Kommunalwahl 2020

Landratswahl Rosenheim: Rainer Auer (Parteifreie/ÜWG) will Begeisterung für Politik entfachen

Rainer Auer

Die Kommunalwahl am 15. März rückt näher. Die OVB-Heimatzeitungen haben die Rosenheimer Landratskandidaten mit Themen wie Brenner-Basistunnel, Klimawandel, Heimat, Nachhaltigkeit und Wohnungsnot konfrontiert. Zum Abschluss nimmt Rainer Auer Stellung zu einem Thema, das ihm besonders am Herzen liegt.

Herzensanliegen von Rainer Auer: Alleinregentschaft der CSU im Landkreis beenden

Als überzeugter Demokrat halte ich es für entscheidend, die Menschen im Landkreis für ihr Lebensumfeld zu interessieren und sie an der Entwicklung ihrer Umgebung zu beteiligen. Wir dürfen nicht zulassen, dass sich immer mehr Bürgerinnen und Bürger frustriert von der Politik abwenden und zunehmend Opfer populistischer Vereinfachungen werden.

Zu oft höre ich die resignierte Meinung, wichtige Entscheidungen würden bei uns immer von der gleichen einflussreichen Gruppe getroffen. Dem sollte auf demokratische Weise etwas entgegengesetzt werden.

Ich fürchte allerdings, dass wir diesem Ziel nicht näherkommen, wenn wir in Rosenheim aus den ununterbrochenen 72 Jahren CSU-Alleinregentschaft auf dem Stuhl des Landrats demnächst 78 Jahre machen.

Mein Ziel heute ähnelt daher dem Ziel, das ich vor zwölf Jahren hatte: Damals gelang es, das Rathaus in Stephanskirchen zu öffnen und das Amt des Bürgermeisters von jeglicher parteipolitischer Gängelung zu befreien.

+++ Hier finden Sie eine Übersicht aller Landratskandidaten im Kreis Rosenheim.
Hier finden Sie am Wahlabend, 15. März, das Ergebnis der Landrats- und Kreistagswahl. +++

Das bedeutet "Heimat" für den Landratskandidaten der Parteifreien/ÜWG

Die Bereiche Landwirtschaft, Gewerbe und Tourismus sind wichtige Faktoren in unserem Landkreis. Gleichzeitig stehen sie in unserer von Wachstum geprägten Region zunehmend in Konkurrenz zueinander.

Das Spannungsfeld zwischen dem Streben nach Wohlstand und dem drohenden Verlust unserer Identität und natürlichen Lebensraumes muss offen angesprochen werden.

Wir laufen derzeit Gefahr, dass die Begriffe Heimat und Nachhaltigkeit zunehmend zur folkloristischen Fassade verkommen. Wir müssen vermeiden, dass hinter dieser Fassade immer mehr Entscheidungen getroffen werden, die dem widersprechen, was die meisten Menschen im Landkreis Rosenheim unter ihrer Heimat verstehen.

Bezahlbarer Wohnraum? Das sind die Ideen von Rainer Auer

Auch wenn das Flächenmanagement mittels Bauleitplanung die Aufgabe der Gemeinden bleibt, obliegt es dem Landkreis Rosenheim, seinen Kommunen beratend zur Seite zu stehen. Gerade in baurechtlichen Fragen wurde das Landratsamt von vielen Kommunen in der Vergangenheit in erster Linie reglementierend und zu wenig als Unterstützer wahrgenommen.

Mit seiner Bau- und Umweltabteilung verfügt der Landkreis Rosenheim schon jetzt über die fachlichen und personellen Möglichkeiten, die heimischen Gemeinden hinsichtlich zeitgemäßer und weitblickender Lösungen zielführend zu unterstützen.

Moderne Instrumente wie die „Soziale Bodenordnung“ zur Gewinnung von bezahlbarem Wohnraum für die einheimische Bevölkerung oder auch Förderprogramme für den Wohnungsbau könnten in der Folge verstärkt angewendet werden und zum Erfolg führen.

Das sagt der Kandidat der Parteifreien/ÜWG zum Thema Klimaschutz

Neben der Optimierung des Verkehrs müssen wir nach weiteren energetischen Verbesserungen unserer Gebäude und Infrastruktur suchen und unser Konsumverhalten überdenken.

Die Weiterentwicklung unseres Lebensraumes mit dem Ziel echter Nachhaltigkeit darf nicht zur vorübergehenden Mode verkommen. Gemeinsam mit dem Institut für nachhaltige Energieversorgung an der Technischen Hochschule Rosenheim erarbeitet die Gemeinde Stephanskirchen derzeit Energiesparmaßnahmen im technischen Bereich und setzt bewusst auf die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Kommune.

Zwischen dem Landkreis und der Technischen Hochschule in Rosenheim sollten solche Kooperationen auch mit anderen wissenschaftlichen Bereichen beginnen. Ein stetiger Austausch und Wissenstransfer zwischen Kommunen und Hochschule ist von großer Wichtigkeit, um das gemeinsame Ziel „Lebensqualität ohne Raubbau“ auch erreichen zu können.

Rainer Auer über das Thema Öffentlicher Nahverkehr

Rosenheim und seine bevölkerungsreichen Nachbargemeinden leiden unter dem jahrelangen Bemühen der Stadt, sich durch das stetig ausgebaute Parkplatzangebot attraktiver für den Autoverkehr zu machen. Der Preis für diese Entwicklung besteht in zunehmenden Staus, schädlichen Emissionen und geringer Lebensqualität für die Anwohner.

Um diese Situation zu verbessern, muss vor allem den Alternativen Bus, Rad und Fußgängerverkehr mehr Raum gegeben werden. Unehrlichkeiten sind in Zeiten des Wahlkampfs leider verbreitet. Die Aussage, man könne die Situation im begrenzten urbanen Raum um Rosenheim verbessern, ohne den Autoverkehr zugunsten anderer Verkehrsmittel einzuschränken, ist eine solche Unehrlichkeit. Die kürzlich beschlossene Fortschreibung des Nahverkehrsplans zeigt, dass der Ausbau des ÖPNV mittlerweile als Ziel erkannt wurde.

Entscheidend wird es nun sein, die personelle Ausstattung im Landratsamt für den Bereich ÖPNV deutlich auszubauen, damit die politischen Versprechungen auch umgesetzt werden können.

Das sagt Rainer Auer zum Thema Brenner-Nordzulauf

Einen Brenner-Nordzulauf gibt es bereits und er könnte schon jetzt für wesentlich mehr Güterverkehr auf der Schiene genutzt werden. Derzeit nimmt der Schienengüterverkehr allerdings weiter ab. Daran wird auch die Fertigstellung des Brennerbasistunnels nichts ändern, wenn die Verkehrspolitik so bleibt, wie sie ist.

Leider lenken falsche politische Rahmenbedingungen den Gütertransport weiterhin per Lkw auf die Straße und zu allem Überfluss als Ausweichverkehr zu uns ins Inntal. Sollten die Kosten für den Lkw-Transitverkehr tatsächlich angehoben werden und der Schienengüterverkehr in der Folge erheblich zunehmen, wäre die Ertüchtigung und der abschnittsweise Ausbau des Bestands die schonendste Lösung für die Region. So bliebe die Anbindung Rosenheims erhalten, denn durch den bestandsnahen Ausbau erhielten die attraktiven Personenzüge gar nicht erst die Gelegenheit, die Stadt mit hoher Geschwindigkeit zu umfahren.

Unabhängig davon muss die Belastung an der Bestandstrasse bereits jetzt durch bauliche Maßnahmen verringert werden.

Der Steckbrief zum Landratskandidaten der Parteifreien/ÜWG

Alter: 54 Jahre.

Wohnort: Stephanskirchen.

Familienstand: verheiratet, zwei erwachsene Söhne.

Berufe: Konditor, Hauptschullehrer, Bürgermeister von Stephanskirchen.

Hobbys: Ausdauer- und Bergsport.

Lebensmotto: „Man sollte nicht sein Leben mit Tagen, sondern seine Tage mit Leben füllen.“

Was mir besonders am Herzen liegt: Demokratie heißt für mich, mitzubestimmen. Es ist allerdings zu wenig, den Menschen nur alle sechs Jahre durch einige Kreuze Einfluss einzuräumen. Dafür stehen wir vor zu wichtigen Entscheidungen, die wir offen und transparent treffen sollten. Zu Recht wird derzeit diskutiert, wie wir leben sollten, damit es auch noch für unsere Kinder und Enkel reicht. Wenn wir diese Frage ernst meinen, dürfen wir sie nicht nur auf den CO2-Ausstoß reduzieren.

Es geht um mehr. Auch um sozialen Frieden oder um globale Zusammenhänge. In Stephanskirchen haben wir gute Erfahrungen damit gemacht, möglichst umfangreich zu informieren und gleichzeitig Menschen an der weiteren Entwicklung zu beteiligen. Wir sollten ernsthaft über Möglichkeiten nachdenken, diesen Stil auch auf Landkreisebene zu pflegen.

+++ Kommunalwahl 2020 in Bayern: Hier finden Sie alle Bürgermeisterkandidaten in den Gemeinden im Landkreis Rosenheim. +++

Offene Beteiligungsprozesse sind manchmal aufwändiger, aber am Ende für viele Menschen bereichernd. Sie haben nur einen „Nachteil“: Das Süppchen der Populisten lässt sich auf einer Bürgerschaft, die sich ernstgenommen fühlt, nur schwer kochen.

Greta Thunberg weist auf ein Problem hin, dem wir uns ernsthaft stellen müssen.

Als Landrat würde ich als erstes innerhalb von drei Monaten alle Gemeinden des Landkreises besuchen, um deren Situation und dringlichsten Probleme zu erfahren.

Der Klimawandel ist ein Problem, dem man nicht wirkungsvoll begegnen kann, wenn man die Schuld dafür nur bei anderen sucht.

Mit Händen und Füßen würde ich mich als Landrat dagegen wehren, dass die Region weiterhin zum Magneten für überregionalen Verkehr verkommt.

Mein Lieblingsplatz ist der Gipfel des Traithen.

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