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Keine Angst vor dem Diesel

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Dirk Ippen

Vor vier Monaten habe ich ein Dieselauto gekauft, mit einem komplett neu entwickelten 4-Zylinder-Motor der umweltschonenden Euro-6-Version.

Meine Rechnung an der Zapfsäule ist seitdem deutlich niedriger als zu der Zeit, als ich dort einen 6-Zylinder-Benziner aufzutanken hatte. Mein Diesel stößt erheblich weniger CO2-Schadstoff aus als mein vorheriges Fahrzeug, allerdings mehr Stickstoffdioxid (NO2), wovon früher ja nie die Rede war. Dabei wollte ich mit meinem Dieselkauf eine umweltschonende deutsche Spitzentechnologie fördern. Ich weiß ja zu gut, wie abhängig unser Wohlstand davon ist, dass wir weltweit die besten Autos produzieren.

Bald nach dem Kauf bekam ich vom Chef des Autohauses einen überaus liebenswürdigen Dankesbrief, weil ich mich für die neue Dieseltechnologie entschieden hätte. Da habe ich zum ersten Mal gedacht, dass es mit Dieselfahrzeugen Probleme geben könnte. Niemals aber hätte ich mir vorstellen können, dass die weitere Zulassung älterer Dieselfahrzeuge einmal in Frage stehen könnte, weil ein EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm je Kubikmeter Luft bei Stickoxiden an Stuttgarts Neckartor oder auf der Landshuter Allee in München überschritten wurde.

Wie für jedes Gift gilt nämlich auch für Stickoxid der alte Satz des Paracelsus: „Alle Dinge sind Gift und nichts ist ohne Gift, allein die Dosis macht’s, dass ein Ding kein Gift ist.“ Klinische Tests haben ergeben, dass selbst bei einer Konzentration von Stickstoffdioxid von 2000 Mikrogramm je Kubikmeter, was den Emissionen eines älteren Euro-5-Dieselmotors entspricht, keine nachteiligen Wirkungen auf Lungen, Nasen oder Augen von Probanden festgestellt wurden. Getreu der Paracelsus-Erkenntnis ist daher erst recht eine Konzentration von 78 Mikrogramm, wie in Stuttgart und München gemessen, „kein Gift“. Dazu passt, dass die Bundesanstalt für Arbeitsschutz die maximal erlaubte Konzentration von Stickoxid am Arbeitsplatz sogar auf 950 Mikrogramm/Kubikmeter festgelegt hat, ein Vielfaches der auf den Straßen gemessenen Konzentration.

Es kann ja wohl nicht sein, dass die Gesundheit unserer Stadtbevölkerung bei einer NO2-Konzentration von 78 Mikrogramm gefährdet sein soll, wenn Arbeitnehmer in geschlossenen Räumen bedenkenlos einer Konzentration von 950 ausgesetzt werden dürfen.

Es bleibt zu hoffen, dass die Verwaltungsrichter in dem schwebenden Verfahren keine Entscheidung treffen, sondern den Fall an EU-Gerichte verweisen. Hier wäre erst einmal zu klären, wieso Brüssel für die erlaubte Stickstoffoxid-Konzentration einen Grenzwert festsetzt, der weit unterhalb der Schwelle einer Beeinträchtigung oder gar Gefährdung unserer Gesundheit liegt. Und wieso überhaupt beschäftigt sich die Brüsseler Bürokratie in ihrer Regelungswut mit der Luft auf unseren Straßen, worüber doch immer noch unsere Behörden aus dem Gesichtspunkt der öffentlichen Sicherheit und Ordnung entscheiden sollten?

Deutschlands Automobilindustrie ist der Vater des Diesels. Deren Ingenieure haben unsere Autos im Laufe einer langen Entwicklung im Wettbewerb untereinander immer umweltschonender gemacht. Sie werden auch Wege finden, mit dem NO2-Problem fertig zu werden. Die Luft auf Deutschlands Straßen ist von Jahr zu Jahr schon deutlich besser geworden. Die alten Dieselfahrzeuge werden ja im Alterungsprozess nach und nach durch neue Modelle ersetzt.

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