Tote in Tripolis

IS bekennt sich zu Anschlag auf libysches Außenministerium

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Ein Krankenwagen in der Nähe des Außenministeriums in Tripolis, aus dem Rauch aufsteigt. Foto: Mohamed Ben Khalifa/AP

Mit Sprengstoffgürteln bewaffnet greifen drei Männer das libysche Außenministerium an. Mindestens zwei Zivilisten fallen der Bluttat zum Opfer. Die Reaktion der Regierung auf den Anschlag zeigt, wie groß das Chaos im Land ist.

Tripolis (dpa) - Selbstmordattentäter haben beim Angriff auf Libyens Außenministerium in der Hauptstadt Tripolis mindestens zwei Zivilisten getötet. 18 weitere Unbeteiligte seien verletzt worden, berichtete das Innenministerium am Dienstag.

Die Terrormiliz Islamischer Staat bekannte sich in der Nacht zum Mittwoch über ihr Sprachrohr Amak zur Tat. Drei Angreifer hätten das Gebäude bewaffnet mit Maschinengewehren und Sprengstoffgürteln gestürmt. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.

Der libyschen Nachrichtenagentur Lana zufolge sprengten sich zwei der Angreifer in die Luft. Ein dritter Mann sei bei einer Schießerei mit dem Sicherheitspersonal des Außenministeriums getötet worden. Auf online kursierenden Bildern war dichter Rauch über dem Gebäude zu sehen, das zur international anerkannten Regierung des Landes gehört.

Seit dem Tod von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi 2011 ist das Land in Nordafrika im Chaos versunken. Im Machtvakuum konnten sich Dschihadisten ausbreiten. Der IS, der noch 2016 einen zusammenhängenden Streifen an der Küste kontrolliert hatte, ist zwar als Territorialmacht geschlagen, besitzt aber im ganzen Land Terrorzellen. Erst vor zwei Wochen hatten die Extremisten mit der Tötung von sechs libyschen Geiseln für Aufmerksamkeit gesorgt.

In Tripolis gibt es zudem immer wieder Kämpfe von anderen Milizen und verfeindeten Gruppen sowie Gewalt gegen die schwache offizielle Regierung Libyens, die in der Hauptstadt sitzt. Das Land ist dabei tief gespalten, eine Gegenregierung im Osten beansprucht die Macht ebenso für sich.

Der Innenminister der offiziellen Regierung, Fathi Ali Baschaga, sprach bei einer Pressekonferenz am Dienstag von einem sicherheitspolitischen Chaos. Er kündigte eine Untersuchung an. Auch werde das Ministerium in einen sichereren Teil der Stadt umziehen.

Baschaga machte auch ausländischen Geheimdiensten schwere Vorwürfe. Einige von diesen stünden mit bewaffneten Gruppen in Libyen, nicht aber mit der Regierung in Kontakt. Zur Herkunft der Täter sagte er, dass von der Hautfarbe her auf "Afrikaner" zu schließen sei. In Nordafrika sind damit oft dunkelhäutige Menschen aus den Staaten südlich der Sahara gemeint.

Das libysche Außenministerium verurteilte den Anschlag am Dienstag. Alle Menschen, die während des Angriffs in dem Gebäude waren, seien in Sicherheit gebracht worden. "Die libysche Bevölkerung führt für die Welt einen Kampf gegen den Terror", hieß es in einer Mitteilung.

Bericht (Arabisch)

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