Kirchenrechtler warnen vor Verwirrung

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Der Fischerring von Benedikt wurde nach seinem Rücktritt zerstört. Foto: dpa

Rom – Einige Kirchenrechtler und Historiker stoßen sich nach wie vor an der unklaren Rolle von Benedikt XVI./Joseph Ratzinger.

Franziskus und Benedikt tragen beide weiße Gewänder, auch die Anrede kann für Missverständnisse sorgen. Im Amtsverzicht des „Einmaligen“ steckt von Alters her eine Gefahr. Denn eigentlich ist es doch so: Es kann nur einen geben...

Aber nun zwei weiß gekleidete Männer auf dem Petersplatz? „Das ist viel schlimmer als alles Theologische“, warnt der deutsche Kirchenhistoriker Hubert Wolf. Die Sorge ist, dass es zu einer Kirchenspaltung führen könnte. Mehr als einmal in der Geschichte hat sich im Mittelalter ein Teil der westlichen Christenheit an einen Papst gehalten und ein anderer an einen zweiten. „Gegenpäpste“ – das Phänomen erschreckt seitdem.

Für Wolf ist die Tatsache, dass der Emeritus weiter Papstgewänder trägt, eine Katastrophe: „Auf der Ebene der symbolischen Kommunikation“ mit dem Kirchenvolk schaffe das Verwirrung. Nach katholischem Amtsverständnis gebe es nur einen Papst – und nur der habe das Recht, ein weißes Gewand zu tragen. In zwei historischen Beispielen hätten die Zurückgetretenen stattdessen wieder den Kardinalspurpur angenommen und auch ihren Papstnamen abgegeben. Wolf gibt zu bedenken, es müsse auch für Päpste eine Regelung zur Amtsenthebung als „gültigem Rechtsakt“ entwickelt werden, denn: „Angesichts der modernen Medizin kann es einen Punkt geben, wo ein Papst seinen Rücktritt nicht mal mehr erklären kann.“ Ohnehin virulent für die Frage des Amtsverzichts: Menschen, auch Päpste, werden immer älter.

Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller kritisiert die „neue Sprachform eines emeritierten Papstes“; dies führe zu „Verunklarung“ und Verwirrung. Auch andere Experten äußern den Wunsch, künftige zurückgetretene Päpste sollten nicht mehr den Titel eines „Papa emeritus“, sondern den eines emeritierten Bischofs von Rom tragen – rechtlich klar umrissen und ganz wie andere Bischöfe auch. Auch Schüller spricht sich dafür aus, bei einem Rücktritt das Wahlamt des Papstes deutlicher sichtbar zurückzugeben, als es unter Benedikt geschah. Franziskus gehe zwar „sehr entspannt“ mit der Situation um und habe offenbar ein gutes Verhältnis zu seinem Vorgänger. Doch hält Schüller es für problematisch, dass sich Benedikt XVI. mit öffentlichen Äußerungen dann doch nicht immer so zurückgehalten habe wie angekündigt.  kna

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