich Aktionärsvertreter irritiert.

Die Entlassung des „Integritätsbeauftragten“ ist ja nur der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, in deren Verlauf die Deutsche Bank zuletzt vier Manager verlor, die für die Einhaltung von ethischen Standards und Regeln sauberer Unternehmensführung in der Bank sorgen sollten. Die Vorgänge werfen die Frage auf, wie entschlossen der neue starke Mann der Deutschen Bank, John Cryan, sein von Affären, Razzien und Rechtsstreitigkeiten gebeuteltes Haus wieder auf den Weg der Seriosität zurückführt. Kein gutes Licht wirft der Fall auch auf Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Thoma galt als sein Mann. Sollte dessen nicht zu bremsender Aufklärungseifer auch für ihn persönlich am Ende unangenehm geworden sein?

Georg Anastasiadis

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