„Jeder 2. Raucher stirbt vorzeitig“

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Dr. Martina Pötschke-Langer

6 Fragen aN Dr.

Martina Pötschke-Langer leitet die Stabsstelle Krebsprävention am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Wie viele Deutsche sterben jährlich an den Folgen des Rauchens?

Die aktuellste Untersuchung geht von rund 28 800 tabakbedingten Todesfällen bei Frauen jährlich aus und von 77 500 Todesfällen bei Männern. Die häufigsten Krebstodesfälle finden sich in den Bereichen der „Raucherstraße“ – also Mundhöhle, Rachen, Luftröhre, Bronchien, Lunge, aber auch der Speiseröhre und der Bauchspeicheldrüse.

Wie viel früher stirbt im Schnitt ein Raucher?

Wir wissen vor allem aus Langzeitstudien aus England und den USA, dass ein Raucher im Vergleich zu einem Nichtraucher im Schnitt gute 10 Jahre seines Lebens verliert und dass jeder zweite Raucher vorzeitig stirbt.

Bis wann muss man mit dem Rauchen aufhören, um seine Lebenserwartung nicht zu ruinieren?

Es ist es immer sinnvoll, mit dem Rauchen aufzuhören, egal wie alt man ist. Aber wer vor seinem 40. Geburtstag aufhört, hat noch gute Chancen, genauso lange zu leben wie ein Nichtraucher.

Ist Rauchen noch „in“?

Nein, das hat sich in den vergangenen Jahren erfreulicherweise geändert. Inzwischen genießt das Nichtrauchen eine sehr viel höhere gesellschaftliche Akzeptanz als das Rauchen – nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch im Privaten: Viele, die früher in der Wohnung geraucht haben, unterlassen das jetzt aus Rücksicht auf die Familienmitglieder.

Wo steht Deutschland beim Nichtraucherschutz?

Leider ist der Nichtraucherschutz von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich. Der Vorreiter ist Bayern, wo dank des Bürgerentscheids 2010 ein konsequentes Rauchverbot in der Gastronomie mit großem Erfolg eingeführt wurde.

Wo stehen wir in Sachen Tabakwerbeverbot?

Deutschland hat vor zehn Jahren das Rahmenübereinkommen zur Tabakkontrolle der Weltgesundheitsorganisation ratifiziert, das auch ein Tabakwerbeverbot enthält – gehandelt hat Deutschland bislang nicht. Dabei sind die Werbemethoden der Tabakindustrie bestens bekannt: Es geht darum, junge Menschen dazu anzuregen, mit dem Rauchen zu beginnen und Rauchern den Ausstieg aus der Sucht so schwer wie möglich zu machen. Tabakwerbung schadet erheblich der öffentlichen Gesundheit.

Interview: Marc Strehler

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