Kommunalwahl 2020

Landratswahl Mühldorf: Cathrin Henke (Grüne) zum Thema Flüchtlinge und Integration

Cathrin Henke

Cathrin Henke kandidiert als Landrätin für den Kreis Mühldorf. Wie steht die Kandidatin der Grünen zum Thema Flüchtlinge und Integration? Dazu und zu anderen wichtigen Themen haben wir Cathrin Henke befragt.

Cathrin Henke zum Thema Flüchtlinge und Integration

Der weltoffene gleichberechtigte Umgang mit allen Menschen liegt mir sehr am Herzen. Im Landkreis leben etwa 2000 Menschen mit Fluchthintergrund, 900 von ihnen haben Bleiberecht. Die Herausforderungen in den Jahren 2015/2016 konnten wir nur dank des großen Einsatzes vieler BürgerInnen bewältigen, die sich hilfsbereit und mitmenschlich engagiert haben.

Damit Integration gelingt, müssen Geflüchtete schnellstmöglich Zugang zu Deutsch und Integrationskursen bekommen, unabhängig ihres Aufenthaltstitels. Durch Arbeitsmöglichkeiten und Beschäftigungserlaubnissen können sie ihren Teil zur Gemeinschaft beitragen. Soweit das Landratsamt Ermessenspielräume hat, werde ich sie als Landrätin ausschöpfen – zum Wohl der Menschen, die zu uns kommen, und zum Wohl der Betriebe, die MitarbeiterInnen brauchen. Wer eine Ausbildung macht oder im Betrieb geschätzt wird, darf nicht herausgerissen und abgeschoben werden.

+++ Kommunalwahl 2020 in Bayern: Hier finden Sie alle Bürgermeisterkandidaten in den Gemeinden im Landkreis Mühldorf. Hier finden Sie am Wahlabend, 15. März 2020, das Ergebnis der Landratswahl und der Kreistagswahl im Kreis Mühldorf. +++

2015 wurde die Asylsozialarbeit in die Verwaltung des Landkreises integriert. Dies war damals richtig. Als Landrätin werde ich prüfen, ob diese Aufgabe wieder unter das Dach der Wohlfahrtsverbände gehört. Denn meist sind sie die Anlaufstelle für ehrenamtliches Engagement. Ich werde dafür sorgen, dass ehrenamtliche HelferInnen Wertschätzung und Unterstützung erfahren: Durch vertrauensvolle AnsprechpartnerInnen für Asylfragen, transparente und einfache Wege der Kostenerstattungen für Sachaufwendungen/Fahrtkosten sowie Weiterbildungsmaßnahmen und Informationspolitik.

Die monatelange Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften wie in Waldkraiburg halte ich für eine Zumutung – für die AsylbewerberInnen, die haupt- und ehrenamtlich Tätigen und die Nachbarschaft. Wir brauchen hier eine andere Landespolitik.

Klimaschutz – das sagt die Landratskandidatin der Grünen

Unser Ziel heißt 100-prozentige erneuerbare Stromversorgung bis 2030 und ein kompletter Ausstieg aus allen fossilen Energieträgern bis 2040. Dazu werde ich für eine konsequente Umsetzung des Energiekonzeptes Südostoberbayern sorgen. Dies schließt den Ausbau von Fotovoltaik, Geothermie, Nahwärmenetzen und Windenergie ein, die Förderung von Verbünden und dezentraler Energiespeicherung sowie ökologischer Baustandards.

Wichtig ist eine effizientere Nutzung von erschlossenen Flächen, auch durch Kooperationen über Gemeindegrenzen hinweg. Dazu brauchen wir ein landkreisweites Leerstandskataster, damit Flächen und Gebäude vor immer neuer Erschließung Vorrang bekommen.

Natur- und Artenschutz will ich in öffentlichen Planungen besser verankern und mit gutem Beispiel vorangehen. Wo möglich müssen wir ökologische insektenfreundliche Beleuchtungskonzepte umsetzen. Öffentliche Flächen sollen ökologisch optimal gestaltet werden, selbst wenn die Pfege etwas aufwendiger wird. Ich will auch innovative Ideen fördern, wie begrünte blühende Flachdächer für Insekten, Nisthilfen für Vögel bei der Gebäudeplanung berücksichtigen, sowie Regenwasserrückhalte- und Versickerungsflächen für den Naturschutz aufwerten.

Kartierte Biotope können wir in Kooperation mit den Eigentümern pflegen und verbessern. In alldem ist die bäuerliche Landwirtschaft eine wichtige Partnerin: Zum Erreichen der Klimaziele, für den Artenschutz, das Landschaftsbild und die Erzeugung von hochwertigen regionalen Lebensmitteln. Als Landrätin werde ich alle Möglichkeiten ausschöpfen, in Zusammenarbeit mit Landschaftspfegeverband, Ökomodellregion und den vielen ökologischen Akteuren im Landkreis, eine nachhaltige Landwirtschaft zu fördern.

Cathrin Henke über die medizinische Versorgung in der Region

Ich selbst gehöre auch dem neuen Verwaltungsrat der Kliniken an. Ich bin überzeugt, dass die Fusion der richtige Schritt ist, um unsere Krankenhäuser auf Dauer in kommunaler Hand zu halten. Damit wird die Gesundheitsversorgung in unserer Region zukunftsfähig. Denn das Gesundheitssystem erfordert eine immer stärkere medizinische und technische Spezialisierung.

Das können kleinere Kliniken alleine nicht stemmen. Mit dem Zusammenschluss und einer stärkeren Spezialisierung erreichen wir eine bessere Patientenversorgung und bessere Arbeitsbedingungen für alle MitarbeiterInnen.

Auch das Defzit, das die Landkreise tragen müssen, ist so besser zu bewältigen. Durch größere Fachabteilungen können wir auch leichter Nachwuchskräfte gewinnen. Das medizinische Konzept sieht dabei vor, dass die Notaufnahme und auch die Geburtsstation in Mühldorf erhalten bleiben. Das ist mir sehr wichtig. Nach der Bestellung der Vorstände und dem neuen Vorstandsvorsitzenden lautet die Aufgabe nun, die vier Häuserin Mühldorf, Altötting, Burghausen und Haag zu einem starken Kommunalunternehmen zusammenzuführen.

Die flächendeckende Versorgung mit HausärztInnen im Landkreis sehe ich als weitere wichtige Aufgabe in der regionalen Gesundheitsversorgung. Mit der Initiative InnDoc (Weiterbildungsverbund der Kreiskliniken und niedergelassener ÄrztInnen) sowie der Bildung von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) sind wir auf einem guten Weg, um junge MedizinerInnen für unsere Region zu gewinnen.

Um junge Fachkräfte dauerhaft zu binden, müssen wir auch attraktive Rahmenbedingungen bieten, die junge Familien ansprechen. Dazu gehören gute Schulen, Kinderbetreuung, bezahlbarer Wohnraum, Freizeitangebote und ein gutes ÖPNV-Angebot.

ÖPNV und Elektromobilität – Die Ideen der Grünen-Kandidatin

Mobilität muss allen Menschen offenstehen, unabhängig von ihrem Alter, Wohnort oder ihren finanziellen Möglichkeiten. Sie sollte Kindern und Jugendlichen genauso wie Familien und Senioren ein eigenständiges Leben ermöglichen und idealerweise das teure (Zweit-) Auto überfüssig machen. Deshalb brauchen wir attraktivere öffentliche Angebote, die die Lebensqualität des/der Einzelnen verbessern und zum Klimaschutz beitragen.

Ich will das beschlossene ÖPNV-Konzept zügig umsetzen. Ein kostenfreies Busticket für Schüler und Auszubildende unterstütze ich – interessant wird dieses jedoch erst mit ausreichenden Verbindungen. Unser Ziel ist, dass jede Ortschaft zwischen 5 und 22 Uhr mindestens stündlich angebunden ist. Die Busfahrpläne müssen mit der Südostbayernbahn synchronisiert und der Schüler-Busverkehr für alle geöffnet werden. So können wir ohne finanzielle Mehrbelastung deutlich mehr Verbindungen anbieten!

Zu einem ganzheitlichen Verkehrskonzept gehört der Ausbau sicherer Fuß- und Fahrradwege, Abstellmöglichkeiten für Fahrräder an Haltestellen, Einkaufs- und Freizeitstätten. Außerdem möchte ich, dass wir kreativer werden: Mietautos, Bürger- und Jugendtaxis haben sich bewährt – warum nicht auch bei uns? Mit einer Stärkung des ÖPNV sorgen wir für saubere Luft, geringere Lärmbelastung und geben den öffentlichen Raum gesellschaftlichem Leben zurück.

Dort wo BürgerInnen nach wie vor auf ein Auto angewiesen sind, soll das möglichst emissionsneutral geschehen. Gerade in Kombination mit einer eigenen Fotovoltaik-Anlage ist Elektromobilität eine echte klima- und umweltschonende Alternative. Dies können wir zusätzlich durch den Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur im Bereich öffentlicher Liegenschaften unterstützen.

Steckbrief zur Landratskandidatin Cathrin Henke

Mühldorf – "Klimaschutz hat für mich oberste Priorität. Mein Ziel: Bis 2030 im Landkreis 100 Prozent erneuerbare Energien durch den Ausbau von Photovoltaik, Geothermie, Nahwärmenetze, Wasserkraft und Windenergie. Der Landkreis muss dabei eine Vorreiterrolle übernehmen.

Für autofreie Mobilität will ich den öffentlichen Nahverkehr im Landkreis verbessern, mit Bürger- und Jugendtaxis sowie einem Netz von sicheren Rad- und Fußwegen ergänzen. Das macht unsere Region auch für sanften Tourismus attraktiv.

Bei der Bildung ist es mir wichtig, dass alle Kinder gut gefördert werden. Dazu will ich mehr in den Hochschulstandort und das Förderzentrum investieren. Ich werde einen Jugendkreistag einrichten, um junge Menschen bei Entscheidungen einzubeziehen. Für bezahlbaren Wohnraum vor allem für junge Familien und ältere Menschen werde ich Mehrgenerationenhäuser fördern.

Für Pflegebedürftige will ich unabhängige Beratungsstellen einrichten und für ausreichend Pflegefachkräfte sorgen. Die Integration von Geflüchteten liegt mir ebenso am Herzen wie ehrenamtliches Engagement.

Die Unterstützung der bäuerlichen Landwirtschaft und die Umstellung auf schonendere Bewirtschaftung ist mir ebenfalls ein großes Anliegen. Im Wandel zur klimaneutralen Wirtschaft sehe ich gutes Potential für Sozialunternehmen und andere Startups, dafür will ich attraktive Rahmenbedingungen schaffen. Die Arbeit des Landratsamtes will ich transparenter und digitaler machen und nach gemeinwohlökonomischen Grundsätzen ausrichten."

Persönliches über Cathrin Henke

Alter: 58

Familienstand: verheiratet, drei Kinder

Beruf: Rechtsanwältin, Mediatorin, Ausbilderin für Mediation.

Hobbys: lesen, wandern, Reisen und Zeit mit meiner Familie.

Fragen an die Landratskandidatin der Grünen im Kreis Mühldorf

Wo befindet sich Ihr Lieblingsplatz in Ihrer Gemeinde? Warum haben Sie gerade diesen Ort ausgewählt?

Henke: Am liebsten bin ich bei uns daheim am Inn unterhalb der Königswarter Brücke. Dort kann ich die Natur genießen und wunderbar von der Arbeit entspannen.

Wenn Sie 24 Stunden Zeit hätten, in denen Ihnen alle Möglichkeiten offen stünden: Was würde Sie tun?

Henke: Wie in der Komödie „Der Brandner Kaspar und das ewig`Leben“ würde ich versuchen einen Blick ins Paradies zu werfen. Dort würde ich mit Petrus auf die Erde und die Menschen schauen, mit ihm über den Klimawandel reden, und zurück auf der Erde für den „Münchener im Himmel“ die göttlichen Ratschläge der bayerischen Staatsregierung überbringen.

Wenn Sie die Wahl gewinnen, was werden Sie als Erstes tun?

Henke: Ich möchte als erstes die vierhundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Landratsamt persönlich kennen lernen. Denn ihr Engagement und ihre Motivation sind ein Grundpfeiler für die Qualität meiner Arbeit als Landrätin.

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