Kommunalwahl 2020

Landratswahl Mühldorf: Peter Corticelli (FDP) zum Thema Flüchtlinge und Integration

Peter Corticelli

Kommunalwahl 2020: Peter Corticell kandidiert als Landrat im Landkreis Mühldorf. Wie steht der Kandidat der FDP zum Thema Flüchtlinge und Integration? Dazu und zu anderen wichtigen Themen haben wir Peter Corticelli befragt.

Peter Corticelli zum Thema Flüchtlinge und Integration

Zunächst: Ich glaube, dass nur die allerwenigsten Menschen gerne ihre Heimat verlassen, wenn sie die Wahl haben. Wir sollten also zunächst alles daran setzen, dass die Fluchtgründe beseitigt werden. Das ist zum einen humanitäre Pflicht, zum anderen glaube ich daran, dass man Probleme immer am einfachsten an der Ursache löst.

Vielleicht können wir so langfristig Situationen wie 2014/2015 vermeiden, wir sollten aber trotzdem darauf vorbereitet sein, das damalig suboptimale Management nicht zu wiederholen. Von dieser Kritik möchte ich übrigens den aktuellen Landrat Georg Huber explizit ausnehmen: Der hat damals sein Herz in die Hand genommen und gehandelt. Überhaupt haben sich die Menschen im Landkreis damals großartig verhalten, und ich bin sehr stolz, dabei selbst im Kingdom-Parc ein bisschen mitgeholfen zu haben. Kriegsflüchtlingen müssen wir also vorübergehenden humanitären Schutz gewähren, egal, wie sie ins Land gelangt sind.

+++ Kommunalwahl 2020 in Bayern: Hier finden Sie alle Bürgermeisterkandidaten in den Gemeinden im Landkreis Mühldorf. Hier finden Sie am Wahlabend, 15. März 2020, das Ergebnis der Landratswahl und der Kreistagswahl im Kreis Mühldorf. +++

Weiterhin drängen wir auf eine Rückkehr zum Dublin-System, bis ein fairer europäischer Verteilungsschlüssel in Kraft tritt. Zudem müssen wir einen wirksamen Schutz der Außengrenzen schaffen, statt uns in die Abhängigkeit von der Türkei zu begeben. Seit Jahren fordern wir ein modernes Einwanderungsgesetz. Es hat den Zweck, dass wir nach objektiven Kriterien Menschen mit Bleibe- und Integrationsperspektive eine echte Chance auch dann bieten können, wenn sie nicht asylberechtigt sind.

Und schließlich: Wer hier im Landkreis lebt, muss auch gut integriert werden. Dazu müssen wir Geflüchtete vom ersten Tag an Sprachfertigkeiten vermitteln und vor allem schneller in Beschäftigung bringen, denn in der Arbeit werden Werte vermittelt, es ist sinnstiftend und produktiv. Und es baut Ängste in der Bevölkerung ab.

Klimaschutz – das sagt der Landratskandidat der FDP

Fangen wir beim Klimaschutz an. Ich bin davon überzeugt, dass Klimaschutz nicht nur notwendig ist, sondern auch davon, dass er machbar ist. Auch unsere Region ist mit chemischer Industrie und Anlagenbau vergleichsweise gut aufgestellt. Nur: wir dürfen diese Chancen nicht zerreden und durch einseitige Politik verbauen. Verbote sind Gift, ebenso einseitige Förderpolitik: wir werden auf dem Land auch noch in den nächsten 2 bis 30 Jahren Individualverkehr benötigen – und nicht jeder Verkehr lässt sich mit den teuren E-Autos bewältigen, die auch mit Strom versorgt werden müssen.

Eine gut verzahnte Mobilitätsstrategie, die den Wandel auch für die Bürger verkraftbar gestaltet, erfordert mehr als Dieselverbot und zwei Buslinien mehr am Tag. Uns Deutschen kommt da oft unser Perfektionismus in die Quere: statt Dinge einfach mal auszuprobieren, machen wir eine Wissenschaft draus, sammeln Fördergelder ein, beauftragen zwei unabhängige Unternehmensberatungen mit einem Machbarkeitskonzept, einem Umsetzungskonzept und einem Vermarktungskonzept, stellen eine tolle Homepage online – und wundern uns, warum die Bürger das teure und zweifellos gut gemeinte Angebot nicht annehmen.

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Und hier spannt sich der Bogen zur „Öko-Modellregion Mühldorfer Land“. Bei dieser unzweifelhaft ehrenwerten Initiative gewinnt man als Bürger den Eindruck, dass hier zwar viel gearbeitet, aber wenig erreicht wurde.

Das ist schade, denn gerade Konzepte wie Subsidiarität, regionale Wirtschaftskreisläufe und Eigenverantwortung bringen meine liberale Seele zum Strahlen. Ein Teil des Problems könnte in der Beschränkung auf „Bio“ und „Öko“ liegen: regionale Wertschöpfung ist auch dann klimaschonend, wenn konventionelle Erzeuger ihre Produkte direkt vermarkten können.

Peter Corticelli über die medizinische Versorgung in der Region

Zunächst zur hausärztlichen Versorgung in den Kommunen: viele Hausärzte gehen ohne Nachfolger in Rente – hier ist zu lange nichts passiert. Langfristig hilft eine gute Strukturpolitik: als Arzt siedle ich mich gerne dort an, wo ich einkaufen kann, wo meine Kinder eine tolle Kita oder Schule haben, wo das Vereinsleben vielfältig ist und wo ich gut hin- und wegkomme.

Die nun in einigen Kommunen angelaufenen Maßnahmen zur Gewinnung von jungen Ärzten sind gut und sinnvoll, wirken aber ein wenig hektisch und unkoordiniert. Als Landrat werde ich hier die Gemeinden unterstützen.

Synergie ist auch das Stichwort bei der Fusion der Kreiskliniken. Grundsätzlich halte ich die Fusion der Kreiskliniken für eine gute Entscheidung.

+++ Hier finden Sie am Wahlabend, 15. März 2020, das Ergebnis der Landratswahl und der Kreistagswahl im Kreis Mühldorf. +++

Jetzt gilt es, diese Fusion professionell zu managen. Ich habe den Eindruck, dass viel Luft nach oben da ist. Es gibt hier mehrere Aspekte. Zunächst: das übergeordnete Ziel muss zu jeder Zeit sein, das hohe Niveau der Patientenversorgung aufrechtzuerhalten oder sogar zu verbessern. Dazu ist es auch unerlässlich, dass die Kolleginnen und Kollegen in den Häusern mit Spaß und Freude ihren Beruf ausüben können, egal ob ärztliches Personal, in der Pflege oder der Verwaltung.

Das ist leider aktuell nicht überall der Fall. Hier muss schnell ein Dialog entstehen. Mitarbeiter müssen nicht nur transparenter informiert werden, sondern in die betreffende Entscheidungen aktiv eingebunden werden. Und schließlich müssen die Kliniken fit für die Zukunft gemacht werden. Haag ist hier meines Erachtens bereits auf einem guten Weg, mit der Spezialisierung auf Geriatrie und Schlafmedizin. Für Burghausen könnte ein ähnliches Profil gelingen. Die beiden Mutterhäuser müssen Doppelvorhaltungen reduzieren und sich bei elektiven Maßnahmen, also bei allem, was nicht akute Notfallmedizin ist absprechen.

ÖPNV und Elektromobilität – Die Ideen des FDP-Kandidaten

Die Bürger wollen flexibel und kostengünstig unterwegs sein. Das mit dem übergeordneten Ziel einer nachhaltigen Umwelt- und Klimaschutz zu verbinden, ist eine große Herausforderung – aber nicht unmöglich. Schauen wir uns den Bedarf der Menschen an: für Pendler ändert sich die Arbeitswelt durch Gleitzeit und Homeoffice. Aus persönlicher Erfahrung weiß ich, dass Pendeln nach München ohne feste Arbeitszeiten ein Graus ist, der auch durch einen massiv verstärkten Takt nicht viel besser wäre.

Übliche ÖPNV-Taktungen passen also nicht mehr optimal – zudem sind die Busse entweder zu voll oder zu leer – nicht sehr umweltfreundlich. Dann gibt es den täglichen Bedarf: Einkaufen, Arzt-, Bank- oder Behördenbesuche – hier bin ich verloren, wenn ich auf eine Busverbindung angewiesen bin.

Und schließlich gibt es Fahrten, die der Freizeitgestaltung dienen: Wie soll eine Familie mit drei Kindern, die in drei Vereinen aktiv sind, ihre Mobilität ohne Auto gestalten? Mehr Buslinien und einige Ladestationen sind hilfreich, zielen jedoch am Bedarf der Bürger vorbei.

Wir müssen hier größer – und vernetzter denken. Dabei helfen uns die Digitalisierung und das Ehrenamt: intelligent vernetzte Verkehrsmittel, also eigenes Auto, Carsharing, Rufbusse, Ruftaxis und natürlich auch Busse und Bahn sind aus einer App heraus für den Bürger verfügbar, der clevere Umgang mit Daten optimiert Wege sorgt für eine optimale Ausnutzung der einzelnen Verkehrsmittel.

Das kann man sich wie eine Mutter vorstellen, die dafür sorgt, dass ihre Kinder zum Fußballtraining oder in die Musikstunde kommen. Das Ehrenamt kann Starthilfe beim Aufbau und Betrieb eines Carsharing-Angebotes geben. Beim Aufbau dieses Netzwerkes können Landratsamt und Gemeinde unterstützen!

Steckbrief zum Landratskandidaten Peter Corticelli

Mühldorf – "Es gibt viele kleine und große Herausforderungen, die auf einen Landrat warten - und keine davon kann er alleine meistern. Daher möchte ich in erster Linie ein „Gesprächsermöglicher“ sein - wenn die Leute ernsthaft miteinander reden, ist das immer der erste Schritt zur Lösung. Inhaltlich habe ich drei Herzensthemen: Digitalisierung, Mobilität und Ehrenamt.

Zunächst gilt es, die Digitalisierung der Behörden und Schulen massiv voranzutreiben. Dabei darf der Blick nicht der Anschaffung von Technik und flächendeckendem Internet gelten – vielmehr muss verstärkt Know-How zum und Freude am Einsatz vermittelt werden. Digitalisierung ist oft von Ängsten begleitet – diese sensibel und optimistisch anzugehen und den Wandel zu moderieren ist Führungsaufgabe.

Dann ist da die Mobilität im Landkreis. Wir erleben einen radikalen Wandel: einerseits bieten Innovationen wie Homeoffice, Telepräsenz und autonome Verkehrssysteme große Chancen. Auf der anderen Seite zwingt uns der Klimawandel zum Überdenken der vorhandenen Verkehrskonzepte.

Angesichts dieser Herausforderungen ist es mit ein paar zusätzlichen Buslinien nicht getan – da müssen neue Konzepte zur intermodalen Vernetzung von Individualverkehr und ÖPNV her. Mit den ersten Maßnahmen zur Verbesserung des ÖPNV wurden zwar bereits erste Weichen gestellt, aber mir persönlich geht das viel zu pomadig.

Und schließlich wünsche ich mir mehr Unterstützung der ehrenamtlichen: bürgerliches Engagement in Vereinen und darüber hinaus ist eine wesentliche Säule unserer Gesellschaft."

Persönliches über Peter Corticelli

Alter: 49

Familienstand: verheiratet

Beruf: Produktmanager

Hobbys: Kochen, Heimwerken, Home-Automation

Fragen an den Landratskandidaten der FDP im Kreis Mühldorf

Wo befindet sich Ihr Lieblingsplatz in Ihrer Gemeinde? Warum haben Sie gerade diesen Ort ausgewählt?

Corticelli: Meine Terrasse. Hier habe ich einen Blick bis weit in die Alpen. Ich glaube, dass das auch den Geist weitet.

Wenn Sie 24 Stunden Zeit hätten, in denen Ihnen alle Möglichkeiten offen stünden: Was würde Sie tun?

Corticelli: Strauß soll gesagt haben: „Anarchie wäre schon gut - mit mir als starkem Anarchen!“

Wenn Sie die Wahl gewinnen, was werden Sie als Erstes tun?

Corticelli: Gesprächstermine mit allen Mitarbeitern, Bürgermeistern, Wirtschaftsvertretern, Vereinsvorständen und vielen, vielen Bürgern vereinbaren.

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