Michael Hetzl nach Stichwahl in Mühldorf im Interview

So geht es für den frischgebackenen Bürgermeister nun weiter

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  • Heinz Seutter
    vonHeinz Seutter
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Mühldorf am Inn - Mit nur 150 Stimmen Vorsprung beendete Michael Hetzl (Unabhängige Mühldorfer) am Sonntag bei der Stichwahl die Ära der SPD-Bürgermeister in Mühldorf am Inn vorerst. Im Interview mit innsalzach24.de zieht er ein Fazit der Wahl und spricht über seine Pläne.

Haben Sie Ihren Sieg noch etwas feiern können?

Wir haben im kleinen Familienkreis noch etwas gefeiert. Auf diesen historischen Sieg galt es anzustoßen!

Nun waren es aber doch nur 150 Stimmen Vorsprung, die Ihnen den Sieg beschieden haben. Wie werten Sie das?

Ja, es war ein sehr knappes Ergebnis. Da bin ich aber nicht allein, das ist vielerorts so ausgegangen. Ich sehe das jetzt als Herausforderung, mit solider Arbeit auch die mich nicht gewählt haben zu überzeugen.

Unter den Glückwunschbekundungen im Netz waren auch solche, die jubelten, nun würde endlich wieder jemand, der christlich-konservative Werte vertritt ins Rathaus einziehen. 

Ich bin bewusst einer unabhängigen Wählergemeinschaft beigetreten, um keinem Lager direkt anzugehören. Meine Amtszeit soll vor allem vom gesunden Menschenverstand geprägt sein. Mal mag das dann eine konservative, dann wieder eine progressive Ausprägung meiner Politik bedeuten.

Wie geht es jetzt weiter bis zur Amtseinführung?

Ab Donnerstag werde ich sehr viel am Telefon sein, um mich von den verschiedenen Fachleuten und Behördenleitern einarbeiten zu lassen. Enorm viel, um genau zu sein. Denn auf Grund der aktuellen Lage ist das die einzige Möglichkeit, um sich auszutauschen, obwohl ich eigentlich nur ein paar Meter vom Rathaus entfernt wohne. Aber ich bin da guter Dinge, da ich mich bisher noch in jedes Thema gut einarbeiten konnte. An dieser Stelle muss ich übrigens Frau Zollner sehr loben. Sie ist sehr um eine saubere Übergabe der Amtsgeschäfte bemüht und wir arbeiten da hervorragend zusammen. An ihr sieht man: Wahre Größe zeigt sich erst in der Niederlage.

Bürgermeister ist ein Vollzeit-Job. Was wird aus ihrem Unternehmen für Augenoptik, Hörgeräte, Uhren und Schmuck, hetzl & hirsch?

Das Geschäft wird von meinem Bruder und meiner Frau weitergeführt. Da sich beides nicht mit einander vereinen lässt, werde ich auch meinen Posten als Vorsitzender der "Aktionsgemeinschaft Mühldorf" abgeben. 

Was wollen Sie dann als Bürgermeister als erstes anpacken?

Das ist schwierig zu sagen in der aktuellen Situation. Aber es wird zweifelsohne vor allem die Bewältigung der Folgen der Corona-Krise sein.

Im Interview anlässlich Ihrer Kandidatur haben Sie ja ehrgeizige Ziele für die Zukunft benannt. Wie schaut es damit nun aus?

Meine Ziele sind per se immer noch die gleichen.Aber die Corona-Krise macht es schwierig, da Versprechungen oder konkrete Ansagen zu machen. Momentan hat einfach die Krisenbewältigung Priorität Nummer eins. Dann kommt aber gleich die konstruktive Neugestaltung Mühldorfs.

Wie sehen Sie als Unternehmer die Lage? 

Ich habe schon erste Gespräche geführt. Die großen Unternehmen der Stadt straucheln bisher noch nicht. Aber für die kleineren Betriebe wird es hart werden. Das wird zu Einbußen bei der Gewerbesteuer führen, die eine wichtige Einnahmequelle der Stadt darstellt. Als Unternehmer weiß ich: Man kann kein Geld ausgeben, das man vorher nicht verdient hat. Also werden wir teils umplanen müssen. Dabei will ich aber darauf achten, dass beispielsweise keine Bauprojekte wie neue Kindergärten dem Rotstift zum Opfer fallen!

hs

Quelle: rosenheim24.de

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