Kommunalwahl 2020

Bürgermeisterwahl: So sieht Matthias Kraft (Grüne) Mühldorf in 10 Jahren

Matthias Kraft

Dr. Matthias Kraft (Grüne) will Bürgermeister in Mühldorf werden. Sein wichtigstes Ziel: Eine Entwicklung der Stadt mit Bedacht.

So stellt sich der Kandidat der Grünen Mühldorf in 10 Jahren vor

Mühldorf liegt mit der Öffnung der A 94 verkehrstechnisch deutlich günstiger: Näher an München und auf einer ganz neuen Ost-West-Achse. Mit dem Ausbau der Bahnlinie wird sich dieser Trend nochmals verstärken. Der Wachstumsdruck wird also weiterhin steigen.

Wachstum ist aber nicht alternativlos. Die Stadt muss ihr Wachstum kontrollieren und zur Not auch reduzieren. Dazu gehört zunächst, dass ein weiterer Ausbau von Kapazitäten nicht zulasten des Charakters der Stadt gehen darf.

Die in jüngster Zeit entstandenen Wohngebiete sind kein Beispiel für gelungene Stadtentwicklung. Da gibt es deutlich bessere. Die Stadt kann und muss dies durch entsprechende Bebauungspläne steuern. Sie kann und muss auch dafür sorgen, dass alle sich den Wohnraum weiter leisten können. Der Verkauf städtischen Grundes muss entsprechend gesteuert werden.

Eine Grenze des Wachstums ist die Infrastruktur: Kindergärten, Schulen, Ausbildungsstätten, Arbeitsmöglichkeiten, Einkauf, Handwerk, Verkehr, Freizeit, soziale Versorgung. Alles muss mitwachsen. Die Brücken und die Durchgangsstraßen sind bereits jetzt zu Spitzenzeiten überlastet. Ein Umbau der Verkehrsinfrastruktur ist für weiteres Wachstum zwingend.

+++ Kommunalwahl 2020 in Bayern: Hier finden Sie alle Bürgermeisterkandidaten in den Gemeinden im Landkreis Mühldorf. Hier finden Sie am Wahlabend, 15. März 2020, das Wahlergebnis der Stadt Mühldorf. +++

Mit der Nähe zu München gibt es aber auch die Möglichkeit, Mühldorf zu einem Innovationsstandort zu entwickeln. Die Digitalbranche oder Umwelttechnologie sind Wachstumsmärkte. Die Ausbildung ist 2030 in diesen Bereichen ausgebaut und Unternehmen sind angesiedelt. Mühldorf ist 2030 Vorreiter in Umwelttechnologie und digitaler Kommunikation.

Auch der Pendelverkehr nach München wird für viele obsolet. In eigenen Büroräumen können Angestellte von auswärtigen Unternehmen mit optimaler digitaler Infrastruktur arbeiten, ohne die Stadt zu verlassen. So wird Mühldorf zum Lebensmittelpunkt vieler, die mal Münchener waren. Die Innenstadt wird auch für sie zum pulsierenden Herz einer sich verjüngenden aber charaktervollen Stadt.

Matthias Kraft über die Verkehrsbelastung in der Stadt

Der Individualverkehr belastet die Umwelt und insbesondere unsere Stadt. Hinzu kommt Schwerlastverkehr, der nicht immer nachvollziehbar auch durch die Innenstadt läuft. Aus Sicht der Umwelt, aber auch um unsere Stadt weiterhin attraktiv und lebenswert zu halten, muss der örtliche Individualverkehr auf das Notwendigste reduziert werden.

Alle Maßnahmen müssen planvoll erfolgen und ineinandergreifen. Es ist beispielsweise wenig sinnvoll eine Umgehung zu schaffen, die Navigationsgeräte den Verkehr aber weiterhin über die alte – kürzere – Route leiten. In diesem Sinne ist auch eine weitere Tangente zu planen, die die Stadt sicher benötigt.

Sie muss aber auch wirklich effizient den Durchgangsverkehr um die Stadt herumführen. Ein Schwerpunkt liegt auf einer deutlichen Verbesserung des ÖPNV. Selbst wenn ein Dieselbus nur vier Fahrgäste befördert und damit fast leer aussieht, ist er aus Sicht der Umwelt schon gleichauf mit vier allein fahrenden Pkws. Ziel muss es sein, dass jeder, der im Stadtbereich wohnt zu jeder Zeit zur Arbeit, zum Einkaufen und zur Freizeit mit dem ÖPNV fahren kann. Hier bedarf es flexibler und sicher auch kreativer Lösungen. Die aktuelle Planung bietet das nicht.

Wichtig ist die Einführung einer günstigen Jahreskarte, die für Kinder, Schüler, Rentner und Bedürftige kostenlos ist. Ideal wäre im Übrigen ein Tarifverbund im Landkreis oder für die Region Altötting-Mühldorf, der auch mit den Tarifen der Bahn gekoppelt wird. Darauf muss hingewirkt werden. Ganz hohe Priorität hat die Verbesserung der Situation für Fahrradfahrer und Fußgänger. Beides muss sicherer und attraktiver werden. Der aktuelle Zustand ist nicht akzeptabel.

Dazu gehört die zügige Beseitigung von Gefahrenstellen genauso wie der langfristige Ausbau des Radwegenetzes.

Fahrradfahren zur Schule, zu den Sportstätten aber auch zum Einkauf und zur Arbeitsstelle muss gleichwertiger Teil der Verkehrsplanung werden.

Steckbrief zum Bürgermeisterkandidaten Matthias Kraft

Mühldorf – "Mühldorf ist mit der Autobahn A 94 näher an München und der Welt. Mit der ausgebauten Bahn, die hoffentlich dann kommt, wird die Anbindung nochmals besser. Das ist gut so, aber es ist auch eine große Herausforderung. Die Entwicklung der Stadt muss mit Bedacht und im Einklang mit allen Bürgern geschehen. Wachstum um jeden Preis ist sicher nicht der Weg, wenn die Infrastruktur nicht mithält, die Mieten steigen und die Umwelt leidet. Ich möchte, dass wir erst einmal innehalten, um uns neu und nachhaltig auszurichten.

Wir müssen gemeinsam eine Richtung einschlagen, bei der die Umwelt und der Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen im Vordergrund stehen. Beispielsweise muss der Individualverkehr reduziert werden. ÖPNV und Fahrrad müssen Vorrang haben. Wer einmal versucht, ohne Auto klarzukommen, weiß wovon ich rede.

Ich wünsche mir einen Stadtplatz, auf dem die Menschen gerne verweilen und nicht nur kurz parken und gleich wieder weg sind. Ich werde mich für eine grünere Stadt einsetzen, in der Bäume und Grünflächen einen hohen Wert haben. Wir brauchen ein grünes Gewissen nicht nur einen grünen Anstrich.

Mühldorf kann und muss klimaneutral werden. Zum Beispiel ist jedes Dach, das die Sonne nicht nutzt, eine vergebene Chance. Ich möchte Mühldorf fit für einen digitale Zukunft machen. Das betrifft die Infrastruktur, die Verwaltung aber auch die Ausbildung und die Arbeitsplätze. Ein digitaler Arbeitsplatz kann überall sein. Das spart Zeit, bringt Lebensqualität und reduziert den Verkehr."

Persönliches über Martthias Kraft

Alter: 56

Familienstand: verheiratet, drei Kinder

Beruf: Rechtsanwalt und Mediator

Hobbys: Radfahren und Wandern mit der Familie, Webseiten bauen, Videos drehen

Fragen an den Bürgermeisterkandidaten der Grünen in Mühldorf

Wo befindet sich Ihr Lieblingsplatz in Ihrer Gemeinde? Warum haben Sie gerade diesen Ort ausgewählt?

Kraft: Gerne schlendere ich über den Stadtplatz, dann an der Innlände entlang und wieder zurück nachhause. Am Ende trinken wir etwas im eigenen Garten: Ein fast unberührtes Stück Natur mit Bäumen allen alters. Vögel und Insekten und Menschen fühlen sich wohl. Am Rand steht eine verfallene Backstube, die wir zu einer kleinen Bar umgebaut haben. Man glaubt kaum, wie ruhig, friedlich und grün es mitten in der Stadt sein kann.

Wenn Sie 24 Stunden Zeit hätten, in denen Ihnen alle Möglichkeiten offen stünden: Was würde Sie tun?

Kraft: Rom wurde nicht an einem Tag gebaut und leider lassen sich die wichtigen Dinge selbst mit allen Mitteln nicht an einem Tag lösen. Ohnehin ist Entschleunigung gefragt. Aber großartig wären 24 Stunden mit den klügsten Köpfen in einem Raum, um die wirklich brennenden Themen zu besprechen und Lösungsmöglichkeiten zu durchdenken

Wenn Sie die Wahl gewinnen, was werden Sie als Erstes tun?

Kraft: Ich möchte mit den neuen Mitarbeitern eine Fahrradtour der besonderen Art machen. Nicht etwa zu den Sehenswürdigkeiten oder Lieblingsplätzen, sondern überall dorthin, wohin wir täglich allzu schnell mit dem Auto fahren. Danach wird natürlich eingekehrt. Ich möchte erst einmal zuhören und wie kann man das besser, als bei einer zünftigen Brotzeit.

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