POLYGAMIE IM ASYL- UND SOZIALRECHT NICHT VORGESEHEN – FALL EINER SYRISCHEN GROßFAMILIE MIT 23 KINDERN UND VIER EHEFRAUEN WIRFT FRAGEN AUF

Kein Familiennachzug bei Mehr-Ehen

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Bei der Registrierung: Eine Familie aus Syrien in der Registrierungsstelle für Flüchtlinge in Berlin. Foto: dpa

München – Der Fall einer syrischen Großfamilie, die in Deutschland Asyl genießt, hat für Schlagzeilen gesorgt: „Mein Nachbar hat vier Frauen und 23 Kinder“, schrieb die „Bild“.

Die „Basler Zeitung“ veröffentlichte einen Bericht mit dem Titel: „Teure Vielweiberei“. Konkret handelt es sich um eine Familie aus Syrien mit 23 Kindern, einem Familienvater und dessen vier Ehefrauen. Die Familienteile sind im vergangenen Jahr zu unterschiedlichen Zeitpunkten von Syrien nach Deutschland eingereist und haben Asyl beantragt. Vor ihrer Flucht lebte die Großfamilie in Syrien verteilt auf mehrere Städte. Der Familienvater war in Syrien ein vermögender Geschäftsmann.

Der Fall wirft Fragen auf, wie der deutsche Staat mit Mehrehen bei Flüchtlingen umgeht. Polygamie ist weder im deutschen Sozial- noch Asylrecht vorgesehen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erhebt keine statistischen Daten zu Mehrehen. Ein Sprecher erklärt aber: „Sollten alle Ehegatten gemeinsam eingereist sein, werden im Asylverfahren die Anträge aller Ehegatten geprüft.“

So war das auch in dem konkreten Fall der syrischen Großfamilie. Nach der Registrierung musste sich der Familienvater für eine seiner vier Frauen entscheiden, mit der er gemäß dem Sozialrecht eine sogenannte Bedarfsgemeinschaft bilden will. Das heißt vor allem: Mit welcher Frau und deren Kindern er zusammen leben möchte? Eine – auch vor religiösen Hintergrund – wohl nicht ganz leichte Entscheidung: Der „Bild“ sagte der Familienvater: „Nach unserer Religion habe ich die Pflicht, jede Familie gleichermaßen zu besuchen und bei ihnen zu sein, keine zu bevorzugen.“

Die Familie wurde auf vier verschiedene Orte in Rheinland-Pfalz verteilt: Nach Angaben der zuständigen Behörde sind zwei Familienteile in der Verbandsgemeinde Montabaur untergebracht. Eine dritte Frau lebt mit ihren Kindern in Koblenz, die vierte in der Koblenzer Umgebung. Eine Tochter hat Deutschland schon wieder verlassen. Sie befindet sich nun in Saudi-Arabien. Ein Sprecher der Verwaltungsgemeinschaft Montabaur berichtet auf Anfrage, die Integration der XXL-Familie mache – nach anfänglichen Schwierigkeiten – Fortschritte. Alle schulpflichtigen Kinder gehen zur Schule, die kleineren in den Kindergarten.

Zwar haben die Familienmitglieder selbst in Deutschland Asyl beantragt. Doch vor dem Hintergrund stellt sich grundsätzlich die Frage des Familiennachzuges bei Großfamilien wie dieser: Können Männer, die vollkommen Flüchtlingsschutz genießen und nach islamischen Recht mit mehreren Frauen verheiratet sind, die gesamte Familie nach Deutschland holen?

Die Gesetzeslage ist eindeutig: Dem Aufenthaltsgesetz zufolge ist ein Nachzug mehrerer Ehegatten ausgeschlossen. Das gilt auch, wenn die Mehr-Ehe im Herkunftsland rechtmäßig geschlossen wurde. Der BAMF-Sprecher sagt: „Beantragen mehrere Frauen den Nachzug zu einem Ehemann, so obliegt es der Familiengemeinschaft, gemeinsam zu entscheiden, welche der Frauen einreisen soll. Die Erteilung eines Visums zum Ehegattennachzug ist für die anderen Ehefrauen nicht möglich.“    rat

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