Kandidat im Kreuzfeuer

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Sie wollen meinen Job: Bislang haben die konservative Kanzlerin und der sozialdemokratische EU-Politiker vertrauensvoll zusammengearbeitet – das dürfte sich nun ändern.

Mann der „Schulden-Union“, Wegbereiter einer „linken Republik“ – Die Union nimmt den „Kandidaten Schulz“ ins Visier. Doch auch der SPD-Kanzlerkandidat lässt schon Wahlkampfbotschaften erkennen.

Verbal-attacken auf Martin Schulz

Von Til Huber

München – Die Attacken aus München und Berlin kommen in kurzer Abfolge. Gestern, 14 Uhr: CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer steigt in der CSU-Zentrale aufs Podium. Der Kandidat Schulz stehe für ein „Weiter-so-Europa“, ätzt er. Wenn es nach Schulz gegangen wäre, „hätten wir jetzt eine Schulden-Union“. Wenige Minuten später in Berlin, Auftritt CDU-General Peter Tauber. Der „Kandidat Schulz“ stehe für die „Nachlässigkeit mit Schuldensündern“, für die Aufweichung von Stabilitätskriterien. Die Worte variieren leicht, die Botschaft ist dieselbe. Die Kampagne der Union rollt an.

Der „Kandidat Schulz“. Im Gegensatz zur Kanzlerin und Staatsfrau, die er herausfordert. Am Sonntag hatte Martin Schulz, Ex-EU-Parlamentspräsident, sich von den eigenen Leuten im Willy-Brandt-Haus bejubeln lassen. Abends durfte er Millionen Fernsehzuschauern bei „Anne Will“ von sich und seinen Plänen als SPD-Kanzlerkandidat erzählen. Seit gestern steht er nun im Feuer. Strategien der einen wie der anderen Seite werden erkennbar.

Schulz, der sein EU-Parlamentsmandat diese Woche niederlegen will, gewährt am Sonntag schon bei seiner Nominierung Einblicke, wie er sich positionieren möchte. In der SPD-Zentrale klopft er sich aufs Herz: Für soziale Gerechtigkeit könne nur richtig sorgen, wer die Sorgen der Bürger wirklich verstehe und fühle. Das tue er als früherer Bürgermeister von Würselen mit jahrelanger Sprechstundenerfahrung. Mitdenken soll man dabei: Angela Merkel tue das eben nicht, als kalte Physikerin ohne Gespür für den kleinen Mann. Schulz wird nicht müde, sein Thema zu betonen: soziale Gerechtigkeit. „Riesenvermögen“ wolle er stärker besteuern, kündigt er gestern an. Einkommen aus Kapital dürfe nicht mehr geringer besteuert werden als Arbeitseinkommen.

Martin Schulz, der Neue. Der Unverbrauchte. Bislang geht das Kalkül der SPD auf. In Umfragen legt die Partei deutlich zu. Im direkten Vergleich mit Merkel liegt Schulz fast oder sogar ganz gleich auf. Aber lässt sich daraus schon ein Trend ablesen?

Matthias Jung, Chef der Forschungsgruppe Wahlen, will davon noch nicht sprechen. Mit kaum einem anderen Politiker aus der Beliebtestenliste verbänden die Menschen so wenig, wie mit Schulz. „Ein großer Teil des Publikums ist erst einmal bereit, Vorschusslorbeeren zu entrichten.“ Ob sich das verstetige, könne man frühestens in ein paar Wochen sagen. Noch ist das Rennen am Anfang. Unsicherheiten bis zur Bundestagswahl gibt es viele, darunter drei noch ausstehende Landtagswahlen.

Für Schulz zeichne sich allerdings schon jetzt ein strategisches Dilemma ab, meint Jung. Selbst wenn er, wie erhofft, die SPD wieder an die 30-Prozent-Marke hebt, könnte er wohl nur mit Linken und Grünen Kanzler werden. „Das ist derzeit die einzig erkennbare Machtperspektive.“ Wähler der Mitte könnte diese Aussicht aber vergraulen.

Darauf will die Union im Wahlkampf massiv setzen – zumal Schulz tatsächlich keine Option ausschließen will. Es gehe um die Wahl „zwischen einer bürgerlich geführten Regierung und Rot-Rot-Grün mit Martin Schulz“, sagt Peter Tauber. Andreas Scheuer warnt schon vor einer „linken Republik“.

CSU-Chef Seehofer gibt sich indes gestern entspannt. „Es ist immer gut, wenn man im politischen Wettbewerb die Konkurrenz ernst nimmt“, sagt er. Ob sich die Union jetzt nicht warm anziehen müsse? Bald komme der Frühling, antwortet Seehofer. Da sei leichtere Kleidung gefragt. „Im Somer wird es dann noch leichter.“ Die Bundestagswahl ist allerdings erst am 24. September. Die Entscheidung zwischen Schulz und Merkel liegt also schon fast im Herbst.

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