Kommunalwahl 2020

Landratswahl Rosenheim: Sepp Hofer (Freie Wähler) will Klinikstandorte langfristig sichern

Sepp Hofer

Die Kommunalwahl am 15. März rückt näher. Die OVB-Heimatzeitungen haben die Rosenheimer Landratskandidaten mit Themen wie Brenner-Basistunnel, Klimawandel, Heimat, Nachhaltigkeit und Wohnungsnot konfrontiert. Zum Abschluss nimmt Sepp Hofer Stellung zu einem Thema, das ihm besonders am Herzen liegt.

Herzensanliegen von Sepp Hofer: Alle Krankenhausstandorte im Landkreis sichern

Bereits 2013 beschlossen der Landkreis Rosenheim und der Bezirk Oberbayern, gemeinsam ein Krankenhaus für Somatik und Psychiatrie zu bauen. Seit gut zwei Jahren wird nun gebaut. Als Kreis- und Bezirksrat darf ich dieses Vorhaben von Beginn an begleiten und freue mich immer, wenn ich nach Wasserburg komme und die Baufortschritte sehe.

Mit diesem Gemeinschaftsbau macht der Landkreis einen entscheidenden Schritt zum Erhalt eines vierten kommunalen Krankenhauses. Kleine kommunale Krankenhäuser wie in Wasserburg sind heute oft zum Schließen verurteilt, da sie vor lauter Einsparungen im Gesundheitswesen nicht mehr kostendeckend arbeiten können.

Unser großer Landkreis braucht alle vier Standorte der Romed-Kliniken: Wasserburg, Rosenheim, Prien und Bad Aibling. Nur so ist gewährleistet, dass die Bevölkerung rund um die Uhr mit höchster medizinischer Qualität versorgt wird. Dass es weiter vier Standorte gibt, ist im Hinblick auf wachsende Bevölkerungszahlen und die immer älter werdenden Bürgerinnen und Bürger in Stadt und Landkreis Rosenheim wichtig.

+++ Hier finden Sie eine Übersicht aller Landratskandidaten im Kreis Rosenheim.
Hier finden Sie am Wahlabend, 15. März, das Ergebnis der Landrats- und Kreistagswahl. +++

Das bedeutet "Heimat" für den Landratskandidaten der Freien Wähler

Unsere einzigartige Gegend hat viel zu bieten: Schlösser, Seen, vielseitige Kulturangebote, die Nähe zu München und Salzburg, die Holzstadt Rosenheim, die heimische Landwirtschaft und so fort. Vermutlich würden 90 Prozent der Menschheit gerne mit uns tauschen, geografisch und wirtschaftlich.

Aber wir müssen unsere Region weiter entwickeln, jungen Handwerkern und Dienstleistern bei der Existenzgründung zur Seite stehen, jungen Familien Bauland oder Wohnungen anbieten und unseren Bauernstand schätzen. Schließlich sind es die Bauern, die uns versorgen und unsere wunderbare Landschaft bewirtschaften und pflegen. Berufspendler, die täglich Stunden unterwegs sind, haben am Abend nicht mehr die Zeit und Energie, sich im Ort zu engagieren.

Sie fehlen aber im kulturellen Leben und bei ehrenamtliche Aufgaben, etwa den Rettungskräften oder Feuerwehrleute. Auf dem Energiesektor sollten wir mehr auf die Wertschöpfung vor Ort setzen: Heizanlagen mit Kraft-/Wärmekopplung, gespeist von Hackschnitzeln aus unseren heimischen Wäldern und Abfallholz aus der Holzfertigung.

Bezahlbarer Wohnraum? Das sind die Ideen von Sepp Hofer

Im Kreis Bad Tölz gab es 2019 eine Veranstaltung zum Thema „Genossenschaftliches Bauen“. Der dortige Landrat lud Bürgermeister und Vertreter von Kommunen ein. Wohnbaugenossenschaften und Gesellschaften präsentierten ihre Konzepte. So mancher interessierte Bürgermeister einer kleinen Kommune, der keine eigene Wohnbaugesellschaft gründen kann, bot Grundstücke aus seiner Kommune zur Bebauung an.

Viele Bauernhöfe, im Innen- wie im Außenbereich, werden nicht mehr bewirtschaftet. Auch hier könnte Wohnraum geschaffen werden. Aufgabe unserer landkreiseigenen Wohnbaugesellschaft wäre es, mit Eigentümern der betreffenden Liegenschaften in Verhandlung zu treten und solche Vorhaben abzuwickeln. In einem Ort im Nachbarlandkreis Traunstein bietet ein Bürgermeister älteren Hausbesitzern, die sich gesundheitsbedingt schwer tun, ihre Häuser und Gärten alleine zu versorgen, Wohnungen und sogar ein betreutes Wohnen an, wenn sie möchten. So werden Häuser mit Garten frei für Familien mit Kindern und nicht noch mehr neue Flächen versiegelt.

Das sagt der Kandidat der Freien Wähler zum Thema Klimaschutz

Als Landrat würde ich die dezentrale Energieerzeugung aus Biomasse fördern. Sowohl beim Einsatz von Hackschnitzeln und Pellets, als auch bei der Stromerzeugung aus Biomasse und Gülle sind noch erhebliche Potenziale vorhanden.

Muss Strom über große Entfernungen befördert werden, gehen allein beim Transport schon bis zu 15 Prozent an Energie verloren! Besonders die großen Mengen an Rindergülle (unser Landkreis ist der zweitstärkste Milchviehstandort Bayerns) müssen vermehrt in Kleinbiogasanlagen CO2-neutral zu Wärme und Strom vergärt werden. Jede Anlage würde wieder Strom für rund 130 Vier-Personen-Haushalte erzeugen und den Landwirten eine zusätzliche Chance zum Erhalt ihrer Höfe ermöglichen.

Da die bürokratischen Hürden für den Bau solcher Kleinbiogasanlagen aber relativ hoch sind, würde ich als Landrat flankierend eingreifen. Gemeinsam mit den Stadtwerken Rosenheim, die im Bereich erneuerbare Energien bundesweit an der Spitze stehen, könnte man regionale Energiekonzepte entwickeln, um die klimafreundliche Energieversorgung im Landkreis zu fördern.

Sepp Hofer über das Thema Öffentlicher Nahverkehr

Noch im letzten Jahr hat der Kreistag in seinem Haushalt für 2020 weitere zwei Millionen Euro für den ÖPNV bereitgestellt. Diese Mittel müssen nun gezielt, effektiv und für die tatsächlichen Notwendigkeiten eingesetzt werden. Dafür brauchen wir im Landratsamt ein modernes Verkehrsmanagement, das Stadt, Land und die umliegenden Landkreise miteinander verbindet und alle Verkehrsmittel einbindet: Bus, Bahn, Sammeltaxis, Ruf-Busse, Radverkehr.

Auch künftige Verkehrssysteme, wie wir sie bereits in anderen Ländern sehen, werden eine Rolle spielen. Ich denke dabei an My Car, Car To Go oder auch an das autonome Fahren. Unser Ziel für die Zukunft muss sein, Blechlawinen, Stau im Berufsverkehr und Smog-Alarm in den Innenstädten zu vermeiden und Menschen für öffentliche Verkehrsmittel zu begeistern.

In städtischen Gegenden wäre ein 365 -Euro -Jahres-Ticket sicher ein Anreiz. Unser Landkreis besteht zu zwei Drittel aus ländlichem Gebiet, Dörfern mit weiter entfernten Weilern, wo die Bevölkerung auf das Auto angewiesen ist. Auch dies muss in Zukunft möglich bleiben!

Das sagt Sepp Hofer zum Thema Brenner-Nordzulauf

Minister Scheuer hat in Rosenheim von „irgendwann über 500 Zügen“ gesprochen. Folgende Fragen blieben offen: Wo führt man das zusätzliche Verkehrsaufkommen hinter Ostermünchen weiter? Wo werden die Züge in München weitergeführt/entladen? Warum werden nicht alternative Strecken ausgebaut, um den Bahnverkehr in Oberbayern generell zu verbessern?

Aus der Vogelperspektive betrachtet kommt Folgendes zur Entzerrung in Frage: Ertüchtigung der Strecke München-Mühldorf-Salzburg, der Strecke München-Garmisch-Innsbruck sowie Rosenheim-Mühldorf-Landshut-Regensburg.

Klar ist: Egal welche der fünf Varianten auch gebaut würde, jede spaltet unseren Landkreis. Wir hätten monströse, jahrzehntelange Baustellen mit viel Lärm, Verunreinigung und Verkehrschaos, was vielen der Befürworter vielleicht nicht bewusst ist.

Meine Forderung an die Bahn wäre, für die Bevölkerung ein 3D-Modell im Maßstab 1:5000 zu erstellen, damit allen erkennbar werden könnte, welche drastischen Eingriffe in unserem Landkreis geplant sind. Bestimmt würde da so manchem „ein Licht aufgehen“.

Steckbrief zum Landratskandidaten der Freien Wähler

Alter: 54.

Wohnort: Halfing,

Familienstand: ledig.

Beruf: Zimmermeister und Praktischer Betriebswirt

Hobbys: Bergwanderungen, Spaziergänge im Halfinger Moos, Theaterverein, Besuch von kulturellen Veranstaltungen

Politisches Motto: „Damit alles beim Alten bleibt, muss sich vieles verändern“ (Hubert Burda).

Was liegt mir besonders am Herzen? Das Patenprojekt „Jugend in Arbeit“, in dem ich seit zehn Jahren ehrenamtlicher Pate bin. Derzeit gibt es rund 200 Patenschaften im Kreis Rosenheim, bei denen sich Paten um Jugendliche aus Mittelschulen kümmern und sie unterstützen, den Schulabschluss zu schaffen und Praktikums- und Lehrstellen zu finden.

Greta Thunberg bewegt viele junge und ältere Menschen dazu, sich endlich um das schon so lange bekannte und erforschte Problem Klimawandel zu kümmern. Ob die Demonstrationen unbedingt an Freitagen, wo eigentlich Unterricht wäre, stattfinden müssen, überlege ich mir manchmal.

+++ Kommunalwahl 2020 in Bayern: Hier finden Sie alle Bürgermeisterkandidaten in den Gemeinden im Landkreis Rosenheim. +++

Als Landrat würde ich als erstes einen unabhängigen Pflegestützpunkt einrichten zur kompetenten Beratung der zunehmend älter werdenden Bevölkerung bei Hilfs- und Pflegebedürftigkeit.

Der Klimawandel ist mittlerweile für jeden Menschen beobachtbar. Deshalb wird endlich klarer, dass wir gegensteuern müssen, um ihn wenigstens abzumildern.

Was mir persönlich genau so große Sorgen bereitet, ist der immer mehr um sich greifende Digitalisierungswahn. Durch diese Entwicklung werden immer mehr Menschen, teilweise bewusst, teilweise ohne ihr Wissen, gläsern. Die Nachrichten, dass persönlichste Daten von Menschen (zum Beispiel Gesundheitsdaten) in falsche Hände geraten sind, mehren sich. Wir werden damit erpressbar, in unserer persönlichen Freiheit bedroht.

Mit Händen und Füßen würde ich mich als Landrat dagegen wehren, wenn unser Trinkwasser privatisiert werden sollte. Unsere Trinkwasserversorgung muss weiter von kommunalen Verbänden und Genossenschaften sichergestellt werden.

Mein Lieblingsplatz ist auf dem Gipfel vom Heuberg, von wo aus ich so gerne ins Inntal schaue.

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