Wahlbeteiligung nur leicht gestiegen

CSU kann bei Stichwahlen im Berchtesgadener Land jubeln - Kern und Lung gewinnen

CSU-Sieg in Bad Reichenhall und im Landkreis
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Am Ende hatte die CSU die Nase in den Stichwahlen vorn und sowohl Christoph Lung in Bad Reichenhall (l.) und Bernhard Kern im Berchtesgadener Land (r.) etwas zu feiern.
  • Christine Stanggassinger
    vonChristine Stanggassinger
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Berchtesgadener Land - Obwohl es nur zwei Stichwahlen im Berchtesgadener Land gegeben hat, hat der zweite Wahlabend der Kommunalwahlen 2020 bereits im Vorfeld Spannung versprochen. Die Ergebnisse waren am Ende deutlich und nur eine Partei hatte Grund zu feiern.

Für Grünen-Landratskandidat Bartl Wimmer stand das Ergebnis bereits im Vorfeld fest. Er ahnte, dass es keine parteipolitische, sondern eine "regional polarisierende" Entscheidung werden würde. Kurz gesagt: ihm als Berchtesgadener waren seine Chancen im Süden des Landkreises klar, er wusste aber auch, dass es im Norden "relativ schwierig" werden würde, denn sein Mitbewerber um das Amt des Landrats, Bernhard Kern (CSU), stammt aus Saaldorf-Surheim.

"Deshalb habe ich Bernhard Kern auch schon vor der endgültigen Entscheidung zur Wahl gratuliert", gab Wimmer gegenüber BGLand24.de zu. Denn auch wenn die ersten Ergebnis-Schnellmeldungen eher aus dem Süden kamen und Bartl Wimmer vorne sahen, revidierte sich das, je mehr Schnellmeldungen aus dem Norden dazu kamen.

Trotz der Wahlniederlage kann Bartl Wimmer noch lachen. Er freut sich auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit Bernhard Kern.

Am Ende gewann Kern die Wahl zum Landrat klar mit 58,73 Prozent, Wimmer errichte achtbare 41,27 Prozent. "Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden", äußerte sich der Grüne-Landratskandidat, der damit gerechnet hatte, an diesem Abend Zweiter zu werden. "Es stehen jenseits der Wahlen echte Herausforderungen für den ganzen Landkreis bevor. Da brauchen wir eine fraktionsübergreifende gute Zusammenarbeit, die ich Bernhard Kern hiermit auch verspreche."

Dem neu gewählten CSU-Landrat fiel zuhause in Saaldorf-Surheim ein Stein vom Herzen. "Es waren jetzt fast neun Monate Wahlvorbereitung", musste er seine Anspannung zugeben. Doch die war am Sonntagabend (29. März) wie weggeblasen. Zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn feierte er den Wahlerfolg, nicht ohne seinen Mitbewerbern zu danken: "Sie waren alle vier immer fair."

Auch für die Zukunft ist Kern wichtig, dass er als Landrat für das gesamte Berchtesgadener Land gut mit allen 15 Gemeinden und Bürgermeistern "egal welcher Partei" zusammenarbeitet. Allerdings hätte er sich aufgrund der reinen Briefwahl eine etwas höhere Wahlbeteiligung gewünscht. Sie lag zwar mit 58,21 Prozent höher als noch vor zwei Wochen (57,09 Prozent), aber immerhin wurden die Unterlagen direkt ins Haus geliefert und mussten nicht beantragt werden.

"Im Grunde ist es wie immer. In den ländlichen Gebieten ist die Wahlbeteiligung hoch bis sehr hoch und sobald man in den städtischen Bereich kommt, flacht sie ab", analysierte er im Gespräch mit BGLand24.de. Tatsächlich lag die Wahlbeteiligung in Saaldorf-Surheim mit 73,56 Prozent am höchsten, gefolgt von Ramsau (72,91 Prozent) und Teisendorf (70,68 Prozent). Am niedrigsten war die Wahlbeteiligung mit 44,25 Prozent in Freilassing und mit 47,53 Prozent in Ainring.

Bad Reichenhall hat einen neuen Oberbürgermeister

Christoph Lung (CSU, r.) ist der neue Oberbürgermeister von Bad Reichenhall, Monika Tauber-Spring (Bürgerliste, l.) gratulierte.

In Bad Reichenhall stieg die Wahlbeteiligung im Vergleich zur Kommunalwahl vor zwei Wochen um gute fünf Prozent. Gingen am 15. März 51,93 Prozent zur Wahl, waren es am 29. März 57,2 Prozent. Es stand die Entscheidung an, ob Christoph Lung (CSU) oder Monika Tauber-Spring (Bürgerliste) der/die neue Oberbürgermeister(in) von Bad Reichenhall werden würde.

Am Ende war das Ergebnis auch hier deutlich. "Die Zeit für eine Frau und noch dazu eine parteiunabhängige, bürgernahe ist noch nicht reif", analysierte es Monika Tauber-Spring auf Nachfrage von BGLand24.de. Sie zeigte sich stolz, dass sie so viele Leute gewählt hätten und "ich mehr Wähler hinzugewinnen konnte als mein Konkurrent".

Wahlpartys mit der Familie

Ihrem Konkurrenten Christoph Lung gratulierte sie natürlich zur Wahl. "Ich wünsche ihm alles Gute, viel Weitsicht und Kraft für die schwierigen Entscheidungen, die anstehen." Denn wie auch die Landrats-Stichwahl war die Oberbürgermeister-Stichwahl geprägt von der derzeitigen Corona-Krise.

Statt in den Rathäusern und im Landratsamt warteten die Kandidaten zuhause im Kreise ihrer Familien auf das Ergebnis. Große Feiern darf es derzeit nicht geben. Deshalb verzichteten alle auch auf einen Straßen- oder Veranstaltungs-Wahlkampf und verließen sich ganz auf Medien und soziale Medien.

Letztlich entschieden sich in Bad Reichenhall 53,8 Prozent für Christoph Lung und 46,2 Prozent für Monika Tauber-Spring. Der neu gewählte Oberbürgermeister freute sich sehr über das Wahlergebnis. "Ich hätte es knapper erwartet", gab er gegenüber BGLand24.de zu. "Umso glücklicher bin ich über den Ausgang."

Auch er hätte sich aufgrund der Umstände etwas mehr Wahlbeteiligung erhofft, allerdings sei die Stimmung zur Zeit eben auch etwas gedrückter als sonst. Mit den Auswirkungen des Coronavirus stehen Lung große Herausforderungen bevor. Tauber-Spring versprach ihm, das gemeinsam zu bewältigen. "Ich bin zuversichtlich, wenn diese Solidarität anhält, die derzeit vorherrscht, dass wir aus dieser Talsohle gemeinsam herauskommen."

cz

Quelle: rosenheim24.de

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