NEUE BUNDESMINISTERIN

Klöckners schwierige Rückkehr

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Julia Klöckner stünde als Agrarministerin vor heiklem Terrain.

Berlin – Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel über das künftige Kabinett spricht, schwärmt sie vor allem vom Wirtschaftsressort.

Für die umstrittene Preisgabe des Finanzministeriums bekomme ihre CDU doch nach fünf Jahrzehnten wieder das Haus, das Ludwig Erhard einst als „Vater“ der sozialen Marktwirtschaft prägte, wirbt die Kanzlerin.

Erstaunlich wenig ist die Rede von einem anderen Ressort, das auch schon 20 Jahre lang kein Christdemokrat mehr führte: das für die Partei so wichtige Landwirtschaftsministerium, das in einer neuen großen Koalition die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner leiten soll. Zwischen Bauern und Verbrauchern erwarten sie einige hart umkämpfte Felder.

Neuland ist es für die 45-Jährige nicht, die aus einer Winzerfamilie stammt, 1995 Deutsche Weinkönigin war und auch vom Traktorfahren erzählen kann. Sie sehe sich für die Aufgabe „ganz gut“ vorbereitet, sagt Klöckner selbst. Denn in dem Ressort, das sie künftig führen soll, arbeitete sie schon als Parlamentarische Staatssekretärin.

Das war von 2009 bis 2011 unter der CSU-Ministerin Ilse Aigner. Klöckner kümmerte sich damals vor allem um Verbraucherschutz und Ernährung, forderte zum Beispiel eine Kennzeichnung von „Mogel-Schinken“, also Imitaten aus zusammengefügten Fleischstückchen. Da war sie auch schon länger Verbraucherschutzbeauftragte der Unionsfraktion im Bundestag.

Die ersten Gratulationen gingen schnell ein, genau wie Forderungen und Erwartungen. „Julia Klöckner ist eine ausgewiesene Expertin im Bereich Landwirtschaft“, lobte Bauernpräsident Joachim Rukwied gleich nach der Nominierung. Das Agrarkapitel im Koalitionsvertrag trage in großen Teilen ihre Handschrift. Als zentrale Ziele stellen Union und SPD darin eine Stärkung der heimischen Landwirtschaft, eine „Vorreiterrolle“ Deutschlands beim Tierwohl und mehr Transparenz bei Lebensmitteln etwa für eine gesündere Ernährung heraus.

Doch auch in diesen Fragen liegt der Teufel in vielen Details – von heiklen Symbolthemen wie dem Abschied vom Unkrautgift Glyphosat oder Wegen zu weniger Salz, Zucker und Fett in Fertigprodukten ganz zu schweigen.

Klöckner sendet vor dem Start die Botschaft aus, alte Gräben überbrücken zu wollen. „Wir brauchen beides, konventionelle und ökologische Landwirtschaft.“ Ihr gehe es um „eine ideologiefreie Betrachtung“, keine einseitige Bevorzugung oder Benachteiligung. „Beides ist wichtig und hat seine Berechtigung.“

Wenn es aber hart kommt, könnte Klöckner allerdings schnell in eine Bewährungsprobe geraten, die für Landwirtschaftsminister zum Berufsrisiko gehört. Besorgt blicken viele Bauern seit Wochen auf die Afrikanische Schweinepest in Osteuropa. Bei einem baldigen Ausbruch der Tierseuche in Deutschland wäre die Einarbeitungszeit der Ministerin aber schlagartig vorbei – und Julia Klöckner als Krisenmanagerin gefragt. S. Meyer/O. Rieger

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